Liebe

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Lachend schlang Samu seine Arme um Riku und schaute über seine Schulter auf das unruhige Wasser der Ostsee. Ab und an trafen kleine Wellen auf ihre nackten Füße. „Was meinst du?", fragte Samu in die Stille hinein. Riku seufzte. „Ich weiß nicht", murmelte er. „Meine Mum wird genauso wenig dagegen haben wie die Jungs und deine Mutter", sprach Samu ihm Mut zu. „Samu, ich hab einfach Angst, was ist, wenn es doch nicht so ist", meinte Riku. „Ich verlasse dich nicht, für nichts und niemanden, Riku. Ich will mit dir alt werden, heiraten, wenn es gehen würde, Kinder kriegen", schlang Samu seine Arme noch fester um seinen Freund. Riku drehte sich ein Stück, um ihn zu küssen. „Ich liebe dich", hauchte er. „Ich dich auch", erwiderte Samu leise und legte seine Lippen erneut auf Rikus.

„Riks, wir müssen los", steckte Samu den Kopf in sein Schlafzimmer, das er seit gut einem Monat mit Riku teilte. „Ich komm ja schon", hob Riku die Reisetasche vom Bett und folgte ihm nach unten. Die Fahrt zum Mökki verlief schweigend. Lediglich Samus Hand strich immer wieder über Rikus Oberschenkel. Er hatte seiner Mutter gesagt, dass er nicht allein kommen würde, mit wem, das hatte er noch nicht erzählt. Sie hielten vor dem kleinen Haus im Wald. Samu schenkte seinem Freund ein Lächeln und drückte kurz seine Lippen auf seine, ehe sie ausstiegen und ins Mökki traten.

„Ach, Riku, du bist es", wurden sie von Eve begrüßt, die beim Anblick des Gitarristen leicht rosig anlief. Samu hob verwirrt eine Augenbraue. „Es tut mir leid, ich hatte, naja, ich habe das Doppelbett bezogen", erklärte seine Mutter ihre Verlegenheit. Samu warf einen kurzen Blick zu Riku. „Macht nichts Mum", meinte er dann, schnappte sich die Taschen und stiefelte voraus. Riku lächelte Eve schief an, ehe er seinem Freund in das vorbereitete Schlafzimmer folgte. „Macht doch nichts, oder?", hakte Samu nach, als die Tür hinter Riku zu fiel. „Nein, gar nicht", grinste Riku, obwohl in seinen Augen noch immer etwas Besorgnis funkelte. Er zog Samu zu sich und verlangte nach einem wesentlich längeren Kuss als zuvor im Auto.

„Wie läuft es mit der Band?", erkundigte sich Eve beim Essen. „Gut, wir kommen prima voran", erzählte Samu. „Das freut mich", lächelte sie. „Wieso hast du eigentlich Riku mitgebracht? Hältst du es mit deiner Alten alleine nicht mehr aus?", wollte Eve mit einem Grinsen wissen, nach dem sie eine Weile geschwiegen hatten. „Doch. Einfach nur so, nicht gut?", antwortete Samu unsicher. „Doch natürlich, ich freue mich", versicherte seine Mutter eilig, als sie das dunkle, ja, beinahe ängstliche Funkeln in den Augen ihres Sohnes sah.

„Nacht, Mum", verschwand Samu zu seinem Freund ins Zimmer, der schon unter der Bettdecke lag. Eilig schlüpfte auch er aus Schuhen, Jeans und Hoodie und kuschelte sich zu ihm. Sanft legten sich seine Lippen auf Rikus, ehe beide nach und nach in den Schlaf drifteten.

Am nächsten Morgen klopfte es an der Tür. „Jungs?", steckte Eve den Kopf ins Zimmer, als niemand antwortete. Beinahe hätte sie aufgelacht. Dass sie sich das nicht hatte denken können. Ihr Sohn lag eng an den braunen Lockenkopf gekuschelt, seinen Kopf auf seiner Brust abgelegt, während Rikus Hand, die rechts unter der Bettdecke hervorschaute, verriet, dass er seinen Arm um Samu gelegt hatte. „Jungs, es gibt Frühstück", wiederholte Eve um einiges lauter, ehe sie die Tür wieder hinter sich zuzog. Verwirrt blinzelte Samu und saß plötzlich aufrecht im Bett. „War meine Mum gerade hier?", fragte er Riku, der ihn aus verschlafenen Augen ansah. „Hm?", machte er. „Hat sie nicht eben gesagt, dass es Frühstück gibt?", meinte Samu. „Oh, Scheiße", schien auch Riku schließlich vollkommen anwesend zu sein. „Und jetzt?", fragte Samu, die Augenbrauen besorgt in die Stirn gezogen. Riku hob die Schultern. „Wenn sie wirklich was dagegen hätte, hätte sie uns eben schon aus dem Bett geprügelt, oder?", meinte er. „Stimmt", seufzte Samu und ließ sich wieder zurück auf die Matratze sinken. „Sie wird nichts dagegen sagen", sprach er sich selber gut zu, während seine Hand durch Rikus Locken kraulte. „Sollten wir nicht aufstehen?", fragte dieser. „Hm, gleich", murmelte Samu und ließ ihn grinsen.

Tapsende Schritte ließen Eve aufschauen. Ihr Sohn kam mit verwuschelten Haaren und in Jogginghose und Hoodie in die Küche, um sich sofort an dem Kaffee zu bedienen, den sie bereitgestellt hatte. „Riku kommt gleich", sagte er und setzte sich. Eve nickte und sah ihn nachdenklich an. So schnell wie er hier unten aufgetaucht war, hatte er sie bemerkt, als sie reingekommen war. „Morgen", setzte auch Riku sich nach einigen Minuten zu ihnen. „Morgen, Riku", erwiderte Eve lächelnd. „Mum", setzte Samu an, woraufhin seine Mutter erwartungsvoll eine Augenbraue hob. „Also wegen eben, naja, wir, wir sind zusammen", stammelte er und griff unter dem Tisch nach Rikus Hand, doch Eve lächelte noch immer. „Das habe ich mir da schon gedacht", meinte sie. Samu grinste schief. Riku drückte seine Hand und brachte ihn dazu ihn anzuschauen. Kurzdarauf lagen ihre Lippen zu einem liebevollen Kuss aufeinander. „Jetzt wird aber gegessen, ihr zwei Süßen", unterbrach Eve sie lachend. Ihr warmer Blick verbarg kein bisschen wir glücklich sie war und wie sehr sie sich mit den beiden freute. 

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