Kapitel 9.11 - Im Grenzland

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Das permanente Klopfen holte sie allmählich aus ihren wohligen Träumen. Gedämpft hörte sie
„Isabella... Isabella wach auf". Auf einen Schlag war sie hellwach. Sie sprang aus dem Bett, warf sich ihren Mantel über und trat an die Tür. Isabella öffnete sie einen spaltbreit
„Thomas... was ist los?". Sie öffnete die Tür noch mehr und das Licht der Fackeln drängte in das Innere ihres Raumes.
„Isabella zieh dich an. Warm... ist das dort deine Truhe?" fragte er flüsternd. Sie liess Thomas eintreten und nickte
„Was... wohin gehe ich?" fragte sie überrascht.
„Wir alle brechen zur Front auf... beeil dich und komm danach in die Halle. Dustin komm mal her" rief er zur Tür. Dustin kam aus dem Licht in den dunklen Raum und flüsterte
„Mylady guten Morgen". Gemeinsam beförderten sie die Truhe nach draussen. Thomas drehte sich zu Isabella um
„Wie gesagt... warm anziehen und wir treffen uns in der Halle". Damit verschwand er mit Dustin und der Truhe den Gang hinunter. Isabella entfachte eine Kerze und griff nach ihrem dicken Fellmantel und den letzten warmen Sachen die Constantino nicht eingepackt hatte. Kurze Zeit später rannte sie die letzten Treppenstufen hinunter und lief zur grossen Halle. Es herrschte vollkommene Stille. Alexander und einige Soldaten standen um einen grossen Tisch. Neben ihm stand Thomas, der Alexander einen Schulterkniff gab, um ihm anzuzeigen, dass Isabella nun hier war. Er blickte rasch auf und sah dann die handvoll Männer an, die vor ihm standen
„Also ihr wisst, wer sich wo stationieren muss? Rickard ist vor ein paar Tagen mit einigen los marschiert und hat in Bel Kirk das Hauptlager aufgeschlagen". Ein gleichmässiges murren ging durch die hohle Halle als sie Alexander zustimmten. „Wir werden uns vor allem mit de Ferres, der in Falstone ist, absprechen. Nachdem ihr eure Zelte aufgeschlagen habt, übergebt ihr das Kommando eurem ersten Offizier und reist nach Bel Kirk. Dort werden wir das erste Treffen mit allen Befehlshabern abhalten. Noch Fragen?" Die obersten Befehlshaber schüttelten die Köpfe und verabschiedeten sich mit ihren ersten Offizieren von Alexander und Thomas. Die Rüstungen klapperten als die Herren die grosse Halle verliessen. Isabella schritt langsam auf die beiden zu, während Alexander die Karte auf dem Tisch zusammenrollte. Er blickte rasch auf und sagte
„Ihr reitet mit mir nach Bel Kirk. Thomas wird die Truppe anführen... in ungefähr fünf Stunden sollten wir das Hauptlager erreichen". Isabella nickte. Thomas kam auf sie zu, legte ihren Arm in seine Armbeuge und meinte zu Alexander
„Ich bringe sie schon nach draussen zu Arac". Damit verliess er mit ihr die Halle und ging in Richtung Hof. „Isabella... er wird dich auf Arac mitnehmen, leider ist eine Kutsche zu auffällig und unbrauchbar in diesem Gelände. Ich verlasse mich auf dein Versprechen, dass du dich meldest, wenn du Schmerzen hast oder sonst etwas Ungewöhnliches verspürst" sagte Thomas eindringlich zu ihr. „Alec wird mit dir vorausreiten, damit du schneller ankommst als die Truppe" endete Thomas. Nun waren sie im Hof angelangt, indem geschäftiges Treiben herrschte. Soldaten strömten von einer Seite zur anderen und beluden ihre Pferde und Wagen. Ein junger Soldat stand mit Abstand neben Arac und hielt die Zügel fest. Isabella versuchte ein Schmunzeln zu unterdrücken, als sie auf den Jungen zu liefen.
„Seamus, solange du nicht versuchst auf den Rücken des Pferdes zu kommen, brauchst du den Gaul nicht einen Apfelbaum weit weg zu halten" grinste Thomas. Seamus' Gesicht verfärbte sich in ein knalliges Rot, sodass seine Sommersprossen fast ganz verschwanden.
„Ja, Sir" sagte er verlegen und hielt Thomas die Zügel hin. Thomas nahm ihm die Zügel ab und blickte zu Isabella. Sie sah Seamus nach, der zwischen den Soldaten verschwand.
„Thomas" sagte sie nachdenklich „was geschieht mit den Jungen? Kämpfen sie auch?". Isabella musste leer schlucken. Thomas half ihr auf Arac und sie sahen sich an
„Nein. Sie sind vor allem für Dinge eingeteilt, wie Wachen vor Zelten oder als Späher, um einen Angriff auf unser Lager frühzeitig zu erkennen. Nochmals andere werden jagen gehen, um das Lager mit Essen zu versorgen". Er zog noch einmal den Sattelgurt von Arac fest „Solange unser Lager also nicht angegriffen wird, sind sie in Sicherheit". Isabella liess ihren Blick über die Ansammlung der Soldaten gleiten. Einige oder vielleicht viele von ihnen würde sie nicht wiedersehen und sie wollte sich schon gar nicht vorstellen, wie viele Schotten den Tod finden würden, wenn sie immer noch nicht wussten, dass die Engländer sie angreifen werden. Arac schnaubte und riss damit Isabella aus ihren düsteren Gedanken. Allmählich stiegen die Soldaten auf ihre Pferde, einige hatten kleine Wagen worin verschiedenes Kriegsmaterial transportiert wurde. So wie es aussah würden die Truppen etappenweise aufbrechen, denn einige trugen keine Rüstung oder Schwerter und stellten sich abseits auf. Alexander trat in den Hof und blickte sich um. Er besprach sich noch einmal mit einem der Männer, welcher vorhin auch in der grossen Halle gewesen war, und kam dann auf Isabella zu. Er zog sich hinter ihr auf den Sattel und hielt seine Faust hoch in die Luft. Die Soldaten verstummten und Isabella konnte die Kraft dieser Geste deutlich spüren. Als Arac los schritt und durch das Tor galoppierte, hörte sie ein Aufschreien der Männer, die ihnen folgten. Die Wiese am Fusse des Hügels war leer und dies bedeutete, dass der König und die anderen Kämpfer bereits losmarschiert waren, um ihre Position an der Grenze einzunehmen. Als sie über die Wiese galoppierten, verlangsamte Alexander das Tempo und sie gingen im Schritt. Isabella blickte nach hinten. Eine endlos lange Marschtruppe zog sich bis zum Tor der Burg hinauf. Kaum eine Fackel war entzündet.
„Reiten wir in vollkommener Dunkelheit?" fragte Isabella Alexander.
„So ziemlich" antwortete er kurz, damit fiel ihr wieder ein, dass sie beide ja nicht miteinander kommunizierten und Isabella hatte sich vorgenommen nun nicht mehr von sich aus das Schweigen zu brechen.

Schottisches Feuer und englische Anmut - Band 1Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt