Liebe im vertrauten Grau

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Für @linerajamaa 

Fortsetzung von „Liebe im Morgengrauen", einzeln lesbar

Riku saß auf meiner Couch und drehte seine Tasse hin und her. Seit einer Woche waren wir von der Tour zurück, die Tour, die so vieles verändert hatte. Ich ließ mich auf das Sofa gegenüber fallen und sah ihn an. „Riku?", sprach ich ihn an. Er hob den Kopf und sah zu mir. Erst da bemerkte ich die Tränen auf seinen Wangen. Ich schluckte. „Rik. Was ist los?", stand ich auf und setzte mich stattdessen zu ihm, nahm ihm die Tasse aus der Hand und zog ihn in meine Arme. Er griff nach meinen Händen und verschränkte unsere Finger. „Meine Mum hat das Haus verkauft. Übermorgen muss ich raus sein", murmelte er. „Was? Das sagt sie dir erst jetzt?", kam es entrüstet über meine Lippen. Rik schüttelte den Kopf. „Ich weiß es, seit wir von der Tour zurück sind", schniefte er. „Aber ... wieso hast du nichts gesagt?", hauchte ich. „Es ist wegen dir", schüttelte Rik wieder den Kopf, dieses Mal kaum merklich. „Wegen mir? Wie?", ließ ich erschrocken seine Hände los und rutschte etwas von ihm. Wieso war ich schuld, dass er nichts sagte? Vertraute er mir nicht? Nach allem. „Ja, nein. Samu", zog er mich wieder zu sich. „Wegen uns. Ich, ich hab es ihr erzählt. Dass ich ... dich liebe", strich er mir die blonden Strähnen aus der Stirn. „Oh, Rik", hauchte ich. „Ich dachte nicht, dass sie so reagiert. Das sie sauer sein würde, vielleicht, aber dass sie mich gleich aus ihrem Leben streicht? Es war Opas Haus, sie hatten es mir geschenkt, aber offiziell, kann sie damit machen, was sie will, seit er nicht mehr lebt", wurde Riku immer leiser. Wieder rannen ihm Tränen über die Wangen. „Hey", strich ich sie sanft weg. „Kannst du es mir das nächste Mal früher sagen? Dann komm ich mit, oder bin wenigstens für dich da", sagte ich bittend. „Samu, ich hab nur eine Mutter", schlich sich ein winziges Schmunzeln auf seine Lippen. „Oh, stimmt", sah ich kopfschüttelnd grinsend auf unsere Hände, die mittlerweile wieder ineinander verschränkt waren. „Trotzdem. Egal, was es ist, das dich beschäftigen sollte", sah ich nach einer Weile wieder auf und sah ihm fest in die Augen. „Versprochen", nickte er. „Ich liebe dich", hauchte ich gegen seine Lippen und küsste ihn. Seine Hände klammerten sich in meinen Nacken und zogen mich noch ein Stück näher. „Ich dich auch", nuschelte er in den Kuss.

Am Morgen wachte ich auf, weil es klingelte und wurde automatisch hektisch. Die Uhr zeigte bereits zwölf Uhr. Meine Mutter war pünktlich, wie immer. Ich hatte sie die ganze Woche schon am Telefon vertröstet. An einem Sonntag konnte ich mich nun nicht mehr rausreden. Jukka war hartnäckig, aber normalerweise ließ er mich an dem Tag in Ruhe. Ich traf mich nach einer Tour immer mit meiner Mum und erzählte ihr, wie es war, schließlich sahen wir uns ja auch eine ganze Weile nicht in der Zeit. „Wer ist das?", holte Riku mich grummelnd aus meinen Gedanken. Er lag neben mir und fuhr sich verschlafen über die Augen, während meine Mutter nun Sturm klingelte. „Meine Mum", rappelte ich mich auf und lief nun noch in Boxershorts bekleidet nach unten und öffnete ihr. „Ich hab dich geweckt", stellte sie trocken, aber grinsend fest und zog mich in ihre Arme. „Tut mir leid, Mum, ich decke schnell den Tisch und", lief ich in die Küche und begann eilig Teller raus zu kramen. „Samu", hielt meine Mutter mich am Arm fest und damit auf. Von oben erklang die Klospülung. Der Blick meiner Mutter wurde fragend. „Hast du Besuch?", wollte sie wissen. „Ja, nein, ähm", stammelte ich, wodurch sich ein wissendes Grinsen auf ihre Lippen legte. „Deswegen hast du mich die ganze Zeit vertröstet", lachte sie. „Nein, Mum", schüttelte ich hektisch den Kopf. „Oh, Samu", lachte sie noch immer. „Also, also ich geh mir mal was anziehen", befreite ich mich aus ihrem Griff und eilte die Treppe hinauf. „Rik, was hast du dir gedacht? Jetzt weiß meine Mum, dass ich nicht alleine bin", fuhr ich ihn an. „Hätte ich in dein Bett pinkeln sollen?", schnaubte er. „Nein! Ja, vielleicht", wurde ich leiser, als ich merkte, wie lächerlich mein Verhalten war. „Tut mir leid", ließ ich mich zu ihm fallen und lehnte mich gegen ihn. Sofort spürte ich Rikus Hand durch meine Haare streichen. „Wegen deinem Haus", fiel mir unser gestriges Gespräch ein. „Hm?", drehte sich Rikus Kopf zu mir. „Du kannst zu mir ziehen, nur deine Möbel müssten mit der Garage klarkommen", sah ich zu ihm auf. „Wirklich?", hauchte er. Ich nickte heftig. „Na bis morgen kriege ich sowieso nichts anderes", murmelte er. „Hey! Das hört sich an, als wäre ich ein dreckiges Hotel", murrte ich. „Nein, Samu. Ich will dir nur nicht auf die Pelle rücken", schüttelte er belustigt den Kopf. „Tust du nicht", drückte ich ihm einen Kuss auf die Lippen und stand auf. „Und jetzt komm mit frühstücken", sagte ich, während ich ein paar Sachen aus dem Schrank zog. „Sicher?", fragte Riku kritisch. „Irgendwann muss ich es meiner Mum sagen. Spätestens wenn wir geheiratet haben. Und dann töte sie mich nicht weil du ein Mann bist, sondern weil ich nichts gesagt habe", lachte ich. Als ich mich umdrehte, weil er keine Reaktion von sich gab, und seine großen Augen sah, wurde mir klar, was ich da gesagt hatte. „Das war kein Antrag, du kriegst wenn einen richtig kitschigen", warf ich ihm grinsend seine Klamotten an den Kopf. Riku öffnete den Mund, schloss ihn aber sofort wieder, schüttelte den Kopf, ehe er sich lachend anzog. „Haber, du machst mich fertig", küsste er mich, ehe er aus der Tür verschwand. Eilig folgte ich ihm. „Riku?", fragte meine Mutter verwundert, als er von mir gefolgt in die Küche trat. Der Tisch war bereits für drei Personen gedeckt. „Morgen, Eve", fuhr er sich nun doch verlegen durch die Haare. Nervös sah ich meine Mutter an. Mein Herz klopfte wild gegen meine Brust. Plötzlich wirkte es so offiziell. Die braunen, wilden Locken. Die rauen Gitarristenhände. Die grauen, vertrauten Augen. Riku. Eine unheimliche Zärtlichkeit durch fuhr mich. Ohne weiter zu denken, zog ich ihn zu mir und drückte ihn ganz fest. „Ich liebe dich", nuschelte ich an seinem Ohr. „Ich dich auch", strichen seine Hände über meinen Rücken. Als wir uns lösten, hatte meine Mutter Tränen in den Augen, während sie uns mit einem glücklichen Lächeln ansah. 

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