Piper
Die anwesenden Halbgötter hörten gespannt zu, wie Percy ihnen alles, was sich in der Vergangenheit abgespielt hatte, erzählte. Doch immer wieder stockte er, Piper hatte das Gefühl, als würde er gewisse Dinge auslassen. Sie konnte spüren, wie aufgewühlt er war. Als hätte sich ihre göttliche Gabe verstärkt und ließ sie nun sehen, wie es jemand Anderen ging.
Aber sie waren alle aufgewühlt, auch das konnte sie sehen. Wenn eine bestimmte Farbe eine Stimmung darstellte, dann wäre es im Versammlungsraum schwarz.
Als er geendet hatte, wirkten Percys grüne Augen wie zersplittert, als hätte das, was er erlebt hatte, seine Seele zerbrochen. Piper verdrängte diesen Gedanken schnell wieder, denn er war viel zu furchteinflößend. Stattdessen versuchte sie, die Worte des Sohns des Poseidons zu verarbeiten. Leicht war das nicht, es waren eine Menge Informationen auf einmal und sie war kein Kind der Athene. Sie versuchte es trotzdem.
Eins war auf jeden Fall klar: sie wussten nicht, wo sich der Dolch befand. Sie hatten nur rätselhafte Hinweise von Bethany Gordon. Doch diese schienen bisher keinen Sinn zu ergeben. Vielleicht würden sie das auch nie.
Piper warf Jason einen schnellen Blick zu, auch er sah besorgt aus. Doch dann erinnerte sie sich daran, dass er ihr versprochen hatte, dass sie es gemeinsam durchstehen würden. Sie vertraute ihm, also gab sie sich alle Mühe, noch nicht die Hoffnung zu verlieren.
Piper rieb sich die Stirn und versuchte, ihre beginnenden Kopfschmerzen zu vertreiben.
„Also hatte Bethany Gordon wirklich den Auftrag, den Dolch zu verstecken.", murmelte sie leise. Die Blicke richteten sich auf sie, unverständlich.
„Entschuldige, könntest du vielleicht ein bisschen lauter reden?", verlangte Nico.
Sie machte eine wegwerfende Handbewegung. „Unwichtig. Ich habe nur mit mir selbst geredet."
Ihre Gedanken überschlugen sich. Sie hatte das Gefühl, dass die Lösung eigentlich unkompliziert war und vor allem ganz nah. Am einfachsten wäre es, wenn sie einfach die Zeit zurückdrehen und Bethany persönlich fragen konnten. Sie würden miteinander reden können und die Tochter des Poseidons würde ihnen alles ganz genau erzählen können. Nur befand sich das leider im Bereich des Unmöglichen.
Oder?
„Wir müssen Bethanys Geist finden!", platzte sie urplötzlich heraus. Piper fing an, über das ganze Gesicht zu strahlen. „Das ist die Lösung! Wir müssen Bethanys Geist in der Unterwelt finden und dann kann sie uns sagen, wo sich der Dolch befindet!"
Ihr Herz fing an zu klopfen, sie war mehr als nur aufgeregt. Aber es kam ihr auch ein bisschen zu schön vor. Einfach wollte sie nicht sagen, denn das, was Percy bereits auf sich genommen hatte, war bestimmt nicht einfach gewesen. Aber nun, zum ersten Mal, hatten sie wirklich einen Plan. Keine vage Vermutung, dass irgendetwas so sein konnte, sondern einen echten Plan. Das gab ihr Hoffnung.
Annabeth strahlte ebenfalls. „Piper, das ist genial."
Auch alle anderen schienen plötzlich viel besser gelaunt. Im einen Moment war die Stimmung noch gedrückt, alle schienen verzweifelt zu sein. Doch nun war es das komplette Gegenteil.
Nico wiegte nachdenklich den Kopf. „Wenn diese Versammlung beendet ist, werde ich in die Unterwelt gehen und Bethanys Geist suchen. Ich werde meinen Vater um Hilfe bitten und da es sich um etwas handelt, dass uns alle betrifft, wird er mir helfen. Aber es kann trotzdem ein paar Stunden, oder vielleicht sogar Tage dauern, bis wir sie finden."
