Einen Kuss entfernt *

311 12 3
                                        

„Rik!", rief Samu lachend. „Das sieht aus wie ein Hintern!" Riku sah auf und zu seinem besten Freund, der ihm eine Kastanienhülle mit zwei Kastanien, die daraus hervorschauten und tatsächlich etwas wie zwei Pobacken aussahen, entgegenstreckte. „Mein Hintern?", fragte Riku entsetzt. „Nein! EIN Hintern", kicherte Samu und kam zu ihm herüber. Sie machten einen kleinen Spaziergang in der Nähe des Tourbusses, um frische Luft zu schnappen, und hatten einen großen Kastanienbaum entdeckt. Riku wackelte anzüglich mit den Augenbrauen. „Und? Von wem soll der sein?", wollte er grinsend wissen. Samu knurrte leise. „Du bist so ein Idiot", stieß er ihm den Ellbogen in die Seite. „Och Samu", legte Riku ihm lachend den Arm um die Schultern und zog ihn schließlich weiter. Sie hatten noch eine halbe Stunde ehe sie zurück mussten und weiterfuhren.

„Oh oh. Siehst du das?", murmelte Samu nach einigen Metern. Riku folgte seinem Blick zu einem Mädchengrüppchen, dass tuschelnd zusammen stand. Riku zog sich die Kapuze über und wollte Samu eilig daran vorbei ziehen. „Hey!", hielt sie aber doch eines der Mädchen an. „Könnte ich deine Nummer haben?", fragte sie und strich sich die blonden Haare zurück. Sie schien also zumindest kein Fan zu sein. Dafür schien die Gegend eigentlich auch etwas zu abgelegen, wissen konnte man es aber nie. „Sorry", schüttelte Samu den Kopf. „Schade, hast ne Freundin?", erwiderte das Mädchen. „Nope, steh auf Schwänze", erwiderte Samu. Das Mädchen lief rot an und drehte sich eilig weg. Riku zerrte seinen Kumpel eilig weiter. „Was sollte das denn?", fragte er, während Samu losprustete, sobald sie außer Sicht- und Hörweite waren. „Nichts, wollte ich schon immer mal sagen", gluckste Samu. „Schön, fühlt es sich gut an?", knurrte Riku und ließ damit das Lachen seines Kumpels verstummen. „Hey, Riku, das war nicht böse gemeint, niemandem gegenüber. Die Abfuhr war so oder so schon beschissen", seufzte Samu. „Könnte aber falsch rüberkommen", murmelte Riku. Samu zog verwirrt die Augenbrauen zusammen. „Solche Lügen zu deinem Amüsieren reißen", erklärte sein Freund mit noch immer finsterem Gesichtsausdruck. „Riku ... wieso sollte ich ... das war keine Lüge", stammelte Samu. Rikus Augen wurden groß. „Jetzt sag du nicht, dass du was dagegen hast", meinte sein Kumpel. Riku schüttelte eilig den Kopf. „Nein, ich bin selber verliebt ... in einen Mann. Ich hab nur nicht damit gerechnet, dass du auch", suchte nun er nach Worten. „Du bist verliebt?", wurde Samu hellhörig und sah ihn neugierig von der Seite an, während sie langsam wieder auf den Parkplatz zusteuerten, auf dem ihr Tourbus stand. Riku verzog leicht nickend den Mund. „In wen?", fragte Samu, doch Riku schwieg. „Kenn ich ihn?", stocherte er weiter. Riku seufzte. „Rik, du kannst nicht so etwas sagen und dann schweigen! Dazu bin ich viel zu neugierig, so kann ich heute Nacht nicht schlafen!", meckerte Samu. Ein erneutes Seufzen kam über Rikus Lippen. „Ja, du kennst ihn", murmelte er. „Wen kenn ich denn so?", überlegte Samu laut. „Oh, warte! Ist es einer von den Jungs?", wollte er grinsend wissen. Riku schwieg. „Ist es, ha! Ich wusste es!", war Rikus Reaktion Samu dieses Mal jedoch Antwort genug. Sein Kumpel stieß die Luft aus. „Sag schon, wer ist es! Jukka?", riet er. Riku schüttelte den Kopf. „Sami?", hob Samu die Augenbrauen. Riku kaute auf seiner Lippe, schüttelte aber wieder den Kopf. „Raul? Nein, es ist Osmo, du stehst auf Osmo", schien sich Samu nun sicher, als Riku zu auch ihrem Bassisten den Kopf geschüttelt hatte. „Nein, Samu, lass gut sein", nuschelte er. Doch Samu dachte gar nicht daran ihn in Ruhe zu lassen. „Du stehst niemals auf Mikko, also muss es Osmo sein", meinte er. „Osmo und ich sind Freunde", erwiderte Riku. „Aber du kannst trotzdem in ihn verliebt sein", grinst Samu. „Bin ich aber nicht", murrte er. „Och, Riku. Du stehst nicht auf Mikko, oder? Niemals, also gib zu, dass es Osmo ist", bohrte Samu ihm fordernd den Ellbogen in die Seite. „Ich steh ganz bestimmt nicht auf Mikko, aber auf Osmo genauso wenig, kannst du drehen wie du willst", legte Riku unbewusst einen Schritt zu. „Also doch keiner von den Jungs, schade", murmelte Samu niedergeschlagen. Riku seufzte ein weiteres Mal, doch plötzlich legten sich zwei Arme um ihn und ein weiches Lippenpaar auf seine Wange. Beinah wäre Riku gestolpert. Samu lachte an seinem Ohr, ohne ihn loszulassen. „Du bist echt drauf reingefallen, Rik", grinste er vor sich hin. Jetzt sah Riku doch auf und direkt in die meerblauen Augen. „Du hast das alles geplant, du Mistkerl?", schnaubte er. „Nicht alles, erst als das Mädchen nach meiner Freundin gefragt hat und du endlich zugegeben hast, dass du verliebt bist", gab Samu zu. „Und du?", hob Riku nun herausfordernd die Augenbrauen. Er war stehen geblieben und konnte seinen Blick nicht mehr von den leuchtenden Augen nehmen. „Ich bin so was von verliebt", beugte Samu sich vor. Keine Sekunde später legten sich seine Lippen gierig auf Rikus, der den Kuss nur zu gerne erwiderte. Aufkeuchend krallte Riku sich in den blonden Haaren fest, die sofort in alle Richtungen abstanden. Er spürte, wie Samu hart wurde und drückte ihn leicht von sich. „Nicht mitten in der Öffentlichkeit", hauchte er. „Hm", brummte Samu mürrisch. „wir haben nur noch zehn Minuten, um zum Bus zu kommen", redete Riku auf ihn ein, obwohl auch er damit kämpfte sich nicht in seinen Gefühlen zu vergessen. Samu griff nach seiner Hand und verschränkte ihre Finger. Kommentarlos zog er seinen Freund in Richtung Parkplatz.

„Los jetzt!", scheuchte Mikko sie in den Bus, sobald er sie sah. Ihre Hände hatten sie losgelassen und liefen nur noch nebeneinander her. Im Bus ließen sie sich zu den anderen Jungs in die Sitzecke fallen. Ausgerechnet hatten sie ihnen nur noch Plätze gegenüber freigehalten. „Wo wart ihr wieder so lange? Wieder irgendwelche Fans abgeschleppt?", lachte Sami. Riku schüttelte ebenfalls lachend den Kopf, während Samu auf seiner Lippe kaute und den Blick nicht von seinem Gitarristen wenden konnte. Die Gespräche am Tisch schien er gar nicht mehr richtig mitzubekommen, rutschte stattdessen unruhig auf seinem Platz hin und her. „Samu? Alles ok?", fragte Raul besorgt. „Hm", stieß Samu die Luft aus. Seine Augen glänzten. „Bin, bin gleich wieder da", stand er schnell auf und verschwand ins Bad. Die Tür fiel hinter ihm zu. Seine Hand legte sich fest auf seine Mitte, während er an der Tür Halt suchte. Nie wieder würde er sich von Riku so abwimmeln lassen, um dann gezwungen zu sein bei den Jungs zu sitzen. Zittrige öffnete er seine Jeans, ließ seine Finger hinein gleiten und stieß erleichtert die Luft aus. Lange dauerte es nicht, bis er kam. Eilig wusch er sich die Hände, fuhr sich kurz mit dem kalten Wasser durchs Gesicht und ordnete seine Haare etwas. Als er die Tür wieder öffnete, stieß er fast mit Sami zusammen. „Ehrlich alles gut?", fragte dieser und musterte ihn. „Ja, musste nur ... dringend", log Samu, was Sami ihm natürlich nicht so recht glaubte, er ließ es aber auf sich beruhen. „Seid ihr sicher, dass ihr keinen hotten Girls über den Weg gelaufen seid?", wackelte Jukka mit den Augenbrauen, als Samu wieder saß. Samu schüttelte den Kopf, eigentlich, seinen Kumpel abzuwimmeln. „Wusste ich's doch! Hapa, du siehst so aus, als hättest du immer noch nicht genug von denen", kicherte Jukka aber ungeniert. „Samu, wo bleibt dein Kommentar?", grinste Riku ihn breit an. „Welcher Kommentar?", fragte dieser verwirrt. Sein Freund hob verschmitzt die Augenbrauen. „Worum geht es gerade?", mischte sich nun auch Sami wieder ein. „Oh, naja, ich steh nicht auf ... Brüste", zwinkerte Samu Riku zu. „Sondern auf einen braunhaarigen unverschämten Gitarristen, der Spaß daran hat, mich hängen zu lassen", schoss er nun zurück. „Na warte!", rief Riku, stand auf und stürzte sich lachend auf ihn. Schließlich endete das ganze aber doch in einem wilden Kuss und Gelächter der Jungs. 

Siku-One-ShotsGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt