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Alexander ging die Stufen zum Herrenhaus hinauf und betrat das Foyer von der Gartenseite her. Er sah Carson, den Butler, geradewegs ins grosse Wohnzimmer gehen, als er ihm rief
„Carson, bitte holt doch vor der Haupttür die Taschen, welche bei der Treppe liegen müssten. Bringt sie in mein Gemach. Ausserdem sollten sie sich alle in Acht nehmen, denn wir haben wieder hundswütige Tiere. Informieren sie auch Elaine und meine Stiefmutter und veranlassen sie, dass heisses Wasser in die Wanne im Pavillon gebracht wird und das so schnell als möglich". Er wollte erst ihr Gepäck inspizieren, bevor er sie in das Haus seines Vaters liess. Seine Gedanken gingen zu einer zarten Berührung an seinem Arm zurück. Er schloss seine Lider und sah grüne Augen, die einem, wie zwei Smaragde, entgegen funkelten. Schwarzes lockiges Haar und eine kleine gerade Nase. Nicht zu verachten war auch ihr Busen, so üppig und weich, der sich an ihn geschmiegt hatte, als er sie gegen die Holztür gedrückt hatte. Und wie sie sich geziert hatte, als er sie begutachtete. Er kannte ja diese Frauenwelt. Gott verfluchte er sie!
„Ahh da bist du ja mein lieber Bruder, ich hab gerade an dich gedacht" sagte Rickard verschmitzt. Sein Bruder schlenderte gerade die Haupttreppe hinunter. Er war sein totales Gegenstück, von der Sohle bis zum Scheitel. Sein Haar war dunkelblond, seine Augen hatten eine satte Meeresfarbe und seine Züge waren weichromantisch. Ebenso seine Einstellung gegenüber Frauen. Er hatte bisher keine Dame kennengelernt, die sein Bruder nicht für sich gewonnen hätte. Das ging über verheiratete Ladies, bis hin zur normalen Dirne. Er war sich sicher, dass Rickard noch nie eine nicht um den Finger gewickelt hatte. Die, die sich zierten, hatte er innerhalb weniger Wochen in seinen Bann gezogen und dann legten sie sich zu seinen Füssen und taten alles für ihn. Ausserdem war Alec noch nie einer Frau begegnet, die nicht gleich Rickards Charme erlegen wäre. Sein Bruder tat das seinige, er konnte der süssen Verführung einer Frau nie standhalten. Jetzt hatte er jedoch keine Zeit für ihn
„Rickard, ich bin im Moment sehr beschäftigt. Wir können uns später unterhalten"
„Geschätzter Bruder, sei nicht immer so verstockt... Ich könnte dir einige Geschäfte abnehmen, damit auch ich mich in die Gesellschaft einfüge, wie unsere Stiefmutter es wünscht". Er lachte seinen Bruder schelmisch an „Ach komm schon, was kann ich tun?" Alexander erwiderte den Blick seines Bruders und sagte dann
„Von mir aus, die Gebiete im Nordosten von Surrey müsste man abreiten und sich bei den Bauern erkunden. Wir müssen auch den Stand der in soldatenfähigem Alter stehenden Männer überprüfen"
„Bruderherz ich werd mein Bestes geben" sagte er mit einer ausholenden Verbeugung und ging an Alexander vorbei in Richtung Tür „Ich werde mich unverzüglich auf den Weg machen"
„Ach ja und wir haben wieder hundswütiges Vieh"
„Wird ebenfalls erledigt" und Rickard verschwand mit Schalk auf dem Gesicht durch die Tür. Alec schüttelte resigniert den Kopf. Wie im Aussehen, so war sein Bruder ebenfalls im Charakter die andere Seite einer Münze. Die schön Glänzende wohl gemerkt. Manchmal fragte er sich, ob sie wirklich verwandt waren. Rickard schlängelte sich durch das Leben, beglückte reiche Witwen und kümmerte sich kaum um die Auswirkungen seiner Handlungen. Er hatte sich nie übermässig für den Wehrdienst interessiert und die Tatsache ein de Warenne zu sein, schützte ihn vor Repressalien. Natürlich verstärkte Alecs Engagement diesen Umstand noch. Er sah sich um. Er stand alleine in der Haupthalle. Die Stille dröhnte beinahe in seinen Ohren, doch das war in der letzten Zeit nicht ungewöhnlich. Einmal mehr übermannte ihn die Bitterkeit dieser Situation. Wie sehr er diesen Ort auch verfluchte, es war sein Zuhause und nichts würde ihn davon abhalten seine Pflicht, bis zum letzten Atemzug seines Vaters, zu erfüllen. Er schnaubte, jetzt hatte er dringenderes zu erledigen, nämlich diesen unwillkommenen Gast, der noch Draussen auf ihn wartete. Zu all seinem Überdruss wollte sie auch noch hier arbeiten. War sie wirklich aufgrund der Stelle gekommen oder wollte sie die Familie auskundschaften, so wie es etliche Dienstboten in der Vergangenheit versucht hatten? Er konnte sie allerdings nicht abweisen. Sie brauchten dringend Dienstboten, da sie kaum genügend hatten. Sie waren für das Haus eines Peers deutlich unterbesetzt. Es gab nur eine Möglichkeit. Er machte auf dem Absatz kehrt und verschwand Richtung Garten. Als er auf den Stufen stand, die in den Garten führten, konnte er keine Gestalt ausmachen. War sie gegangen, obwohl er sie gewarnt hatte?
„Wo seid ihr? Ich habe euch doch gesagt, dass ihr hier warten sollt!" meinte er energisch. Hinter ihm kam jemand aus dem Schatten. Alexander drehte sich um und sah ihr in die Augen. Sie hatte also auf ihn gehört. „Ich konnte den Pavillon" er zeigte auf ein Häuschen in der hinteren Ecke der grossangelegten Gartenanlage „für euch herrichten lassen. Benutzt es". Sie sah ihn an und musterte ihn skeptisch. Abgesehen von seiner Sprache, würde sie ihn wohl kaum als Herren des Hauses erkennen. Seine Kleidung war heute zu einfach.
„Aber werden die Herrschaften nichts dagegen einzuwenden haben?" Er wusste nicht warum, aber er wollte den Irrtum noch nicht aufklären und antwortete
„Nein. Sie werden nichts dergleichen ahnen. Stellt euch einfach morgen vor". Sie sah ihn an und fragte
„Habt ihr für mich die Gartentür geöffnet?" Er blickte sie an, drehte sich um, ging und blieb ihr eine Antwort schuldig
„Schlaft euch gut aus" waren lediglich seine Worte.
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Schottisches Feuer und englische Anmut - Band 1
Ficción históricaEngland im Umbruch. Der junge König Henry VIII hat nicht das Geschick und das gute Herz seines Vaters geerbt. Er will Krieg und Schottland endlich unter englischer Herrschaft wissen. In diesen Sog gerät der kampferfahrene Alexander de Warenne, Lord...
