Kapitel 16: Verliebt in einen völlig Fremden (1.138)

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Seit vergangenen Tag habe ich Jungkook nicht mehr gesehen. Um ehrlich zu sein weiß ich nicht, wie ich mich jetzt ihm gegenüber verhalten soll und dennoch betrete ich gerade das Café Del Luna in der Hoffnung ihn anzutreffen. Ich will ihn unbedingt sehen und sicher gehen, dass es ihm nach diesem Asthmaanfall wirklich gut geht.

Mein Blick schweift durch das ganze Lokal, doch anstelle von Jungkook sehe ich nur Namjoon an einem der Tische sitzen. Ohne groß nachzudenken setze ich mich also in Bewegung und in die Richtung des Pinkhaarigen. Ich setze mich ihm gegenüber, nachdem ich ihn noch mit einem 'Hey' begrüße.

„Jungkook ist noch hinten. Jojo brauchte seine Hilfe beim Ausladen der Lebensmittel für das Café." sagt Namjoon. Das trifft sich gut, denn um ehrlich zu sein wollte ich eh nochmal mit ihm reden. Jungkook wollte mir bisher nichts über sich selbst erzählen, also muss ich wohl über seinen besten Freund an Infos kommen. Bis gestern war mir das auch noch relativ gleichgültig, da ich ja mittlerweile weiß, dass er seine Zeit braucht. Doch ständig geht mir ein bestimmtes Szenario durch den Kopf:

Jungkook war gestern absolut nicht in der Lage sich irgendwie zu bewegen, weil er sich zu sehr auf das Atmen konzentrieren musste. Was wäre gewesen, wenn ich alleine mit ihm gewesen wäre? Er wäre nicht an sein Spray gekommen und ich wusste ja nichts von seinem Asthma. Also wie hätte ich ihm in dieser Situation helfen können? Er war ja nicht mal richtig in der Lage, die Frage von Namjoon zu beantworten.

Immer und immer wieder geht mir das durch den Kopf und es lässt mir einfach keine Ruhe.

Ich weiß echt nicht wann genau sich Jungkook zu einer so wichtigen Person in meinem Leben entwickelt hat. Fakt ist, dass er sich dazu entwickelt hat. Doch nichts über ihn zu wissen, versetzt mich in Angst. Was, wenn er noch irgendetwas hat, was er mir nicht erzählte? Was, wenn es vielleicht eine lebensgefährliche Sache ist? Ich hab zwar keine Erfahrung mit und auch keine Ahnung von Asthma, aber ich schätze Mal das hätte alles echt schlecht ausgehen können, wenn Namjoon Jungkook nicht das Spray gegeben hätte. Ich will mir gar nicht vorstellen, was dann hätte passieren können.

Ja, vielleicht interpretiere ich da auch zu viel hinein, aber was wenn nicht? Dieses WENN ist entscheidend. Ein kleines Wort mit einer solch großen Wirkung.

„Wie ging es Jungkook denn nach seinem Asthmaanfall?" frage ich den Älteren ohne auf seine vorherigen Worte einzugehen. Namjoon sieht mich erst etwas verwirrt an, doch antwortet mir schließlich: „Es ging." „Warum hatte er überhaupt einen Asthmaanfall?" stelle ich dann die nächste Frage. Mein Gegenüber seufzt kurz, ehe er antwortet: „Es war meine Schuld, ich hätte ihn nicht so in Panik versetzen dürfen. Die Panik, in die ich ihn versetzt habe, war der Auslöser dafür. Dabei wollte ich ihm nur helfen, damit er zuhause keinen Stress bekommt."

Ich mustere den Pinkhaarigen ganz genau und man sieht und hört ihm ganz genau an, dass er sich selbst die Schuld gibt, aber er auch besorgt um Jungkook ist. Ohne Zweifel ist Jungkook eine wichtige Person für Namjoon, wie mir seine Gestik und Mimik verrät. „Du und Jungkook steht euch wohl sehr nah, was?" frage ich aus Versehen etwas schnippisch, bei dem kläglich gescheiterten Versuch meine Eifersucht etwas einzudämmen. Keine Ahnung, was mit mir los ist. Doch Jungkook sorgte schon des Öfteren dafür, dass ich Seiten von mir preis gab, die nicht mal mir ein Begriff waren.

„Keine Sorge, Tae. Ich hab nicht vor dir Kookie auszuspannen." sagt Namjoon dann sichtlich amüsiert über meine schnippische Art. Also weiß der Pinkhaarige anscheinend schon davon, dass Jungkook und ich zusammen sind.

„Es stimmt. Jungkook und ich stehen uns wirklich sehr nah, aber auf andere Weise, als ihr es tut. Bitte glaub mir. Ich gebe auch zu, dass Kookie eine sehr, sehr wichtige Rolle in meinem Leben spielt, aber auf andere Weise als bei dir. Es gibt so vieles was er für mich gemacht hat und was ich wiederum für ihn gemacht habe. Unsere gemeinsamen Erlebnisse haben uns nun mal so zusammengeschweißt. Aber ich denke mal, dass du genau weißt, was ich dir sagen will. Bei dir und Jimin ist es doch nicht viel anders, oder?"

Da hat er Recht. Jimin ist für mich auch ein sehr, sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Ich könnte mir ein Leben ohne meinen besten Freund nur sehr schwer vorstellen und so ähnlich muss es dann wohl auch bei Namjoon und Jungkook sein. Aber warum reden wir jetzt eigentlich DARÜBER? Ich wollte doch über Namjoon an Informationen über Jungkook kommen und ihm hier nicht eine Eifersuchtsszene vorspielen.

„Du sagtes vorhin, dass du verhindern wolltest, dass er zuhause Stress bekommt. Warum sollte er denn deswegen zuhause Stress bekommen?" „Naja, seine Eltern sind nun mal ziemlich kompliziert. Aber warum redest du denn mit mir und nicht mit Jungkook selbst darüber?" fragt er mich irritiert.

„Weil er nie etwas von sich erzählt. Im Prinzip weiß ich gar nichts von ihm, außer dass er Trainee beim Big Hit ist, dass er hier im Café arbeitet, dass er es liebt zu Zeichnen und zu Malen und dass er Musik studiert. Herr Gott, ich weiß ja nicht mal seinen vollen Namen."

Als mir das klar wird kann ich nicht anders als meinen Kopf auf die Tischplatte zu hauen und ihn dort liegen zu lassen. Keine Ahnung was jetzt alle anderen Gäste des Lokals denken, doch das ist mir gerade ziemlich egal.

Ich habe mich quasi in einen völlig Fremden verliebt.

Doch genauso ist mir klar, dass ich nicht wirklich ohne diesen Fremden leben kann. Schon irgendwie eigenartig, wie schnell das alles ging mit Jungkook und mir. Wie schnell ich doch von ihm abhängig geworden bin und wie sehr er doch meine Gedanken kontrolliert. Ich denke fast pausenlos an ihn. Nicht mal in einigen meiner Träume gönnt mir der braunhaarige, junge und gutaussehende Mann eine Pause. Und man, wie gut er nicht aussieht. Wie freundlich, hilfsbereit und liebenswert er doch einfach ist.

Also ich habe mich auf jeden Fall über beide Ohren in ihn verliebt und so schnell wird es aus diesen Gefühlen auch kein Entkommen geben.

„Tae, jetzt hör doch endlich mal auf dich immer am Kopf zu verletzen. Du brauchst die Gehirnzellen noch, die du noch besitzt." reißt mich diese unverkennbare und wunderschöne Stimme aus meinen Gedanken und hebt mit seinen beiden Händen meinen Kopf wieder von der Tischplatte, sodass ich ihm nun in sein strahlendes Gesicht sehen kann. Dieses Lächeln steckt auch mich an. „Deine Stirn ist jetzt schon rot, aufgrund deiner hirnrissigen Aktion mit der Tischplatte." fährt er fort, ehe er mir einen Kuss auf die besagte Stelle drückt, die jetzt im Nachhinein tatsächlich etwas schmerzt.

Also wenn Namjoon noch irgendwelche Zweifel an einer Beziehung zwischen mir und Jungkook hegte, dann sind diese jetzt vollständig ausgeblasen.




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You Are My Destiny {TaeKook}Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt