Hazel
Selbst, als sie wieder in Franks Prätorenhaus waren, stand sie immer noch unter Schock. Hazel konnte es nicht fassen. Sie fühlte sich, als würde sie träumen, doch sie hatte sich bereits mehrmals in den Arm gezwickt und wusste so, dass es die Wahrheit war. Die düstere Realität hatte sie wieder einmal eingeholt.
Sie hatten nicht einmal eine Möglichkeit, dagegen vorzugehen. Frank hatte persönlich am Anfang der Sitzung gesagt, dass die Entscheidung, sie sie trafen, endgültig war. Sie mussten sich an ihre eigenen Regeln halten.
„Verdammte Scheiße!", stieß Hazel hervor, als Frank die Tür hinter ihnen geschlossen hatte. Normalerweise nahm sie solche Wörter nicht in den Mund, dazu saß ihr die Erziehung der Vierzigerjahre noch zu tief in den Knochen. Doch jetzt konnte sie nicht anders. Sie musste den Frust und vor allem auch die Enttäuschung irgendwie herauslassen, sie hatte das Gefühl, daran zu ersticken.
Hazel wirbelte zu Frank herum. „Was haben wir falsch gemacht? Wie hätten wir das verhindern können, Frank? Das ist eine Katastrophe!", sprudelte es auch ihr heraus. Sie klang so verzweifelt, wie sie sich fühlte. „Ich habe das alles nur noch schlimmer gemacht, oder? Ich habe mich mitreißen lassen, aber damit-... ich habe alles kaputt gemacht!"
Sie spürte, wie ihr Tränen in die Augen stiegen. Frank packte sie an den Armen.
„Hazel, stopp.", sagte er leise und erstaunlich sanft. „Es ist nicht deine Schuld, verstanden? Du kannst nicht die anderen dazu zwingen, ihre Meinung zu ändern. Wir haben unser Bestes gegeben und es hat einfach nicht gereicht. Mach' dir keinen Vorwurf."
Er nahm sie in den Arm und drückte sie an sich. Hazel legte ihren Kopf an seine Brust und versuchte, sich wieder zu beruhigen. Es viel ihr schwer.
„Wir können doch nicht einfach so aufgeben.", flüsterte sie leise.
„Niemand hat etwas von aufgeben gesagt, Hazel.", erwiderte Frank. „Ich weiß nur nicht, ob und wie wir weiterkämpfen können. Der Senat hat eine Entscheidung getroffen und wir müssen uns daranhalten."
Hazel löste sich aus der Umarmung und sah zu ihm hoch. „Aber genau das ist doch aufgeben.", gab sie zurück. Sie strich sich eine lockige Haarsträhne hinters Ohr.
Frank seufzte. „Was schlägst du vor? Wenn du einen Plan hast, dann werde ich dabei unterstützen.", versprach er.
„Das ist es ja. Ich habe keinen Plan. Aber ich weiß, dass wir nicht aufgeben können. Du weiß doch genauso gut wie ich, dass es falsch ist, Reyna zurückzuholen.", meinte sie.
„Ja.", Frank sah ihr zerstreut in die Augen. „Du hast ja vollkommen Recht. Nur-...", er wurde von einem Klopfen an der Tür unterbrochen.
Sie sahen sich verwirrt an. Wer würde jetzt zu ihnen kommen wollen? Und noch dazu in Franks private Räume? Hazel warf ihm einen schnellen Blick zu. „Ich sehe nach.", sagte sie und ging zur Tür. Verwundert nahm sie die Klinke in die Hand und öffnete sie ruckartig.
Draußen stand Pippa Guerlaine.
Hazel riss ihre Augen auf. „Pippa, was-...?", setzte sie an.
Die Tochter des Dionysos hielt ihr eine Tasche vors Gesicht. „Deine Bestellung ist fertig, Hazel.", sagte sie laut und deutlich. Fast schon zu laut- und Hazel wurde einiges klar.
Sie nickte. „Kann ich es mir drinnen schnell ansehen, bevor ich das Kleid bezahle?", wollte sie wissen.
Pippa lächelte freundlich. „Natürlich."
„Dann komm rein.", antwortete Hazel. Sie trat ein, schloss die Tür erneut und drehte sich sofort zu Pippa um. „Wurdest du verfolgt?"
Die Griechin zuckte mit den Schultern. „Ich hatte so ein seltsames Gefühl. Also dachte ich mir, dass jeder mitbekommen sollte, warum ich hier bin- natürlich einen falschen Grund."
„Das war sehr weitsichtig von dir."
„Ich weiß.", Pippa grinste. „Wo ist Frank?"
„Komm' mit.", Hazel setzte sich in Bewegung. „Hast du etwas für uns?"
„Ja. Ich erzähle gleich alles."
Franks Gesichtsausdruck war im ersten Moment ein wenig verwirrt, doch dann erkannte er die Tochter des Dionysos. Er stand von seinem Sessel auf. „Pippa, was führt dich hierher?", fragte er freundlich, jedoch ein wenig zurückhaltend.
Hazel warf ihm einen belustigten Blick zu und wandte sich Pippa zu. „Möchtest du vielleicht zuerst etwas trinken?", bot sie an, doch ihr Gegenüber schüttelte den Kopf. „Nein, lieber nicht, ich sollte ohnehin nicht allzu lange hierbleiben."
„Nun gut, dann setz' dich.", warf Frank ein und gemeinsam setzten sie sich.
„Ich will gar nicht viel Zeit verlieren.", fing Pippa sofort an. Sie schlug die Beine übereinander. „Erst einmal tut es mir leid, dass die Abstimmung so ausgegangen ist. Aber das hat Hayden die Möglichkeit gegeben, sich ein wenig umzuhören und-... nun ja, er ist ins Gespräch gekommen. Er ist gerade eben erst nach Hause gekommen und hat mir sofort alles erzählt, woraufhin ich mich auf den Weg gemacht habe.", berichtete sie.
Hazel beugte sich nach vorne. „Was hat er herausgefunden?"
Der Tag nahm eindeutig zu viele Wendungen, doch damit hatte sie nicht gerechnet. Pippas Auftauchen hatte sie sehr überrascht, das war etwas gewesen, womit sie am wenigsten gerechnet hatte. Doch es ergab irgendwie Sinn. Durch den Sieg in der Abstimmung waren ihre Gegner vermutlich ein wenig leichtsinniger geworden und somit hatte Hayden die Möglichkeit gehabt, Informationen zu sammeln.
Und vielleicht gab es ja mit Hilfe dieser Informationen eine Möglichkeit, doch noch etwas zu unternehmen. Oder zumindest einen Plan zu schmieden.
„Hayden hat bei der Abstimmung gegen euch gestimmt, um Zugang zu euren Gegnern zu bekommen.", sagte Pippa weiter. „Und wie gesagt, anschließend hat er sich mit ein paar Leuten unterhalten, den richtigen anscheinend. Wir wissen zwar noch nicht, wer der Drahtzieher ist, aber wir haben die Möglichkeit, es herauszufinden. In zwei Tagen."
Frank richtete sich ein wenig auf. „Wie das?"
„Wenn man in Neu-Rom lebt, ist es beinahe wie in einer richtigen Stadt. Und wenn man im Senat ist, kann man das mit der richtigen Politik in der sterblichen Welt vergleichen. Vereinbarungen werden getroffen, Deals, und so weiter. Kurz gesagt: Hayden und ich treffen uns mit ein paar anderen Senatoren zu einem Geschäftsessen. Um den Sieg zu feiern, oder was auch immer. Und nach dem, was die Anderen gesagt haben, wird jemand kommen, um uns für die Unterstützung zu danken. Wer könnte es sein, außer dem Drahtzieher persönlich?"
Hazel war sofort Feuer und Flamme. „Das sind hervorragende Neuigkeiten, Pippa!", brachte sie hervor. „Wenn es stimmt und ihr wirklich herausfindet, wer es ist, dann können wir persönlich mit ihm verhandeln und vielleicht das ganze Blatt noch einmal wenden!"
Zuvor war Hazel noch deprimiert und verzweifelt gewesen, jetzt hatte sie wieder Hoffnung.
„Aber: Hayden und ich brauchen diese zwei Tage von euch.", Pippa sah zuerst Hazel, dann Frank an.
Auch Hazel sah nun zu ihrem Freund. „Das schaffen wir.", meinte sie. „Wir werden Reyna zuerst nichts sagen, verstanden? Und wenn irgendwer außerhalb dieses Zimmers fragt, wo sie ist und wann sie zurückkommt, dann überlegen wir uns irgendeine Ausrede. Dass sie noch Zeit braucht, dass die Adler Grippe bekommen haben, oder irgendwie so etwas. Hauptsache, wir gewinnen noch Zeit."
Frank überlegte einen Moment, dann nickte er. Hazel fiel ein Stein vom Herzen. „Du bekommst diese zwei Tage, Pippa.", bestätigte er. Sein Gesicht war grimmig. „Um jeden Preis."
DU LIEST GERADE
Die Waffe der Meere
FanfictionPercy hat es geschafft- er ist aus der Vergangenheit zurück. Doch viel Zeit zum Erholen bleibt ihm nicht, denn die Zeit drängt. Die Halbgötter müssen versuchen, Bethanys geheimnisvolle Hinweise zu entschlüsseln und das Versteck des Dolches finden. L...
