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KAPITEL LXII

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Percy

Während Calypso zu Leo rannte, der noch immer einen Feuerball nach dem anderen auf Pontos schleuderte und inzwischen aus einer Wunde an der Schläfe blutete, versuchte er, zu Festus zu rennen. Er gab sein Bestes, besonders schnell war er jedoch nicht. Er schlang einen Arm um seinen Oberkörper, als könnte er damit die Schmerzen lindern, doch die Bewegungen ließen dieses schreckliche Pochen wiederkehren und erinnerten ihn an seine Verletzungen.

Auf halber Strecke hielt er inne. Ein paar Meter von ihm entfernt lag Jimmy noch immer im Sand. So, wie er vorhin an dieser Stelle gelandet war.

Tränen stiegen in Percys Augen. Pontos hatte Recht gehabt, es war ein verdammt beschissenes Gefühl, zu wissen, dass er den Jungen nicht hatte retten können. Zudem hatte der Sohn der Harmonia versucht, ihm zu helfen, was die ganze Sache noch schlimmer machte. Er hätte ihn gleich zu Beginn ins Camp zurückschicken sollen. Er hätte ihm nicht befehlen sollen, sich nur zu verstecken.

Percy ballte wütend seine Fäuste. Er konnte Jimmy vielleicht nicht mehr helfen, aber ihn hierlassen? Das stand außer Frage. Der Kleine musste ein anständiges Begräbnis bekommen.

Also drehte er und humpelte nun auf Jimmy zu, nicht auf Festus. Er musste sich beeilen, lange hatten sie nicht mehr.

Woher er die Kraft nahm, sich weiterhin vorwärts zu schleppen, war Percy ein Rätsel. Es schien ihm, als hätte sein Körper bereits aufgegeben und als würde ihn nur noch sein Wille vorantreiben. Und vermutlich Poseidon, dessen Stimme er nun nicht mehr in seinem Kopf hörte. Außer diesem Energieschub hatte er nichts gespürt, aber er wusste dennoch, dass sein Vater seine Hände im Spiel hatte.

Das, was ihm am meisten zusetzte, war, dass er noch immer nicht das Meer, oder im Allgemeinen seine Kräfte spürte. Da war einfach nichts und an diesem Gedanken zerbrach er beinahe. Er schob es noch darauf, dass Pontos in der Nähe war, dass er ihn vom Meer aussperrte. Doch tief in sich drinnen spürte Percy bereits, dass das Problem viel tiefer saß und nicht so einfach zu erklären war.

Er versuchte, nicht daran zu denken. Das konnte er sich nicht leisten. Nicht jetzt, nicht in dieser Situation.

Wie lange er letztendlich dazu brauchte, wusste er nicht, aber dann war er bei Jimmy und ließ sich neben dem Jungen auf den Boden fallen, um ihn unter den Armen zu packen und mit sich zu ziehen.

Irgendetwas hielt ihn jedoch davon ab. Was es genau war, konnte er nicht erkennen. Aber es war, als wäre da ein kleiner Lebenshauch, der Jimmy umgab.

Percy hielt die Luft an. War es möglich-...?

Tatsächlich.

Er kniff die Augen zusammen. Ganz schwach, aber die Brust des Kleinen hob und senkte sich. Kaum vorhanden, aber Jimmy war nicht tot. Noch nicht. Er lebte.

Jimmy lebte.

Er hätte am liebsten vor Erleichterung geweint. Percy schwor sich, dass das unbedingt so bleiben musste, um jeden Preis. Er musste den Sohn der Harmonia retten.

Jetzt packte er ihn in den Achseln, stand wackelig auf und zog ihn in Richtung Festus, der die Fahrkarte ins Camp darstellte. Er konnte nicht sehen, wo Leo und Calypso waren, aber er konnte Pontos wütend brüllen hören. Das war ein gutes Zeichen.

Percy selbst konzentrierte sich nur auf seine Atmung und auf jeden Schritt, den er tat. Immer weiter.

Nur nicht aufgeben, redete er sich ein. Ich schaffe das.

Als er nur noch ein paar Schritte von Festus entfernt war, wurde er von der Druckwelle einer weiteren Explosion umgeworfen. Er landete mit dem Gesicht voraus im Sand und spuckte ein paar Körner aus. Sein Gesicht war vor Schmerz verzerrt, als er aufstehen wollte, tauchte eine Hand vor seinem Gesicht auf.

Leo.

„Los. Wir müssen hier weg.", sagte er. Er war keinen Tag gealtert, das bemerkte Percy sofort.

Auf seine Bemerkung nickte er mit zusammengebissenen Zähnen und packte die angebotene Hand. Leo zog ihn auf die Beine und stützte ihn.

„Jimmy-...", fing Percy an, doch Leo warf einen Blick nach hinten und sagte: „Calypso hat ihn.", dann zog er Percy vorwärts und duldete keinen Widerstand mehr, zu dem der Sohn des Poseidons ohnehin keine Kraft mehr hatte.

Ein paar Sekunden später saß er auf dem Rücken des bronzenen Drachens. Pontos stand halb in der Brandung, ein bronzenes Netz hatte sich um ihn gewickelt, gegen das er ankämpfte. Genauer gesagt hatte er sich fast befreit.

Leo nahm vor Percy Platz, während Calypso noch unten stand und Jimmy hochhob. Der Sohn des Hephaistos und Percy streckten sich nach unten, um ihn zu packen und ebenfalls nach oben zu ziehen.

Pontos befreite sich immer mehr. „Beeilung!", rief Percy Calypso zu. Diese streckte nun ebenfalls ihre Arme nach oben, um sich helfen zu lassen. Sowohl Percy, als auch Leo ergriffen ihre Hände und zogen.

Wie aus dem Nichts tauchte diese Kriegerin mit den blassen Tattoos im Gesicht auf. Sie packte Calypsos Knöchel und wollte sie am Boden halten, was fast dazu führte, dass alle wieder von Festus Rücken gerutscht wären. Percy vermutete, dass es sich dabei um die handelte, die Pontos Daeira genannt hatte.

„Nicht loslassen!", seine Stimme klang inzwischen ein wenig schwacher, als er das rief.

„Was denkst du von mir?", brüllte Calypso zurück.

Im Hintergrund konnte Percy sehen, wie sich Pontos aus den Netzen befreit hatte und nun aus der Brandung kam. Die Wellen türmten sich höher, der Kampf tobte noch heftiger. Lange würde Poseidon nicht mehr durchhalten, die Zeit lief ihnen davon.

Glücklicherweise erwies sich Calypso als einfallsreich, was das Kämpfen anging. Ohne auch nur hinzusehen, verpasste sie Daeira einen heftigen Tritt ins Gesicht, was dazu führte, dass ihre Nase knackend brach. Durch diesen Angriff und sicherlich auch aufgrund der resultierenden Schmerzen, ließ sie verdutzt los, was Calypso dazu ausnutzte, um blitzschnell auf Festus Rücken und außerhalb der Reichweite ihrer Angreiferin zu klettern.

Leo verlor keine Zeit. „Los, Festus, LOS!", schrie er. Der Drache reagierte sofort, er breitete seine metallenen Schwingen aus und erhob sich in die Lüfte.

Keine Sekunde zu früh.

Die Waffe der MeereGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt