Kapitel 2.3 - Die strategisch günstige Heirat

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Ω

Alexander schaute sie misstrauisch an. Es gab nur wenige Menschen, welchen er sein Vertrauen schenkte und sie, das wusste er, hatte irgendetwas das ihn verwirrte. Ein Detail, welches nicht zu ihrer Person passte. Bei anderen hätte er sofort die Karten auf den Tisch gelegt, hätte darauf bestanden die Wahrheit zu erfahren. Er hatte bei ihr allerdings ein anderes Gefühl... sie versuchte zwar etwas zu verbergen, doch seine Sinne waren nicht so beunruhigt, dass er fürchten müsste, sie würde ihn in der Nacht erdolchen. Allerdings war da ja noch die Sache mit dem Brief. Sein Blick wanderte von ihrem bezaubernden Gesicht, welches weder durch Schmutz noch von Kratzern getrübt werden konnte, über stechend grüne Augen, die ihn anfunkelten, weiter hinab zu ihrem anmutigen Hals, der so zart war, als würde er bei der kleinsten Berührung zersplittern, zu den bebenden Brüsten die voll und erregt waren. Er musste seinen Blick davon losreissen und wanderte weiter zu ihrer Taille. Sie hatte einladende Hüften, die dann zu muskulösen Beinen gehen mussten. Jetzt konnte er sie nicht sehen, da der weite Rock sie verdeckte, doch Gestern hatte er sie deutlich gespürt, als er sie gegen das Tor gedrückt hatte. Als sein Blick wieder nach oben wanderte, hätte er am liebsten das Weite gesucht. Wenn diese grünen giftigen Augen Pfeile schiessen könnten, würde er gleich jetzt qualvoll am Boden liegen und sich vor Schmerzen winden. Trotz dem Wissen, dass sie etwas Essentielles vor ihm verheimlichte, konnte er die Faszination an ihrem Wesen, an ihrer Person, einfach unmöglich leugnen. Sie war anscheinend wütend über seinen Verdacht, doch dies konnte auch gespielt sein. Er hatte die Zweideutigkeit ihrer Worte eine Bestie, durchaus für sich gedeutet. Er musste klar machen, dass er ihre Geschichte überprüfen würde. Ihre Worte klangen allerdings aufrichtig und meist wusste er, wann man ihn belog und dann war dieser Moment gekommen. Sie hatte ihm in die Augen gesehen und er spürte, wie sie ihn durchforstet hatte. Er war unachtsam gewesen. Das Betrachten ihrer Erscheinung hatte ihn veranlasst Gefühle zu offenbaren, die er nicht hatte. Als hätte sie ihn in einem seiner schweren Momente gesehen... Sein Körper hatte reagiert, während sein Verstand noch schlief. Er hatte die Küche verlassen und war von diesem Wesen, welches ihn immer mehr verwirrte, geflohen. Alec ging grossen Schrittes in Richtung seiner Kammer. Was war nur mit dieser Person? Er hatte sie heute ein wenig beobachtet, als sie es nicht bemerkt hatte. Sie war freundlich und Molly anscheinend eine grosse Hilfe, doch immer, wenn sie ihn erblickt hatte oder vorhin als er mit ihr sprach, bekam sie diesen unnachgiebigen Blick, der ihn zu durchbohren schien. Aber vertrackterweise fühlte er sich von ihr angezogen. So etwas hatte er nicht mehr von seinem Körper gespürt, seit er ein junger Spund gewesen war. Dieses Gefühl, dass sein Körper von dieser Frau ersehnte, konnte er nur schwer unterdrücken... Es lag sicher daran, dass er schon einige Zeit enthaltsam gelebt hatte... Er müsste sich nur wieder einmal dem Vergnügen hingeben... In seiner Kammer angekommen, nahm er wie üblich auf seiner Chaiselongue platz. Carson hatte eine Flasche Brandy bereitgestellt und das Kaminfeuer geschürt. Er goss sich ein Glas ein und trank es in kurzen Schlucken aus, bevor er es wieder füllte. Er wusste gar nicht mehr, wie lange er schon kein Auge mehr ohne Alkohol zugetan hatte. Es war so einfach. Es betäubte ihn, liess ihn wenigstens für einige Stunden einschlafen und morgen musste er ausgeschlafen sein. Er hatte vor ein Bataillon für den König zusammenzustellen und mit Rickard nach Carlisle zu senden. Von dort aus wäre es nicht mehr weit bis zur schottischen Grenze. Er schwenkte sein Glas und fragte sich, wie lange der König Krieg gegen die Schotten führen wollte. Die Vorstellung Carlisle voll auszukosten spukte immer bewusster in seinen Gedanken herum. Eine Frau war nicht nötig. Frauen machten nur alles komplizierter. Aber der König hatte ihm schon beim letzten Besuch nahegelegt, er möge sich eine Frau nehmen, am besten strategisch günstig. Natürlich strategisch günstig für den König. Er stellte gar einen höheren Titel in Aussicht. Er seufzte und setzte das Glas an seine Lippen. Bis auf Weiteres müsste er allerdings in der Gunst des Königs stehen bleiben und für ihn in den Krieg ziehen. Die Flüssigkeit wärmte seine Kehle und bahnte sich einen Weg in seinen Magen. Er hatte bisher nichts dagegen einzuwenden gehabt, doch in den letzten Monaten regte sich Unmut in ihm, woran Teils der Thronwechsel von Henry VII auf seinen Sohn Henry VIII schuld hatte... aber auch seit er hier bei seinem Vater auf dem Land war, wuchs der Wunsch in ihm auf seinen eigenen Ländereien die Arbeit zu übernehmen. Vielleicht sollte er die Idee mit einer Ehefrau noch nicht ganz verwerfen, immerhin könnte es Vorteile haben und somit hätte er als letzte Diensttat dem König erneut seine Gunst erwiesen. Mit diesem letzten Gedanken schlief Alexander ein.

Schottisches Feuer und englische Anmut - Band 1Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt