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"Was soll ich denn machen, wie soll ich ihm das sagen? Ich kann ihn nicht verlassen. Ich brauche ihn.. ich liebe ihn.", meine letzten Worte waren kaum mehr als ein stummes Flüstern. "Er fehlt mir doch jetzt schon."

"Du musst es ihm so schnell wie möglich sagen, sei einfach ehrlich. Du kannst doch nichts dafür, es war nicht deine Entscheidung.", ihre leisen Worte machten mir ein wenig Mut. "Ja, da du hast recht. Aber es ist mein Vater, meine Familie.", schluchzte ich wieder auf. "Minnie, er kennt doch deine Familie, er kennt dich... er liebt dich, hab vertrauen in ihn.", sie drückte mich ganz fest und schwur immer für mich da zu sein, egal was ist. Als ich mich langsam beruhigte, gab sie mir einen Kuss auf die Stirn, wie ihren eigenen Kindern und verließ mit einem "Schlaf gut" das Zimmer. Kraftlos stand ich auf, zog mich um und huschte ins Bad. Mein Gesicht war völlig verschmiert, meine Augen noch leerer als ein paar Stunden zuvor. Ein kurzer Blick auf mein Handy verriet, dass Raphael angerufen hatte, unzählige Nachrichten hatte ich auch, also entsperrte ich den Bildschirm. Die meisten Nachrichten waren von Elena, sie empörte sich über den Entschluss meines Vaters und riet mir das Land zu verlassen, wenn nötig. Ein bisschen musste ich schmunzeln als ich ihre Möglichkeiten zur Verhinderung las. Kurz antwortete ich Michael, dass ich nicht mehr runterkommen würde und überlegte Raphael zurückzurufen, doch entschied mich dagegen. Zu riskant am heutigen Abend. Schnell tippte ich eine Nachricht an ihn. "Was wolltest du?", stand nun kalt in unserem Verlauf, unfair ihm gegenüber, konnte er nun am wenigsten dafür. Wobei ich auch nicht gedacht hätte, dass er einfach nach Wien abhauen würde. Keine 20 Sekunden später hatte er meine Nachricht gelesen und statt mir zu antworten, rief er erneut an. Schweren Herzens drückte ich ihn weg und sperrte den Bildschirm. "Es tut mir Leid..", flüsterte ich mir selber zu, während ich in mein Kissen sank, das Telefon in meinen Händen, an meine Brust geklammert. Was er wohl von mir dachte?!

____

Es klopfte leise an der Tür und einmal mehr war ich froh, den Anruf nicht entgegen genommen zu haben. "Ja?", fragte ich zaghaft und sah wie sich die Tür schon öffnete. Es war Michael, der mir nun sein Handy entgegenhielt. "Was ist?", misstrauisch sah ich auf das Telefon. "Geh schon ran. Du weißt wer es ist. Ihr müsst euch so schnell wie möglich sehen und aussprechen.", vorwurfsvoll sah ich ihn an. "Keine Sorge ist auf stumm und dein Vater denkt, es sei Elena.", siegessicher wedelte er nochmal mit seinem IPhone vor meiner Nase, ehe ich ihm das Ding augenverdrehend aus der Hand nahm. "Hey..", murmelte ich ins Telefon. "Ich frag jetzt einfach nicht, warum du mich einfach wegdrückst, nachdem du gefragt hast was ist... Wie geht's dir?", fragte er mich anklagend. "Erkläre ich dir später.", antwortete ich kurz. "Mina, sag mir was los ist. Was ist passiert?", seine besorgte Stimme ließ meine Augen erneut brennen und ich sah hilflos zu Michael, der mir aber auch nur ein Schulterzucken zeigte. Heilfroh war ich, als am anderen Ende unser Gespräch unterbrochen wurde. "Ich freue mich so, dass du da- oh entschuldige.", die Stimme war warm und sanft, wahrscheinlich seine Mutter. "Alles gut, Mama.", wie lieb er zu ihr sprach. Mein Herz wurde schwer. "Ich vermisse dich.", brach ich mein Schweigen und blickte in Michaels verständnisloses Gesicht. "Baby, ich dich auch. Was ist los bei euch? Ist dein Vater wieder da?" "Ja, er ist wieder da. Wir müssen reden.", schnitt ich endlich das Thema an. "Dann schieß los.", forderte er mich ahnungslos auf. "Nicht am Telefon.", winkte ich ab. "Mhmm, vielleicht bekomme ich für morgen früh noch einen Flug.", seine Stimme wirkte abwesend, wahrscheinlich tippte er schon in seinem Handy herum. "Du willst schon wieder weg?", die Stimme seiner Mutter brach mir das Herz. "Raphael, dass ist nicht so wichtig. Bitte bleib noch dort, bei deiner Mutter. Ihr habt so selten Zeit miteinander.", bestimmte ich mit einem vorsichtigen Lächeln in der Stimme. "Bist du dir sicher?", überzeugt klang er nicht. "Ja, wirklich. Nur können wir in der Zeit nicht oft telefonieren oder schreiben.".. Er murrte mir ins Ohr und ich flüsterte: "Es tut mir Leid." "Ich weiß... Pass auf dich auf ja?" "Ich versuche es", versicherte ich ihm. "Amina... ich liebe dich, okay?" Mein Herz ging auf nur um noch schwerer zu werden. "Ich dich auch.. machs gut.", auch er verabschiedete sich und wir beendeten das Gespräch.

Inshallah Amore | Raf CamoraWo Geschichten leben. Entdecke jetzt