Die letzten Tage im Sommer blieb sie in ihrem Gemach. Sie machte sich nicht einmal die Mühe sich umzuziehen. Sie lag im Bett und dachte vor sich hin. Die Mahlzeiten, die ihr gebracht wurden, rührte sie immer weniger an. Sie verspürte einfach keinen Hunger und fühlte sich leer. Ein paar Tage später, es war schon September, klopfte es an ihrer Tür. Isabella reagierte nicht. Es hatte schon mehrmals in den vergangenen Tagen geklopft, doch sie hatte kein Bedürfnis nach Gesellschaft. Dieses Mal ging die Tür allerdings auf und Jemand trat ein.
„Isabella?" fragte die flüsternde Stimme. Sie antwortete nicht. Thomas kam um ihr Bett herum und kniete sich vor ihr hin „Was ist los? Fühlt ihr euch nicht wohl?" fragte er besorgt. Isabella blickte lange an ihm vorbei und antwortete dann
„Es geht mir gut. Ich will nur allein sein". Thomas setzte sich auf den Bettrand
„Isabella... du bist für mich sehr wichtig geworden und ich... wir sorgen uns um dich. Du bist hier keine Gefangene, das weisst du?" Isabella schloss ihre Lider, sie wollte nichts hören! Endlich hatte sie es geschafft ihre Tränen zu verbannen, doch wenn er blieb, könnte sie nicht mehr an sich halten. Ihr Widerstand würde brechen.
„Geh Thomas... geh!" stammelte sie.
„Nein, das werde ich nicht. Isabella... irgendetwas ist nicht Recht... ich sehe es dir an" sagte er fordernder. Sie setzte sich auf und nahm die letzte Kraft zusammen, die sie aufbieten konnte
„Thomas verschwinde!" Er jedoch hielt sie fest und nahm sie in die Arme. Sie wehrte sich und versuchte sich aus seiner Umarmung zu lösen, doch dann brach ihr Widerstand und sie schluchzte an seinem Hals.
„Schsch sch" er versuchte sie zu beruhigen und strich ihr über den Rücken „Isabella, du bist wie eine Schwester für mich... du bist schwanger, nicht wahr?" fragte er zögerlich. Isabella blickte sofort auf und sah ihn an
„Woher... was hat mich verraten? Weiss es Alexander?" sprudelte sie hastig hervor. Thomas schüttelte den Kopf
„Ich hatte den Verdacht schon als wir auf der Reise hierher waren. Alexander hat es oft nicht mitbekommen, aber ich schon. Du bist immer zur selben Zeit verschwunden und als ich dich am letzten Tag gesehen habe... wie du dich übergeben musstest... habe ich das erste Mal darüber nachgedacht" sagte er und sah sie an „auch Alfred und Dustin haben mir auf meine Fragen hin bestätigt, dass du auch hier immer zur selben Zeit den Abort aufsuchst und wenn du zurück kamst ziemlich bleich und erschöpft wirktest". Isabella fühlte sich ertappt. „Sei auf die Jungen nicht wütend, sie wussten nicht aus welchem Grund ich genau fragte" schloss Thomas und sah sie an.
„Ja, ich trage ein Kind in mir... es ist von Alexander" sagte sie.
„Das weiss ich doch" sagte er aufmunternd „Seit wann... weisst du es?" Isabella schluckte und lehnte sich in die Kissen zurück
„Ungefähr zwei Monate" sie faltete ihre Hände im Schoss „Bitte Thomas" sagte sie flehend „Bitte sag kein Wort zu Alexander". Thomas erhob sich und lief auf dem Läufer vor dem Bett auf und ab
„Wie kann ich ihm das verheimlichen, nun da ich die Wahrheit kenne?" fragte er und blickte zum Bett.
„Thomas ich bitte dich! Alexander wird es nicht verstehen... dieses Mal würde er mich nicht um Erlaubnis fragen ihn heiraten zu wollen! Dieses Mal würde er den Priester sofort herholen lassen und mich mit ihm verheiraten!" sagte sie verzweifelt. Er lief schneller auf und ab und kratzte sich am Hinterkopf
„Aber verdammt Isabella! Wieso willst du ihn denn nicht heiraten?! Liebst du ihn nicht?" Diese letzte Frage war so direkt und unerwartet, dass es Isabella erst die Worte verschlug. „Ich habe mir schon gedacht, dass er dich gefragt hatte! Denn nach diesem Abend als er bei dir war... war er wie verbissen. Hat Nächte lang gearbeitet und trainiert. Ich musste ihn fast zum Schlafen prügeln". Er hielt inne und sah Isabella direkt an „Liebst du ihn denn nicht?" fragte er beklommen. Sie schüttelte sich
„Das hat damit nichts zu tun Thomas! Weisst du denn nicht in welche Gefahr er sich und seine Familie bringt, wenn er eine Spionin heiraten würde?!" rief sie und wischte sich die Tränen von den Wangen ab. Thomas fuhr sich mit den Händen übers Gesicht
„Isabella... er hätte bestimmt eine Lösung! Er weiss was er tut und er kann die Menschen, die ihm wichtig sind beschützen". Doch Isabella schnitt ihm das Wort ab
„Nicht vor Talbot! Thomas ich will nicht, dass er seine Schwester in Gefahr bringt. Sie wären geächtete und ich will nicht der Grund dafür sein! Es sind genug Familien zerstört worden durch meinen Onkel. Es ist mein Kampf" sagte sie hitzig und atmete dann ein paar Mal tief durch, bevor sie weiterfuhr „Zudem... denk an mein Kind, es wäre verdammt mit einer verurteilten Spionin als Mutter. Wenn aber Alexander das Kind aufnimmt, falls... falls ich hingerichtet werde". Thomas schüttelte energisch den Kopf „dann hat das Kind eine Zukunft Thomas! Es kann unbeschwert aufwachsen, zwar als Bastard aber mit einer Chance. Bitte nimm mir das nicht weg" sagte sie verzweifelt. Thomas schluckte. Isabella wusste, dass sie viel, zu viel von ihm verlangte, doch sie musste es versuchen.
„Er wird mir das nie verzeihen" flüsterte Thomas vor sich her.
„Er wird, glaub mir" sagte Isabella fast genauso leise. Dass sie Alec nicht dazu nötigen wollte sie zur Frau zu nehmen, nur da sie aus gutem Hause war, verschwieg sie.
„Wie willst du deinen Bauch verstecken? Bald wird er wachsen" meinte er und blickte im Zimmer umher, als würde er hier irgendwo Umstandsmode entdecken.
„Ich besitze einige lange weite Kleidungsstücke. Die werde ich tragen" sagte sie. „Thomas ich flehe dich an" wisperte sie. Er hielt inne und starrte vor sich hin. Dann nach einer Weile, kam er auf das Bett zu und setzte sich auf die Kante
„Isabella versprich mir jedoch eines, falls es Komplikationen geben wird, werden wir ihn einweihen. Wenn es soweit ist und die Geburt kurz bevorsteht, werden wir ihn einweihen" sagte er bestimmt. Isabella nickte, nahm seine Hand, die auf dem Laken lag und hielt sie fest
„Ja ich verspreche es Thomas".
Obwohl sie ihr Geheimnis niemanden hatte anvertrauen wollen, so war sie nun froh über diesen einen Verbündeten. Sie wusste, dass sie Thomas in eine schwierige Lage gebracht hatte, doch sie war überzeugt, dass er damit umgehen konnte. Dieses kleine Gespräch hatte in ihr Hoffnungen geweckt, die sie längst begraben hatte. Ausserdem hatte sich glücklicherweise ihr Zustand verbessert. Die Übelkeit war gänzlich überwunden und sie fühlte eine innere Wärme von sich ausgehen. Mitte September hatte sie schon eine wohlgeformte Rundung, die sie nun nicht mehr in ihrem Mieder verstecken konnte. Eine feine dunkle Linie war zwischen ihrem Bauchnabel und ihrer Scham aufgetaucht. Wenn sie nicht allzu verschnürte oder enganliegende Kleider anzog war aber immer noch nichts zu sehen.
Die See wurde zunehmend rauer, es wehten stärkere Winde und der Regen wurde zum täglichen Gefährten. Constantino sorgte dafür, dass die Kamine regelmässig mit Holz aufgefüllt wurden, denn in den steinernen Gemäuern frass sich die Kälte tief ein. Als Isabella nach dem Spaziergang im Hof in ihr Gemach kam, beugte sich Constantino tief in ihren Kamin und stapelte das Holz. Mit einem Funken des Feuersteines entzündete er die kleinen Holzspäne und sah zu, wie sich die Flamme ausbreitete.
„Nun wird ese ihnen warm werden Nobildonna" sagte er und erhob sich vom Boden „In die nachste Tage werden die Soldaten zur Grenze marschieren. Alexander bat mich e ihnen su sagen, dass e sie ihn e accompagnare". Isabella sah ihn an
„Ich werde mit ihm in die Schlacht ziehen?" Ihre Knie zitterten etwas und sie setzte sich auf ihren Stuhl.
„Keine Probleme. Sie e mussen sich nicht sorgen, Nobildonna. Sie e werden im Zelt bei Alec sein... Der Combattimento wird nicht unemittelbar vor dem Zelt ausgetragen. Die Zelte sind einige hundert Yards vor die Grenze und werde immer abseits von die Gefahrezona sein. Alexander wird manchemal im Zelt sein, doch wenne die Schlacht erst e einmal richtig angefangen hat werden die Soldaten, ausser sie e sind verletzt, nicht rapido zurückkommen" meinte Constantino etwas bedrückt „iche werde ihre Truhe reisebereit machen. Purtroppo (8) ist e kein ufficiale Momento der Abreise gemacht fest und das e bedeutet sie mussen sich bereithalten". Er verliess ihr Zimmer und liess Isabella mit ihren Überlegungen zurück. Wieso wollte Alexander, dass sie mit ihm kam? Glaubte er, sie würde fliehen? Um Constantino etwas Arbeit abzunehmen faltete sie einige Kleidungsstücke und legte sie in die Truhe. Es waren nicht gerade viele Stücke, die sie mitnehmen konnte und die Truhe war dementsprechend nur bis zur Hälfte gefüllt. Als Constantino später am Abend vorbei kam legte er diverse Fellmäntel, Fäustlinge, Strümpfe und Schuhe in die Truhe. Isabella sass auf ihrem Lehnstuhl und nippte an ihrem Cidre. Plötzlich japste sie auf und der Cidre ergoss sich auf den Boden. Constantino war so überrascht, dass er sich den Kopf am Truhendeckel stiess. „Was e ist geschehen Nobildonna?" fragte er hastig. Isabella stellte das Glas auf den kleinen Tisch und strich sich über den Bauch. „Muss iche eine Medico holen lassen?" meinte Constantino verunsichert.
„Nein!" warf sie sofort ein „nein... es... ich habe mich nur verschluckt" hüstelte sie. Constantino blickte sie neugierig an und schloss dann, nachdem er die letzten Tücher in der Truhe verstaut hatte, den Deckel.
„Sollte sie noche etwas brauchen Nobildonna... sie e wissen ja wo sie e mich finden" sagte er und liess seinen Blick über ihren Bauch schweifen. Isabella bedeckte geschickt mit den Händen ihre Wölbung
„Das ist lieb von dir Tino. Gute Nacht". Sie hatte die Tür hinter ihm geschlossen und lehnte sich daran. Sie legte ihre Hände wieder an ihren Bauch und befühlte ihn. Das Kind hatte sich vorhin bewegt. Zum ersten Mal sehr deutlich. Dies hatte sie so überrascht, dass ihr das Glas aus den Händen gefallen war. Sie legte ihre Hände an die Seiten ihres Bauches... und da noch einmal! Sie fühlte einen sanften Schlag gegen ihre Hände. Zufrieden zog sie sich um und schlüpfte unter die Laken. Im Kamin glühten die Holzscheite und verströmten eine wohltuende Wärme.
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Schottisches Feuer und englische Anmut - Band 1
Fiction HistoriqueEngland im Umbruch. Der junge König Henry VIII hat nicht das Geschick und das gute Herz seines Vaters geerbt. Er will Krieg und Schottland endlich unter englischer Herrschaft wissen. In diesen Sog gerät der kampferfahrene Alexander de Warenne, Lord...