„Das macht nichts. Wir wissen, dass du dich beeilen wirst.", Annabeth stand auf. „Wenn es nichts mehr zu besprechen gibt, dann erkläre ich diese Versammlung für beendet. Geht in eure Hütten zurück und berichtet den anderen unsere Beschlüsse."
Sofort standen alle anwesenden Halbgötter auf, sie wollten so schnell wie möglich zu ihren Halbgeschwistern, um ihnen von den guten Neuigkeiten zu erzählen. Piper konnte es niemanden verübeln. Wenn sie nicht persönlich anwesend gewesen wäre, dann würde sie das auch auf der Stelle erfahren wollen.
Ehe sie sich versah, waren sie und Jason alleine. Am liebsten würde Piper nun den späten Nachmittag einfach nur in seinen Armen verbringen und nichts tun. Doch das war nicht möglich.
„Ich sollte auch zurückgehen und meinen Geschwistern Bescheid geben.", sagte sie und verschränkte ihre Finger mit seinen.
„Ist es in Ordnung, wenn ich mitkomme?"
Piper lächelte. „Natürlich. Warum sollte es nicht in Ordnung sein?"
Daraufhin zuckte Jason lediglich mit den Schultern.
Gemeinsam gingen sie durch das Hauptgebäude, im Flur stießen sie fast mit Annabeth und Malcolm zusammen, die sich angeregt unterhielten. Soweit Piper es mitbekam, ging es um Kriegsführung und dass sie nachher, am Abend alles weiterbesprechen wollten. Sie und Jason gingen an ihnen vorbei, ohne sie zu stören und betraten den anschließenden Gemeinschaftsraum. Normalerweise würde sich hier Mr. D aufhalten, doch seit der Krieg gegen Pontos ausgebrochen war, war dieser nur noch selten im Camp anzutreffen. Unter diesen Umständen arbeitete sogar der durchaus faule Gott des Weines.
Aus dem Augenwinkel sah sie plötzlich etwas, das nicht so Recht ins Bild passte. Also blieb Piper stehen und sah es sich genauer an.
Auf der Couch, die an der einen Wand stand, lag Percy- und er schlief tief und fest.
Piper öffnete den Mund, ohne etwas zu sagen und packte Jason am Handgelenk. Dieser hatte den Sohn des Poseidons inzwischen selber bemerkt. Ein bisschen perplex starrte er auf seinen Freund, der einfach so im Gemeinschaftsraum schlief. Piper bedeutete ihm, leise zu sein, damit sie Percy nicht aufweckten. Aber so, wie es aussah, würde er nicht einmal aufwachen, wenn eine Schlacht um ihn herum ausbrechen würde.
Sie winkte Annabeth, damit sie herkam. Ihre beste Freundin runzelte im ersten Moment verwirrt die Stirn, doch dann fing sie an, zu lächeln. Sie drehte sich zu Piper.
„Keine Sorge, ich bleibe hier bei ihm. Malcolm, kannst du bitte unsere Geschwister informieren?", flüsterte sie. Danach ließ sie sich am einem Ende der Couch nieder, neben Percy, sah mit einem seligen Gesichtsausdruck auf ihn hinab und fing an, mit seinen Haaren zu spielen. Piper hatte sie schon lange nicht mehr so glücklich und zufrieden gesehen.
Und auch Percy wirkte ganz anders. Im Schlaf sah er viel entspannter und auch jünger aus. Wie ein normaler Student, oder junger Erwachsener in New York, nicht so mächtig. Wenn man nicht wusste, wer er war, dann könnte man niemals vermuten, was er schon alles durchlebt hatte.
Leise schlichen Piper und Jason davon. Als sie wieder draußen waren, sagte Jason: „Das war-..."
„Ich weiß.", erwiderte sie und drückte seine Hand. Sie konnte es nicht so recht in Worte fassen, es war auf jeden Fall ein wenig seltsam gewesen. Aber Piper wusste, dass sie sich vor allem für Annabeth freute, dass Percy wieder da war.
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Die Waffe der Meere
FanfictionPercy hat es geschafft- er ist aus der Vergangenheit zurück. Doch viel Zeit zum Erholen bleibt ihm nicht, denn die Zeit drängt. Die Halbgötter müssen versuchen, Bethanys geheimnisvolle Hinweise zu entschlüsseln und das Versteck des Dolches finden. L...
