Kapitel 9.4 - Aufbruch nach Carlisle

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Bald darauf vernahm Isabella ein lautes Stimmengezeter vor ihrer Tür und plötzlich war es still. Dann glitt die Tür auf.
„Ich erlaube es nur bis die Standuhr hier draussen zwölf schlägt" sagte Thomas missmutig.
„Ach Thomas, mach dich nicht lächerlich. Ich werde Alec nichts davon erzählen" lächelte Lady Elaine als sie ins Zimmer trat. „Lady Isabella!" rief sie und beachtete Thomas nicht mehr. Sie schloss die Tür hinter sich. „Geht es euch gut? Habt ihr genug gegessen? Braucht ihr etwas?" sprudelte sie los und legte den Stapel Stoffe, den sie auf den Armen trug, auf das Bett. Isabella blickte sie an
„Mylady". Lady Elaine wandte sich um und sah sie an
„Nein ich bin Elaine, Lady Isabella... und ich finde es hinreissend, dass sie sich nun als Lady entpuppt haben!" grinste sie schelmisch und ihre Augen glitzerten. „Ich bin ja so froh! Ich habe sie schon immer gemocht, doch nun sind sie wie eine Schwester und wir können gemeinsam auf Bälle und Feste und" sie hielt inne „warum so betrübt?" Isabella setzte sich wieder in ihren Stuhl und antwortete
„Elaine nenn mich Isabella, nur Isabella". Elaine lächelte noch breiter und kam auf sie zu. Sie kniete sich vor Isabellas Beine hin und nahm ihre Hände in die Ihrigen
„Das ist ja furchtbar!" rief sie und betrachtete Isabellas verschnürte Hände. Sofort begann sie die Schnüre zu lösen
„Nein... Elaine, euer Bruder hat sie mir angelegt". Doch Elaine fuhr mit dem lösen der Schnüre weiter
„Papperlapapp... er ist ein Idiot" sagte sie nachdenklich.
„Elaine" wiederholte Isabella. Sie schnitt Isabella das Wort ab
„Nein Isabella, das ist er. Ein Idiot" sie wurde vertrauter „Wo solltest du seiner Meinung nach hin? Du wirst ja bewacht, wie ein gemeiner Krimineller und dabei" sie entfernte den letzten Knoten und Isabella rieb sich die Handgelenke.
„Dabei was?" fragte sie Elaine neugierig.
„Ich... nun ja, ich weiss das zwischen dir und meinem Bruder". Elaine wurde etwas rot und auch Isabella fühlte sich ertappt. Bevor Isabella allerdings etwas erwidern konnte, fuhr Elaine fort „Ich weiss es schon ziemlich lange... ich wusste es schon damals im Stall, als du mich abhieltest davon zu laufen". Isabella musste sich eingestehen, dass Elaine zur Frau geworden war. Ihre Art und wie sie sprach, hatte sich deutlich geändert. Sie nippte verlegen an ihrem Cidre. „Es soll kein Vorwurf sein Isabella... nein ich wollte es nur nicht weiter geheim halten". Sie blickte ihr von unten in die Augen und erhob sich dann. Sie nahm einen Stuhl und setzte sich.
„Nimm dir an mir kein Beispiel Elaine... ich bitte dich. Man sollte... und nicht". Sie versuchte Elaine streng an zu blicken. Elaine lachte
„Ich weiss Isabella. Ich verurteile dich nicht... und ja man sollte verheiratet sein, dass weiss ich". Isabella atmete erleichtert auf. Sie hatte schon befürchtet, dass Elaine sie als eine Art Vorbild betrachtete und vielleicht genauso töricht handeln würde.
„Versprich mir, dass du erst heiraten wirst". Elaine nickte eifrig. „Weiss es dein Bruder, dass du...". Elaine antwortete sofort
„Nein. Er würde selbst in grosse Erklärungsnot geraten" grinste sie „schliesslich bist du eine Lady"
„Das wusste er allerdings nicht... niemand wusste es" verteidigte ihn Isabella.
„Trotzdem" meinte Elaine „Nun, ich bin eigentlich gekommen, um dir Kleider zu bringen, die du benötigen wirst für die Reise". Elaine trat zum Bett, wo sie zuvor den Stoffstapel hingelegt hatte. Erst jetzt erkannte Isabella, dass dies Kleider waren. „Diese Kleider finde ich wunderschön, doch leider sind sie mir zu gross. Alexander hat sie mir vor ein paar Jahren geschenkt. Nun möchte ich sie dir schenken". Elaine breitete einige Kleidungsstücke auf dem Bett aus und Isabella musste ihr recht geben. Ein Kleid war schöner als das andere. Eines war in edlem dunkelblau mit zarten Goldstickereien an den Rändern. Ein weiteres war in hellem weiss mit silbernen Stickereien. Zudem gab es dicke Wollmäntel und Fäustlinge. Mehrere Strümpfe, Mieder und Hemden in den verschiedensten Farben hatte Elaine ausgebreitet. Ein Kleid stach ihr besonders in die Augen. Es war aufwendig gearbeitet mit Stickereien und Verzierungen. Das interessanteste dabei war, dass der Rock ein Schottenmuster besass und ein Plaid über dem Mieder. Sie erkannte die Farben des Ferguson Clans.
„Wem gehörten diese Kleider vor dir?" fragte Isabella nachdenklich.
„Ich glaube es waren die Kleider von Alexander und Rickards Mutter" sagte Elaine und breitete noch weitere Kleidungsstücke aus.
„War sie Schottin?" entfuhr es Isabella. Elaine hielt inne und dachte nach
„Hmm... ehrlich gesagt, weiss ich das nicht so genau. Ich weiss so gut wie gar nichts von ihr. Ich habe mich nie getraut Alec oder Rickard danach zu fragen und meine Mutter schon gar nicht. Wieso?" Isabella strich mit ihren Fingern über die Kleider
„Reine Neugier, verzeih mir". Es konnte durchaus sein, dass sie von den Fergusons ein Kleid geschenkt bekommen haben, vielleicht waren sie befreundet gewesen. Elaine machte sich einen Spass daraus mit Isabella die Kleidungsstücke anzuprobieren und im Spiegel zu betrachten, welcher in Alecs Ankleidezimmer stand. Die Standuhr hatte längst geläutet, doch Thomas hatte sie nicht unterbrochen. Unter den vielen Kleidungsstücken gab es auch zwei Kleider, die etwas grosszügiger geschnitten waren. Die Ärmel und die Taille waren weit. Nur unmittelbar unter den Brüsten war ein Stoffband eingezogen und ermöglichte somit ein freies Gefühl am Bauch. Als sie diese beiden anprobiert hatte, wusste sie, dass sie damit ihren wachsenden Bauch verstecken könnte. Als die Standuhr drei schlug, verabschiedete sich Elaine, da sie noch bei ihrer Mutter geladen war. Sie versprach, dass sie morgen wieder vorbeikommen würde. Sie umarmte Isabella und verliess das Gemach. Isabella drapierte die Kleider auf zwei Stühlen und war gespannt, ob er ihr erlauben würde all diese Kleider mitzunehmen.

Schottisches Feuer und englische Anmut - Band 1Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt