Beste Freunde küsst man nicht

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„Vivi, was ist los?", hockte ich mich bestürzt neben meine beste Freundin, als ich nach Hause kam. „Lass mich, Samu, bitte", stieß sie mich weg. Tränen rannen über ihr hübsches Gesicht, ihre blonden Haare waren total zerzaust. „Nein, was ist", fragte ich erneut, als mein Blick auf das leuchtende Handy neben ihr auf dem Boden fiel. „Es ist aus", stand in dem geöffneten Chat, darüber war er immer noch als „Schatz" eingespeichert. „Hey", nahm ich ihre Hände und drückte sie. „Ich weiß nicht mal wieso", schniefte sie. Ich seufzte und strich durch ihre Haare. Ich konnte ihren Schmerz förmlich spüren. „Samu, bitte", nuschelte sie. Mit einem weiteren Seufzen und einem unguten Gefühl ließ ich sie dann doch in Ruhe. „Hey", trat Vivi mit kleinen Augen ins Wohnzimmer und sah mich an. „Hey", erwiderte ich mit einem schiefen Lächeln. „Soll ich dich zum Flughafen bringen?", fragte sie. „Wenn du magst", hob ich die Schultern. Ich schnappte mir die Taschen für die Tour, während sie ihre Schuhe anzog und zum Auto ging. Die Fahrt verlief schweigend. Vivi starrte abwesend aus dem Fenster, Tränen schimmerten in ihren Augen und ich war froh, dass doch ich das Lenkrad in der Hand hatte. Sie wirkte so zerbrechlich, dass ich ihr fast verbot mein Gepäck mitzutragen. Kurz bevor wir auf die Jungs trafen, blieb ich stehen und zog sie in eine kräftige Umarmung. „Du findest jemanden, er hatte dich noch nie verdient", flüsterte ich und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. Sie zwang sich zu einem Lächeln und nickte. „Viel Spaß", drückte sie mich noch einmal, ehe sie zurück zum Auto verschwand. Ich wollte sie am liebsten gar nicht fahren lassen. „Hey", schlug ich mit den Jungs ein. Wir schnappten unser Gepäck. Eine gute Stunde später saßen wir endlich im Flieger. „Wieso ist Vivi eigentlich verschwunden, ohne uns zu begrüßen?", fragte Sami mich, doch ich hob nur die Schultern. Es ging sie nichts an, zumal sie sowieso dachten, dass wir zusammen waren. „Hat sie nichts gesagt?", hob Sami skeptisch die Augenbrauen. „Schlechter Tag, was weiß ich", schnaubte ich. Wir hatten noch zwei Stunden zwischen Soundcheck und Konzert. „Hunger?", hielt Riku mich an und streckte mir ein belegtes Brötchen hin. Nickend nahm ich es an und lächelte dankbar. Wir setzten und irgendwo in einen ruhigen Gang auf den Boden. Als wir fertig waren, sah Riku mich an. „Weißt du wirklich nicht, was mit Vivi los war?", fragte er. Ich zögerte, weil ich ihn nicht anlügen, aber auch nicht die Wahrheit sagen wollte. „Du weißt es", hatte Riku mich so aber sofort durchschaut. „Ja", seufzte ich. „Ist es so schlimm?", fragte er besorgt. Ich zuckte mit den Schultern. Das kam ganz auf die Perspektive an. „Ihr Freund hat Schluss gemacht", stieß ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „Ihr – hä?". Zog Riku verwirrt die Brauen hoch. „Ihr Freund hat Schluss gemacht", wiederholte ich. „Du – Ich dachte, ihr seid zusammen?", meinte er überfordert. Ich schüttelte den Kopf, ohne ihn anzusehen. „Aber", stammelte er. „Wieso? Ihr küsst euch, ihr wohnt zusammen ..." Ich seufzte. „Den Jungs drücke ich auch öfter einen Kuss auf die Wange", entgegnete ich. „Willst du mir sagen, ihr habt noch nie?" Ich hob fragend die Augenbraune. „Euch noch nie richtig geküsst?", vollendete er seine Frage. Ich schüttelte erneut den Kopf. „Aber ... du würdest gerne, oder?", verzog er die Lippen. Eilig schüttelte ich den Kopf. „Nicht?", zog er verwirrt die Augenbrauen zusammen. Er bekam ein erneutes, langsameres Kopfschütteln. Vor meinem inneren Auge sah ich, wie er mich bei dem Abschlusskonzert unserer letzten Tour anschaute, mich förmlich mit seinen Blicken auszog. Oder bildete ich mir das nur ein, weil ich es so sehr wollte? „Beste Freunde küsst man nicht einfach so richtig", murmelte ich. Nach einer Weile sah ich auf. Er war mir so nah. Ich schluckte und beugte mich langsam nach vorne. Weich landeten meine Lippen auf seinen, doch er erwiderte den Kuss nicht. Mit zittrigen Beinen erhob ich mich, nahm die zerknüllte Serviette des belegten Brötchens und verschwand eilig den Gang hinunter. „Samu", legten sich Rikus Finger um mein Handgelenk, als ich zum Bühnenaufgang wollte. Unsicher blieb ich stehen und drehte mich zu ihm um. Er musterte mich, ehe er mich näher zog und seine Lippen auf meine legte. Nur kurz, aber intensiv. Ich sah blickte fragend in seine grauen, glänzenden Augen. „Beste Freunde küsst man nicht einfach so", sagten sie mir.

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