Wir haben unsere Inhaltsrichtlinien aktualisiert.
Sieh dir die neuesten Richtlinien an, um weiterhin sicher Geschichten zu teilen.

KAPITEL XXXV

440 21 10
                                        

Reyna

Einen kurzen Augenblick lang war Reyna wie erstarrt. Dann fragte sie perplex: „Wie bitte?"

Nico verdrehte ungeduldig die Augen und trat von einem Fuß auf den Anderen. „Ich sagte, Jason ist verschwunden. Und, dass wir ein Problem haben.", wiederholte er sichtlich genervt.

„Das habe ich verstanden.", gab Reyna zurück. Sie konnte es nicht fassen. War das Nicos Ernst? Wollten er und der Sohn des Jupiters ihr einen Streich spielen?

„Warum fragst du dann nach?", fauchte Nico zurück und in diesem Moment wusste sie, dass es kein Spaß war. Nein, er meinte es ernst, todernst. Sie kannte ihn inzwischen gut genug, um zu wissen, wie viel ihm Jason bedeutete. Dass er Nicos Familie am allernächsten kam und dass sie immer aufeinander zählen konnten. Jason war der gewesen, der zuerst sein großes Geheimnis erfahren und der geholfen hatte, ihn zurück ins Leben zu holen. Reyna wusste, dass Nico fast alles für ihn tun würde.

Und sie kannte ihn. Er war sehr stressresistent, hatte schon mehr grausame Dinge gesehen und erlebt und nahm deswegen Probleme auf einer anderen Ebene wahr, als so manch anderer. Reyna wusste, dass nur wenige Dinge ihm Angst machen konnten. Wenn das eintrat, dann überspielte er das meistens gekonnt und tat, was er tun musste.

Genau das war nun der Fall. Ihr war klar, dass hinter dieser gereizten und genervten Fassade Angst schlummerte. Dass Nico Angst hatte, Jason könnte etwas zustoßen, dass er ihn verlieren würde.

Reyna hielt sich davon ab, ihm eine Hand auf den Arm zu legen und beruhigend auf ihn einzureden. Das würde ihm nicht helfen, nein, sondern alles nur noch viel schlimmer machen.

„Was ist passiert?", Reyna ging nicht auf seine schnippische Bemerkung ein. „Erzähl' mir alles ganz genau.", forderte sie ihn auf.

„Da gibt es nicht viel zu erzählen.", meinte er. „Wir haben Zweierteams gebildet, um die Gegend zu erkunden. Ich bin mit Jason losgezogen. Dann haben wir uns aufgeteilt, weil der Boden immer matschiger wurde und überall die Spuren einer Überschwemmung waren.", Reyna beäugte schnell seine Kampfstiefel, die tatsächlich verdreckt waren.

„Seitdem habe ich ihn nicht mehr gesehen und auch, als ich nach ihm gesucht habe, konnte ich Jason nicht finden. Wollen wir ihn jetzt suchen gehen, oder nicht?", riss Nico sie aus den Gedanken.

Sie warf ihm einen strengen Blick zu. „Natürlich werden wir das tun. Aber nicht alleine. Wir sind hier fünfzig Personen, wir werden ihn finden.", versprach sie ihm.

Es war, als hätte ihr Körper in einen komplett anderen Modus umgeschaltet. Jetzt zählte nur noch die Aufgabe.

Fünf Minuten später hatte sie fünfundzwanzig Römer um sich geschart und ihnen allen die Situation erklärt. In vier Fünfergruppen würden sie sich auf die Suche machen, außerdem flogen noch einmal fünf auf den Adlern durch die Luft, um alles von Oben betrachten zu können. Der Rest blieb im Lager, um es bei Bedarf verteidigen zu können.

Dann zogen sie los. Reyna war natürlich in einer Gruppe mit Nico.
Viele Fragen schossen ihr durch den Kopf, doch auf keine konnte sie sich wirklich konzentrieren und versuchen, eine Antwort zu finden. Stattdessen fühlte sie sich dreieinhalb Jahre in die Vergangenheit zurückversetzt, Erinnerungen durchströmten sie. Es kam ihr vor wie damals, als Jason als Prätor der Legion verschwunden war. Sie hatten ihn gesucht, tagelang, wochenlang, bis sie es schlussendlich aufgegeben hatten. In dieser Zeit war Reyna der Verzweiflung nahe gewesen, lediglich die Hoffnung und ihr Wille hatten sie auf den Beinen und davon abgehalten, vollkommen durchzudrehen.

Auch jetzt machte sie sich unglaubliche Sorgen, aber auf eine ganz andere Weise. Nicht mehr aufgrund romantischer Gefühle, sondern aufgrund ihrer Freundschaft.

Die Waffe der MeereGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt