Kapitel 3.3 - George Talbot

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Ω

Warum in Gottes Namen liess sie dies zu?! Wieso konnte sie dieser Engländer in seinen animalischen Bann ziehen? Ihr verräterischer Körper forderte mehr... und schon bog sie ihren Rücken durch, um ihm noch mehr von sich darzubieten. Es musste schlicht und einfach daran liegen, dass sie den Verstand verloren hatte! Dieser Tag war so chaotisch gewesen, es konnte nur daran liegen. Als sie am Morgen in Cornwall angekommen waren, hatte die Ladyschaft ihr alle möglichen und unmöglichen Aufgaben zugeteilt. Isabella hetzte von einer Ecke des Hauses in die andere. Nach einiger Zeit war die Lady endlich mit ihrer Bekleidung für das Dinner zufrieden und hatte dann Rose in die Dienerschaft von der Witwe Duchesse eingeteilt. Obwohl Catherine Tudor beteuerte sie hätte weiss Gott genug Personal, bestand Alice de Warenne darauf, dass ihre Dienerin schliesslich nicht untätig herum lungern könne, wie schon den ganzen Tag, sondern sich auch betätigen müsse. Daraufhin wurde Isabella ein Dienstbotengewand vom Hause Cornwall gegeben. Es war etwas zu gross geraten, aber Isabella hatte es geschickt mit ihrer Schürze kaschiert. Die Bediensteten hatten Isabella eingewiesen und ihr gesagt, dass sie sicher früh ins Bett könne, denn nach der Geisterstunde würden sich die meisten Damen zurückziehen. Somit würden nur noch die Herren im Spielsalon bleiben und diese würden von männlichen Bediensteten versorgt werden. So kam es, dass sie etwas später am Abend zwischen tanzenden und lachenden Paaren stand und Erfrischungen servierte. Sie hatte ihren Blick wandern lassen und dann den verdammten Engländer mit einer unglaublich bezaubernden Dame auf einer der Sitzecken verweilen sehen. Sie flüsterten sich gegenseitig ins Ohr und Isabella sah in den Augen des Engländers unverhohlenes Interesse. Als sich die Lady erhob, blickte er ihr unentwegt hinterher und hatte gar eine Runde um den Saal gedreht, während die blonde Schönheit ihm unverhohlend zunickte. Ohne Zweifel hatte diese Dame einen starken Eindruck hinterlassen. Auf einmal hatte sie sich gereizt gefühlt, sie konnte sich nicht erklären warum. Weshalb sollte sie wütend sein, er ging sie nichts an! Sie wollte ihm ja sowieso so gut es ging aus dem Weg gehen. Was war nur los mit ihr?! Wurde sie etwa krank?! Sie hatte sich unangenehm heiss angefühlt. Eigentlich hatte sie nur kurz vor dem Getümmel fliehen wollen, sie hatte ihr Tablett abgestellt und ging dann unauffällig durch die Menge. Als sie plötzlich glaubte, sie hätte einen Schlag vom Allmächtigen persönlich in den Magen erhalten. Sie hatte ihn vorher nicht bemerkt, doch genau in jenem Augenblick starrten sich beide an. Er war sturzbetrunken, wie so oft. Doch diese Tatsache hatte seinen Verstand leider nicht getrübt. Schlagartig liefen ihr kalte Schauer über den Rücken und sie hatte fieberhaft überlegt, wie sie ihm entkommen könnte. Sie hatte Schlenker durch die Tanzenden gemacht und steuerte auf die Eingangshalle zu. Sie hatte ihre Schritte beschleunigt, da sie am Ende der Eingangshalle eine Tür ausgemacht hatte. Schnell hastete sie hinein. Der Raum war mit Talgkerzen sparsam beleuchtet. Es war ein Arbeitszimmer. Sie hatte sich an der Tischplatte abgestützt und schloss die Augen, in diesem Moment wurde die Tür geöffnet. Isabella hatte sich rasch umgedreht, und erblickte ihn in der Türangel. Er hatte die Tür hinter sich zugezogen. Sie hatte nicht lange überlegt und sprang hinter den Schreibtisch. Ihr Peiniger hatte sie finster angelächelt und sagte bedrohlich
„All die Erkunduuungen und Späher, die ich angestellt habe, haben nichts... rein gar nichts gebracht.... i---ichhh hattee" er schüttelte seinen Kopf, um wieder klarer Denken zu können „ich habe die Hoffnung dich zu finden... schooon fast aufgegeben" und er fing an irr zu grinsen „aberrr... da will ich meinen Frust higx betrinken und daaaa läufst du mir über den Weg! Was für ein Geschenk...! Du bist es, nicht wahr??!!" Bevor Isabella hatte antworten können, wurde die Tür ein weiteres Mal aufgerissen und da stand er. Sein Blick war wild und entschlossen. Ganz klar dieser Mann jagte auch ihm Angst ein, doch die hatte sich dieser Dummkopf nicht anmerken lassen. Provokativ hatte er ihm geantwortet Lassen sie uns alleine, ich habe mit dieser Magd kurz was zu klären, doch der Engländer liess sich nicht beirren. Es ging alles so schnell, dass Isabella sich nicht wappnen konnte, als dieses Wiesel auf sie zu hechtete und sie an den Haaren herumriss. Er zog noch fester daran und Rose hatte aufgeschriehen, da stand der Engländer auch schon bereit und packte ihn. Er hatte ihn grob durch das Zimmer gezerrt und ging mit ihm durch die Tür. Isabella hatte nur noch gesehen, wie er zu Boden fiel, bevor die Tür ins Schloss fiel. Panik hatte sie ergriffen. Nie hätte sie gedacht, dass er sie hier finden würde! Sie musste sich ein neues Versteck suchen! Sie konnte nicht bleiben. Vorher hätte sich dieser Trunkenbold noch denken können er hätte phantasiert, doch nun war es öffentlich. Alexander de Warenne hatte eingegriffen und sie kannten sich. Isabella hatte nicht bemerkt, wie ihr leise Tränen hinab rannen. Sie hatte begonnen zu überlegen, was sie tun könnte... sie musste sofort ihre Sachen zusammenpacken und von hier weg. Sie hatte sich umgesehen, nirgends neben den breiten Regalen schien es eine zweite Tür zu gegeben. Wie konnte sie nur heimlich verschwinden?! Eher würde sie sich selbst töten, bevor sie wieder zu diesem Widerling ginge. Sie war zum Schreibtisch geglitten und hatte alle Schubladen geöffnet und fand darin einen spitzen Brieföffner. Sie hatte ihn an sich genommen und steckte ihn in ihre Schürze. Sie hatte warten wollen bis sich die Aufregung in der Halle gelegt hätte. Die Aussicht vor dem grossen Fenster hatte sie etwas zur Ruhe kommen lassen. Es war dunkel, aber sie konnte die unendliche Weite der Küste sehen und weiter hinten war die raue See. Als sich die Tür erneut geöffnet hatte, hatte Isabella dies nicht wahrgenommen, sie war so in Gedanken und starrte stur nach draussen. Erst als der Engländer näher zu ihr trat, hatte sie ihren Kopf gehoben, unweigerlich stellte sie sich auf ihre Zehenspitzen und ging auf seinen Mund zu. Sie sehnte sich nach Nähe und Geborgenheit und ihr schien dies die beste Art zu sein, um ihre Gier und ihr Verlangen zu stillen. Somit nahm alles seinen Lauf und sie sass nun auf seinem Schoss. Sie konnte und wollte sich nicht dagegen aufwiegeln. Seit Wochen, nein Monaten, war sie nicht mehr in den Genuss dieser Gefühle gekommen. Sie hatte sich ganz alleine durchgekämpft. Es fühlte sich gut an, auch wenn er ein ganz anderes Ziel verfolgte als sie. Sie brauchte es genauso sehr wie er. Sie würde ihm sagen, dass Talbot sie belästigt habe und sie war sich sicher, dass er auf sie achten würde und sie bei ihm in der Nähe in Sicherheit war. Sie würde ihm entgegenkommen, was seine Wünsche betraf... denn sie konnte ohnehin nicht mehr gemäss ihres Standes heiraten. Sie wollte nicht als alte Jungfer enden! So würde sich dieses Abenteuer durchaus für beide lohnen. Dadurch würde sie weiterhin ihren Geldbeutel auffüllen können und dann nach Europa zu ihren letzten Verwandten fliehen. Sie hatte gar nicht bemerkt, dass er schon ihre Bluse geöffnet hatte. Er sass da und starrte ihre aufgestellten Brüste an. Sie waren so hart, dass es fast schmerzte. Das Verlangen in ihnen war zehrend. Bevor sie sich versah, hatte er seinen heissen Mund um eine ihrer Spitzen geschlossen. Seine Augen flackerten vor Verlangen. Isabella stöhnte auf, eine züngelnde Flamme schoss durch ihren Körper und zog sich zwischen ihren Beinen zusammen. Unwillkürlich wünschte sie, er würde sie genau dort berühren. Schon der Gedanke daran liess sie erbeben. Er hob seinen Kopf und blickte ihr unverwandt in die Augen. Sie versprachen ihr Wonnen und Stunden der Freude. Sie erkannte darin auch Traurigkeit, etwas das sich nach Nähe sehnte, doch das unbändige Verlangen überschattete dies. Er wollte sie, das stand fest.
„Lass uns in..." seine Stimme war rau und heiser „in mein Gemach gehen". Noch bevor sie sich bewegen konnten, flog die Tür auf. Der hohe Sesselrücken stand gegen die Tür, doch das Licht vom Gang fiel in das dunkle Zimmer. Die Kerzen waren mittlerweile ausgegangen, und sie spiegelten sich im grossen Fenster. Alexander de Warenne schlang seine Oberarme um den fast nackten Oberkörper von Rose und zog sie an sich, damit sie vor Blicken geschützt war. Sie nahm dies dankend an und verbarg ihr Gesicht an seiner Brust.
„Miss ich habe ihnen gesagt, dass Alexander de Warenne beschäftigt ist" sagte die Stimme eines Fremden. „Alec, die Dame wollte unbedingt zu dir... es tut mir leid, dass wir dich gestört haben" meinte eine vor Lachen unterdrückte Stimme. Doch wie es schien, fand dies die Dame nicht im Geringsten amüsant, denn sie sagte betont lässig
„Diese Dienstmagd gönne ich dir noch, Lord Cumberland, sei allerdings gewarnt, ich bekomme für gewöhnlich was ich will". Als die Tür geschlossen wurde, war Isabella schlagartig klar, was dies bedeutete. Diese gute Lady würde sie nun genau beobachten, auch wenn sie Isabella jetzt nicht gesehen hatte, so würde es ein leichtes sein, heraus zu finden wer mit ihm in diesem Zimmer gewesen war. Die Worte, die die Lady ausgesprochen hatte diese Dienstmagd gönne ich dir noch... ich bekomme für gewöhnlich was ich will... hallten nun durch ihren Kopf. Sie dröhnten, wie das Läuten der Kirchenglocken. Deutlich und klar war nun diese eine Tatsache; sie würde ihn nie für sich alleine haben... Er würde sie möglicherweise als Maitresse behalten, wenn sie ihm gefiel. Und wenn das so war, so würde er sie vielleicht weiterhin besuchen... auch wenn er heiraten würde? Es gab viele, die dies taten. So plötzlich war jenes gute und warme Gefühl erstickt worden... es war, wie ein dunkles Loch, welches sich in ihre Brust gefressen hatte. Auch er schien unschlüssig zu sein, was er sagen oder tun sollte. Somit ergriff Isabella das Wort
„Gehen sie..." sie räusperte sich „gehen sie zu ihrer Begleitung Mylord. Ich denke ich komme alleine zurecht". Sie stieg von seinem Schoss und zog sich hastig wieder an, blickte allerdings nicht einmal zu ihm hinauf. Übermächtig plötzlich verspürte sie denn Drang das Zimmer zu verlassen und rannte auf die Türe zu. In der Eingangshalle war es dunkel, doch in einer Ecke schienen diese Dame und der Fremde in einer Gruppe zusammen zu stehen. Natürlich drehten sich alle um, als sich die Tür öffnete, doch Isabella schoss wie ein Pfeil an ihnen vorbei geradewegs in Richtung ihrer Kammer. Schwer und übermüdet wusch sie sich ab und zog ihre Schlafsachen an, blies die Kerze aus und legte sich auf ihr Feldbett. Morgen würden sie hoffentlich wieder nach Hause fahren.

Schottisches Feuer und englische Anmut - Band 1Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt