Kapitel 3.7 - Lackaffige Gentlemen

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Die Tage vergingen und Isabella war froh, dass wieder alle Angestellten hier waren, natürlich ausser Amelia und Dina. Ihre Freundschaft, wenn man es denn so nennen konnte, war nicht vertieft worden. Es war wie zuvor, dummes Geschwätz und Gekicher. Isabella brachte Molly nur mit Mühe davon ab ihnen nicht mit dem Besen nach zu laufen. Carson ging es von Tag zu Tag besser. Schon bald war er wieder ganz auf den Beinen und konnte seine Tätigkeit vollständig ausführen. Molly und Carson bereiteten bereits alles für den Winter vor. Man musste einkaufen, lagern und ausräumen. Molly meinte der Herbst sei die anstrengendste Zeit in diesem Haus. Isabella half wo sie nur konnte, zum einen, weil es viel zu tun gab, zum anderen, weil sie sich damit ausgezeichnet ablenken konnte. Sie begegnete de Warenne einige Male im Flur, doch obwohl er besorgt und gedankenverloren wirkte, sah sie immer wieder diesen sanften Zug in seinen Augen, wenn er aufblickte. Ungefähr zwei Wochen nach ihrer Ankunft in Surrey, kam auch die Ladyschaft mit Elaine und Rickard de Warenne zurück. Das Chaos forderte Carsons gesamte Aufmerksamkeit, dem er versuchte Herr zu werden. Elaine so schien es ihr, hatte sich verändert. Sie war zu einer jungen Frau herangewachsen, aber als sie ihren grossen Bruder sah, grinsten ihre Augen vor Schalk und sie rannte undamenhaft auf ihn zu. De Warenne schien sich ebenso fest zu freuen, wie seine kleine Schwester. Was Isabella ins Auge stach war, dass Moris sofort zu seiner Herrin eilte und sie auf schnellem Französisch von der Menge wegführte. Sie hielt für einen Moment inne und versuchte die Worte zu verstehen, doch Moris sprach leise und bedeckt. Was ging es sie an? Sie wandte sich ab und kümmerte sich wieder um das Gepäck der Damen. Sie glaubte alle wären ins Haus gegangen, aber sie hatte nicht bemerkt, dass Rickard de Warenne noch dastand. Als sie die letzten Taschen von den Damen aufhob, kam er auf sie zu
„Miss Grey... einen Augenblick bitte" sagte er und Isabella drehte sich um.
„Ja Mylord, was kann ich für sie tun?" Er blickte sie lange an und meinte dann
„Ich weiss, dass sie nicht die sind für die sie sich ausgeben, doch ich bin überzeugt, dass sie keine Spionin sind". Isabella wurde kreidebleich und lachte verlegen auf
„Ja da bin ich ja beruhigt, Mylord"
„Miss Grey, mein Bruder ist sehr misstrauisch und er wird ihnen nicht so schnell Glauben schenken, wie ich. Ich bin überzeugt, sie haben für ihre Maskerade eine logische Erklärung... denn zufälligerweise habe ich Lord Talbot noch einmal getroffen und er war äusserst redselig" bevor er jedoch weitersprechen konnte, fiel ihm Isabella ins Wort und zischte
„Mylord, da sie zu dem Schluss gekommen sind, dass ich keine Spionin bin, denke ich, dass sie ihre Pflicht als Engländer erfüllt haben. Darum bestehe ich darauf, dass sie sich nicht weiter in meine Angelegenheiten einmischen und ich bitte sie, ihre schöne Nase lieber nicht in Dinge zu stecken, wovon sie nichts verstehen... Solange ich meine Arbeit erledige und ich mache sie gut, bestehe ich darauf, dass sie mir ihr Ehrenwort geben, mich nicht weiter zu beschatten! Ich bezeuge ihnen bei Mutter Maria, dass ich keine Spionin bin oder irgendetwas dieser Art vorhabe". Er sah sie verblüfft an, bestimmt hatte er gedacht, dass er sich ihr Schweigen anderswie erkaufen könnte. Tjaa! Falsch gedacht mein Lieber, dachte Isabella. Sie wollte schon Richtung Eingangshalle gehen, als er nochmals anfing zu sprechen
„Miss Grey... ich will sie nicht angreifen oder in Schwierigkeiten bringen. Ich mache mir nur Sorgen. George Talbot gehört zu denjenigen Herren der Gesellschaft, die mit fiesen Mitteln versuchen sich Dinge anzueignen, die ihnen nicht zustehen"
„Mylord, ihre Freundlichkeit schätze ich sehr, doch bitte ich sie, dies für sich zu behalten. Ich will meine Anstellung hier nicht verlieren"
„Das verstehe ich und ich denke... so lange mein Bruder noch auf dieser Erde weilt, müssen sie sich keine Sorgen machen. Er sorgt sich um seine... seine... hmm" Rickard de Warenne wurde leicht verlegen und seine Wangen färbten sich rosa „Nun auf jeden Fall, wollte ich mich noch bei ihnen entschuldigen. Für die Sache im Flur. Mir war damals noch nicht klar, dass mein Bruder sie als seinen Besitz beanspruchte". Isabella dachte erst sie hätte sich verhört. Besitz um Himmelswillen, war sie etwa ein Stück Land?! Konnte Jeder, der sie beanspruchen wollte, seine Fahne auf ihr hissen? Sie drehte sich vor Empörung um, doch Rickard de Warenne war schon verschwunden.
Ha, dass ich nicht lache" murmelte Isabella vor sich hin. Was dachte er sich?! Sie gehörte niemandem!

Schottisches Feuer und englische Anmut - Band 1Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt