Annabeth
Annabeth saß am Lagerfeuer und wartete. Sie waren noch lange weitergeflogen, bis sie sich dazu entschlossen hatten, irgendwo in der Nähe von Richmond Rast zu machen.
Und gleich nachdem sowohl Percy, als auch Annabeth etwas gegessen hatten, hatten sie gemeinsam Sally und Paul per Irisbotschaft angerufen. Zuerst hatten sie die neuesten Informationen ausgetauscht, doch dann hatte sich Annabeth zurückgezogen, damit Percy und Sally alleine reden konnten.
Das ging nun schon seit zwanzig Minuten so. Und er saß noch immer zehn Meter von ihr entfernt auf einem kleinen Baumstamm, beschwor mit seinen Kräften einen sanften Sprühregen herauf und leuchte mit einer Taschenlampe in diesen, um einen Regenbogen zu erschaffen. Das Bild war zwar nicht besonders gut, doch es war definitiv besser, als nichts.
Mit jeder Minute, die verstrich, wurde Annabeth ein bisschen nervöser. Sie konnte an Percys Körperhaltung nicht erkennen, ob das Gespräch gut verlief. Außerdem sprach er so leise, dass lediglich ein paar unverständliche Wortfetzen zu ihr drangen. Viel heraushören konnte sie da nicht.
Sogar die Sekunden schienen sich endlos in die Länge zu ziehen.
Mit einem entnervten Seufzen beschloss sie, sich lieber Gedanken über den Auftrag zu machen. An diesem ersten Tag waren sie erstaunlich schnell vorangekommen, was sie unglaublich erleichterte. Natürlich konnte das alles noch kommen, aber sie hätten auch heute schon von Monstern angegriffen werden können. Annabeth betete, dass diese Reise weiterhin ohne Zwischenfälle verlief.
Sie bezweifelte, dass irgendeine Gottheit sie erhörte.
Außerdem konnte sie bereits sehen, dass Blackjack und Guido müde waren. Die Pegasi waren noch lange nicht am Ende ihrer Kräfte, aber die Anstrengung war ihnen deutlich anzusehen, immerhin waren sie fast den ganzen Tag hindurch geflogen. Doch dafür hatten sie schon beinahe ein Drittel der Strecke zurückgelegt.
Jetzt schliefen Blackjack und Guido und Annabeth wartete auf ihren Freund. In genau diesem Moment wehte der Wind einen Gesprächsfetzen zu ihr hinüber. Als sie auch noch zu Percy sah, bemerkte sie, dass sich dort etwas tat.
„...-ja, mache ich.", sagte er. „Pass du auch auf dich auf, Mom."
Es dauerte noch ein paar Augenblicke, doch dann löste sich der Regenbogen ins Nichts auf und Percy schaltet die Taschenlampe ab. Da sie sich inmitten eines kleinen Waldstücks befanden, war es relativ dunkel und im schwächer werdenden Licht des Feuers konnte Annabeth nicht viel erkennen. Aber es schien, als würde Percy das Gesicht in den Händen vergraben und sich die Haare raufen.
Verwirrt runzelte Annabeth die Stirn, wusste jedoch, dass sie ihm am besten kurz Zeit geben sollte. Das tat sie dann auch und kaum eine Minute später stand er auf, um zu ihr zurückzukehren.
Als er näherkam, stellte sie erschrocken fest, dass Tränen in seinen Augen glitzerten. Lag es daran, dass er Sally so lange nicht mehr gesprochen hatte, oder steckte noch mehr dahinter?
Annabeth wollte aufspringen, doch Percy signalisierte ihr, sitzen zu bleiben. Er ließ sich ächzend neben ihr auf die Decke fallen, setzte sich in einem Schneidersitz und nahm einen Stock, um mit ihm im Feuer herumzustochern. Jetzt sah Annabeth erst so richtig, wie aufgewühlt er war.
Sie legte ihm eine Hand auf das Knie und sah sanft zu ihm.
„Wie lief es?", fragte sie leise und mit liebevoller Stimme. Zuerst reagierte Percy nicht. Doch dann sah er doch zu ihr. Annabeth konnte den Ausdruck in seinem Gesicht nicht richtig deuten. Da war Schmerz zu sehen, Schuld, aber auch Glück. Und Angst.
„Ich-...", begann er, brach dann jedoch ab. Annabeth wartete geduldig.
„Meine Mom-... sie ist schwanger."
Annabeth hatte mit vielem gerechnet, aber damit? Wohl kaum. Im ersten Moment überkam sie ein Schock. Es war eine gute, eine wundervolle Nachricht, aber so unerwartet. Dann riss sie sich zusammen.
„Aber das ist doch wundervoll!", erwiderte und freute sich ehrlich für Sally und Paul. Nachdem der erste Schock verklungen war, spürte sie auch endlich die richtige Freude. Sie Beiden hatten das auch mehr als verdient. Und-... „Oh Götter, du bekommst ein kleines Geschwisterchen, Percy!", Annabeths Stimme klang eine Oktave höher, als sonst. Percy erwiderte mit einem kleinen Lächeln ihren Blick, doch als sie in seine Augen sah, wusste sie, dass es noch viel komplizierter war.
Irgendwie konnte sie das nachvollziehen. Das Leben eines Halbgottes war nie einfach und würde es auch nie sein. Das war eine Tatsache, die man niemals vergessen durfte.
Annabeth lächelte Percy ermutigend an. „Willst du darüber reden? Was ist los?"
Er seufzte tief. „Ich freue mich, wirklich. Das ist es auch nicht. Paul und Mom haben alles Glück der Welt verdient.", nervös strich er sich durch die Haare. „Ich weiß auch nicht, was es ist. Aber da ist noch dieses seltsame Gefühl, ich kann es nicht richtig zuordnen. Aber-... es herrscht Krieg, Annabeth. Wir wissen nicht einmal, ob wir ihn gewinnen, geschweige denn überhaupt die nächsten Tage überleben. Und irgendwie-... irgendwie denke ich-... eine kleine Stimme in mir flüstert mir zu, dass das doch unmöglich gut ausgehen kann."
Annabeth streichelte sanft sein Knie und ließ Percys Worte kurz wirken. Sie konnte seine Bedenken nachvollziehen. Es waren unsichere Zeiten. Sie holte Luft, um etwas zu erwidern, doch da sprach er weiter.
„Und das zeigt mir doch nur noch einmal, dass ich jetzt bei meiner Familie sein sollte. Aber stattdessen lasse ich sie alleine, wie immer. Und sie muss sich wieder Gedanken darüber machen, ob ich jemals zurückkehre. Dabei sollte Mom doch Stress vermeiden! Ich mache alles immer nur schlimmer."
„Das stimmt nicht, Percy, das stimmt überhaupt nicht.", hielt Annabeth sofort dagegen und fiel ihm sofort wieder ins Wort, als er etwas sagen wollte. „Nein. Du weißt ganz genau, dass das, was ich sage, stimmt. Und fang' bloß nicht damit an, dir irgendetwas anderes einzureden. Wenn du nicht wärst, dann wäre schon lange jegliche Hoffnung verloren. Du machst es nicht schlimmer, ganz im Gegenteil."
Percy schüttelte den Kopf. „Wodurch habe ich dich bloß verdient?", seine Stimme war kaum hörbar.
Annabeth überging diese Bemerkung einfach, sie wusste ohnehin, dass er auf so etwas keine Antwort erwartete.
„Weißt du, du solltest Sallys Schwangerschaft lieber als ein Zeichen der Hoffnung sehen.", meine Annabeth weiter.
Daraufhin war Percy eine Zeit lang still. Er sagte nichts, doch an seiner Miene konnte sie sehen, dass er ihre Worte beherzigte. Er gab es zwar nicht zu, aber Annabeth spürte es.
„Wir sollten uns ausruhen, morgen wird bestimmt nicht leicht.", murmelte Percy nach einer kleinen Ewigkeit. „Leg' dich schlafen, ich übernehme die erste Wache.", schlug er vor.
Annabeth schüttelte energisch den Kopf. „Vergiss es. Ich übernehme die erste Wache. Keine Widerworte!", fügte sie noch hinzu, als sie seinen Gesichtsausdruck sah. „Du ruhst dich aus, Percy. Du hast den Schlaf dringender nötig, als ich."
„Mir geht es blendend.", brummte Percy. Annabeth zog ihre Augenbrauen hoch, sah zu seinen Augenringen und musterte die blasse Haut, dann blickte sie zweifelnd zu ihm. Er schnaubte.
„Okay, vielleicht hast du ja recht. Aber du weckst mich auf, wenn ich an der Reihe bin, verstanden?"
Annabeth nickte, obwohl sie jetzt schon wusste, dasssie ihn so lange würde schlafen lassen, wie er es benötigte.
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Die Waffe der Meere
FanfictionPercy hat es geschafft- er ist aus der Vergangenheit zurück. Doch viel Zeit zum Erholen bleibt ihm nicht, denn die Zeit drängt. Die Halbgötter müssen versuchen, Bethanys geheimnisvolle Hinweise zu entschlüsseln und das Versteck des Dolches finden. L...
