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KAPITEL XXVI

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Jason

Jason stand mit Nico und Reyna in der Schwertkampfarena und musste zum wiederholten Male lernen, dass man sich mit der Tochter der Bellona lieber nicht anlegte. Nicht, dass er das nicht vorher schon gewusst hätte. Doch heute machte die Prätorin ihn besonders schnell beim Trainingskampf fertig.

Und Nico? Der saß am Rand und lachte sich über Jason kaputt.

Schweiß lief ihm über die Stirn, er verzog das Gesicht, als er sich bückte, um sein Gladius aufzuheben. Als er den in Leder gebundenen Griff wieder fest in der Hand hielt, warf er Nico einen genervten Blick zu.

„Du bist nicht sehr hilfreich.", brummte er, wusste jedoch, dass er dem Sohn des Hades nicht lange böse sein konnte. Das schaffte er nie. Spätestens nach wenigen Stunden war alles wieder beim Alten. Das wusste eben dieser auch und grinste nur.

„Du bist heute aber ganz schön schlecht.", spottete Nico noch immer grinsend. Manchmal benahm er sich tatsächlich wie Jasons kleiner Bruder: Absolut nervig. Der Sohn des Jupiters stieß ein tiefes Seufzen aus.

Andererseits schien Reyna an diesem Tag nicht nur auf dem Höhepunkt ihrer Kräfte zu sein, hinzukam, dass er wirklich schlecht gekämpft hatte. Nicos Kritik war durchaus berechtigt- teilweise zumindest. Dabei wusste er selbst nicht einmal, woran es lag. Irgendwo war einfach ein Fehler. Nichts wollte klappten, egal, mit welcher Taktik er Reyna unter Druck zu setzen versuchte. Jason konnte nur hoffen, dass er an diesem Tag nicht in einen realen Kampf verwickelt werden würde, denn diesen würde er mit Sicherheit verlieren.

„Ich stimme Nico nur ungern zu, aber was ist heute los mit dir?", Reyna warf ihm einen prüfenden Blick zu und wischte sich einen Tropfen Schweiß von der Stirn. Manchmal fand es Jason beruhigend, dass ihr Körper gelegentlich menschliche Reaktionen zeigte, denn das bewies, dass sie keinesfalls eine Göttin war.

Wieder einmal wurde ihm klar, wie sehr sich seine Beziehung zu Reyna verändert hatte. Zuerst waren sie Prätorenkollegen gewesen, dann hatte eine unerwiderte Liebe zwischen ihnen gestanden. Bis sie das überwunden hatten, war eine lange Zeit vergangen. Inzwischen herrschte zwischen ihnen eine tiefe Freundschaft, die auch hoffentlich bis zu ihrer beider Lebensenden andauern würde.

„Ganz ehrlich? Ich habe keine Ahnung.", gab er ehrlich zu. Jason kniff die Augen zusammen und blinzelte in die Sonne. Es war früher Nachmittag und die Schwertkampfarena war lichtdurchflutet, kaum Schatten war zu sehen und wenn doch, dann am Rand, wo man nicht kämpfen konnte.

„Ich habe das Gefühl, mich nicht richtig auf diesen Kampf konzentrieren zu können. Als-...", er hielt inne, dann warf er die Hände nach oben. „Ach, wisst ihr was? Ich weiß es einfach nicht und ich denke, dass ich es auch gar nicht wissen will. Irgendwo ist heute der Wurm drinnen, ich habe einen schlechten Tag."

Kaum hatte er das ausgesprochen, vertiefte sich das Grinsen auf Nicos Gesicht. Jason schnaubte.

„Was?", wollte er wissen.

„Der große Jason Grace hat also einen schlechten Tag.", kicherte Nico und konnte sich nicht mehr zurückhalten. Sogar Reyna ließ sich zu einem Lachen mitreißen.

Daraufhin konnte Jason nur noch die Augen verdrehen. Was hatte er sich dabei nur gedacht, mit diesen beiden Halbgöttern alleine Zeit zu verbringen? Wenn er eins gelernt hatte, dann war es, dass Reyna und Nico immer zusammenhielten, ohne Ausnahme. Sowohl in guten, als auch schlechten Zeiten. Selbst, wenn es nur darum ging, sich über Jason lustig zu machen, stärkten sie sich gegenseitig den Rücken.

Er brummte etwas Unverständliches, ging an den Rand der Arena und nahm einen Schluck aus seiner Wasserfalsche. Unterdessen grübelte er darüber nach, wo seine Schwäche lag.

Jason hatte das Gefühl, als wäre sein Kopf zu voll. Als würden viel zu viele Gedanken gleichzeitig durch seinen Kopf schwirren, jeder nicht zu Ende gedacht. Er konnte nicht einmal sagen, an was er dachte. Es war einfach alles. Und das machte ihn irgendwie verrückt.

Es wird Zeit, dass Percy, Annabeth und Grover mit dem Dolch zurückkommen, schoss ihm durch den Kopf. Es war der fünfte Tag, seit sie abgereist waren und auch, wenn die Beiden erst frühestens in mehreren Tagen zurückerwartet wurden, so wünschte sich Jason in diesem Moment nichts sehnlicher, als die Gewissheit.

Das Warten war vermutlich das Schlimmste, was einem passieren konnte. Da war die Hoffnung, aber auch gleichzeitig die Angst, dass diese enttäuscht wird und sich nicht erfüllt. Jason betete jeden Tag zu den Göttern, dass Percy und Annabeth wohlbehalten zurückkamen. Und Grover natürlich auch.

Nachdem er etwas getrunken hatte und sich ein wenig besser fühlte, ging er zu Nico und Reyna zurück. „Los, noch eine Runde.", forderte er sie auf.

Reyna warf ihm wieder diesen seltsamen, prüfenden Blick zu, in ihren Augen stand die Frage, ob alles in Ordnung sei. Er ignorierte das und machte sich kampfbereit.

Jason hatte das Gefühl, noch nie so viel wie in den letzten Tagen trainiert zu haben. Der Drill in Camp Jupiter war hart gewesen und an manchen Tagen hatte man sich dort gefragt, wozu das alles. Eigentlich sollte er eine Menge gewohnt sein und dennoch hatte er das Gefühl, nichts anderes mehr zu tun, als zu üben. Das erste Mal seit Jahren hatte er wieder Muskelkater- das war natürlich ein wohlbehütetes Geheimnis. Wenn Nico, oder die Stolls das herausfanden, dann würden sie ihn das niemals vergessen lassen.

Als sie endgültig das Training beendeten, waren weitere zwei Stunden vergangen. Reyna und Nico hatten ebenfalls gemeinsam trainiert und -wie hätte es auch anders sein sollen- hatten sowohl der Sohn des Hades, als auch die Tochter der Bellona ein paar Kämpfe gewonnen. Manchmal fragte sich Jason, woher Reyna diese ganze Kraft nahm. Das war ihm schon früher aufgefallen, wenn jeder am Ende war, stand sie noch auf den Beinen und machte weiter.

Vielleicht lag es daran, dass Reyna einfach eine unglaubliche Willensstärke besaß und aufhören, oder aufgeben niemals eine Option war.

Langsam gingen sie durch das Camp, in Richtung der Hütten. Es herrschte eine rege Betriebsamkeit, kein einziger der Halbgötter schien arbeitslos. Das ging inzwischen schon seit Wochen, Monaten so. Jason wunderte sich, warum noch immer alle so viel zu tun hatten- müsste die Arbeit nicht inzwischen erledigt sein? Er war ohnehin der Meinung, dass vermutlich nichts dazu beitragen würde, sich auf einen Kampf mit Pontos vorzubereiten.

Mit halben Ohr lauschte er Reyna und Nico, die sich wie immer kabelten und wie Geschwister herumalberten. Wenn er nicht wüsste, dass Krieg war und nur die Beiden betrachtete, dann hatte diese Szene etwas Schönes und vor allem friedliches an sich.

Kaum hatte er diesen Gedanken zu Ende gedacht, da bereute er es auch schon. Denn von weitem konnte er sehen, wie Piper auf ihn zu gerannt kam.

Bei ihrem Anblick schlug sein Herz wie immer schneller, ihr Haar wehte im Wind und sie hätte nicht schöner aussehen können. Doch ihr Gesichtsausdruck war irgendwie besorgt, ihre Stirn gerunzelt.

Als sie vor ihm stehen blieb, gab Jason Piper zur Begrüßung einen schnellen Kuss auf die Wange.

„Was ist denn los?", wollte er noch im gleichen Atemzug wissen.

Sie sah kurz zu ihm und schien sich zu freuen, aber dann wurde sie wieder ernst.

„Die Stolls haben eine Versammlung der Hüttenältesten einberufen.", meinte Piper. „Und du sollst natürlich auch kommen, Reyna.", fügte sie noch hinzu.

„Ist etwas passiert? Kam eine Nachricht aus Camp Jupiter?", waren Reynas erste Fragen.

Piper schüttelte den Kopf. „Ich weiß es nicht. Die Stolls haben nur gesagt, dass wir alle ins Hauptgebäude kommen sollen. Mehr nicht."

Die Waffe der MeereGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt