Jason
Eine Stunde zuvor:
„Ich glaube, Piper ist sauer auf mich."
Kaum hatte Jason diesen Gedanken ausgesprochen, schnellte Nicos Kopf zu ihm herum, verwirrt nahm der Sohn des Hades ihn in Augenschein. „Warum das denn?", wollte er wissen.
Jason zuckte ein wenig ratlos mit den Schultern, obwohl er zu wissen glaubte, wo das Problem lag. Er konnte sich vorstellen, dass sie wütend war, weil er sie in diesem Krieg alleine ließ- wenn auch nur für kurze Zeit. Wenn alles nach Plan lief, dann wäre er bald wieder bei ihr, konnte sie dann unterstützen. Doch bis dahin-... er hasste diese Situation. Vor der Abreise hatten sie keine Gelegenheit mehr gehabt, ausführlich darüber zu reden und nun stand das zusätzlich zu der Entfernung zwischen ihm und Piper. Und das tat ihm mehr weh, als er gedacht hatte.
Anscheinend waren ihm diese Gedanken anzusehen, denn Nico nickte verstehend.
„Weil du hier bist und nicht im Camp.", beantwortete er seine eigene Frage.
Jason blieb stehen und rückte sich die Brille ein wenig zurecht. „Ja. Ich meine, sie müsste doch eigentlich Verständnis dafür haben, oder? Auch der Einsatz, sie war ja dafür, dass sich jemand hier umsieht. Und trotzdem-... hach, es ist kompliziert."
Nico besaß tatsächlich die Frechheit, zu Grinsen. „Frauen sind kompliziert.", erwiderte er.
Jason seufzte. „Lass' uns vielleicht doch lieber über etwas anderes reden."
Jetzt lachte der Sohn des Hades richtig. „Ich habe nicht mit dem Thema angefangen."
„Ja, und ich habe bemerkt, dass ich doch nicht darüber reden will."
Es war Jason ganz klar peinlich, es fehlte nur noch, dass er rot wurde. Bisher hatte er nicht das Gefühl. Mit Nico konnte er zwar über alles reden und der Sohn des Hades auch mit ihm, aber dieses Thema kam ihm auf einmal vor allem in der Situation mehr als unangebracht vor. Nico hingegen kicherte noch immer vor sich hin, offensichtlich erheitert.
„Können wir uns jetzt wieder auf unsere Aufgabe konzentrieren?", schlug Jason vor und sah sich zur Abwechslung aufmerksam um. Weit und breit war nichts zu sehen, alles war friedlich, doch das konnte sich auch innerhalb von Sekunden ändern. „Ich weiß ja nicht, wie du es siehst, aber ich will nicht von irgendwelchen wasserspeienden Monstern überrannt werden."
Nico blieb abrupt stehen und starrte ihn verwirrt an. „Was ist heute los mit dir, Grace? Du bist so seltsam. Wurde dein Gehirn von zu viel Elektrizität gegrillt?"
„Haha, sehr witzig.", gab Jason zurück. „Los jetzt, wir sind hier nicht in Disneyland."
„Leider.", brummte Nico. „Disneyland gefällt mir besser."
Der Sohn des Jupiters seufzte frustriert auf. An manchen Tagen erinnerte Nico ihn fast ein wenig an Percy. Das war ihm vor ein paar Wochen klar geworden, nachdem er eine lange Zeit gerätselt hatte. Doch vor allem im letzten Jahr, in dem es Nico so gut wie noch nie zu gehen schien, brachte er manchmal einen dämlichen Kommentar nach dem anderen- der auch von Percy hätte stammen können.
Jason wusste auch, dass das bei Beiden eine Art Schutzmechanismus war. Sie hatten beide viel zu grausame Dinge erlebt und deswegen benahmen sie sich ab und zu wie Kinder- um nicht daran denken zu müssen und die eigene Jugendzeit nachzuholen. Deswegen konnte er Nico, egal, was er sagte und auch, wenn er auf seine eigenen Kosten Witze riss, niemals wirklich böse sein. Genauso wenig, wie auf Percy.
Jason beschloss, sich jetzt voll und ganz auf diese Aufgabe zu konzentrieren und mit dem Herumalbern aufzuhören. Er hatte das Gefühl, dass er es sonst später noch bereuen würde. Also ging er gemeinsam mit Nico weiter, jetzt endgültig leise und einigermaßen fokussiert. Doch weiterhin fiel ihm nicht wirklich etwas auf und er wollte dem Sohn des Hades schon sagen, dass sie zurück zum Lager gehen konnten, da spürte er, wie das Laufen schwerer wurde. Als er nach unten sah, waren seine Stiefel schlammig, der Boden nass und hin und wieder waren kleine Pfützen zu sehen. Er packte seinen Begleiter am Arm.
„Nico, warte.", sagte er. „Schau' dir das an."
Er blieb stehen und runzelte die Stirn, dann sah er zu Jason, als wüsste er nicht, worauf er hinauswollte. „Der Boden ist matschig."
Jason verkniff sich einen sarkastischen Kommentar. „Ja. Irgendetwas oder irgendjemand war hier.", stellte er fest.
„Was, wenn es nur geregnet hat?", hielt Nico dagegen.
„Es scheint die Sonne, Nico. Glaubst du ernsthaft, dass das hier nur ein Zufall ist?", antwortete Jason. Daraufhin schüttelte er den Kopf. „In Ordnung, wir schauen uns das näher an. Du gehst in diese Richtung und ich in die andere.", schlug er vor.
„Nein. Das kommt gar nicht in Frage.", protestierte Jason. „Wir teilen uns nicht auf."
Nico grinste in an. „Wir sind in keinem Horrorfilm, Jason."
„Ja, aber wir sind Halbgötter und das ist auch nicht besser.", gab er zurück.
„Wenn wir uns aufteilen, sind wir schneller. Und wir entfernen uns auch nicht weit voneinander, sondern bleiben in Rufweite. Es wird nichts passieren, glaube mir. Was auch immer hier war, ist wieder verschwunden, wir suchen jetzt lediglich nach Spuren.", Nico wartete gar nicht erst ab, was Jason dazu zu sagen hatte, sondern ging weiter. Ein paar Meter entfernt drehte er sich noch einmal nach ihm um. „Okay?", fragte er doch nach.
„Ich halte das für keine gute Idee, ehrlich.", Jason schüttelte den Kopf.
„Jason, wir sind zwei der mächtigsten Halbgötter dieser Zeit. Wir können beide auf uns selbst aufpassen. Nur fünf Minuten, in Ordnung? Dann treffen wir uns wieder hier.", Nico sah ihn fragend und irgendwie auch bittend an, sodass er es nicht schaffte, nein zu sagen.
„In Ordnung. Fünf Minuten. Keine Sekunde länger."
Und somit schien es, als wäre Jasons Schicksal besiegelt. Er lief weiter, doch schon nach wenigen Sekunden wollte er am liebsten umkehren. Das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmte, wollte nicht verschwinden. Als würde er in sein eigenes Verderben laufen. Doch wenn er nun zurückkehrte, dann würde Nico ihn die nächsten Monate damit verspotten, das wusste er genau. Also blieb er, wo er war und sah sich um. Er konnte absolut nichts entdecken. Es war still, aber hin und wieder konnte er etwas Rascheln hören, oder einen Vogel schreien, wie es in einem Wald eben üblich war.
Ansonsten-... hinter ihm knackte ein Zweig.
Jason zuckte schreckhaft zusammen, packte den Griff seiner Spatha und zog sie. Zeitgleich fuhr er herum, in der Erwartung, sich verteidigen zu müssen.
Aus dem Augenwinkel sah er etwas Blaues, glitzerndes auf sich zurasen.
Wasser.
Er wollte seinen Mund öffnen und nach Nico rufen, ihn warnen. Doch bevor auch nur ein Ton seine Lippen verlassen hatte, traf ihn diese Wasserwand bereits. Ein Zusammenstoß mit einem LKW hätte er sich nicht anders vorgestellt.
Jason spürte die Kraft, die hinter diesen Wassermassen steckte, er wurde nach hinten geschleudert. Wasser rann ihm übers Gesicht, durch die Haare, durchnässte ihn vollkommen. Er kam auf dem Boden auf und freute sich beinahe, dass er moosig war und den Aufprall dämpfte, doch dann schlug er mit dem Kopf seitlich auf einen kleinen Felsen auf und Schmerz explodierte in seiner rechten Gesichtshälfte.
Jason stöhnte. Alles drehte sich um ihn herum, er versuchte, aufzustehen.
Über sein Gesicht lief Blut, auch im Mund schmeckte er die metallische Flüssigkeit. Der Kiefer tat ihm weh, als wäre er gebrochen und-... war ein Teil eines Backenzahns gesplittert?
Er stemmte sich auf seine Unterarme und versuchte, wieder auf die Beine zu kommen, doch irgendein Teil seines Körpers streikte. Der Schwindel verstärkte sich um ein Vielfaches, er brach wieder zusammen. Für zwei Sekunden lag er seitlich da, er sah eine Gestalt auf ihn zukommen, dann wurde alles dunkel. Er schaffte es nicht einmal mehr, zu schreien.
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Die Waffe der Meere
FanfictionPercy hat es geschafft- er ist aus der Vergangenheit zurück. Doch viel Zeit zum Erholen bleibt ihm nicht, denn die Zeit drängt. Die Halbgötter müssen versuchen, Bethanys geheimnisvolle Hinweise zu entschlüsseln und das Versteck des Dolches finden. L...
