Sleeping in the Studio

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Es war Montagmorgen, als ich im Studio aufwachte. Wahrscheinlich hätte ich auch noch länger geschlafen, wären die Jungs nicht aufgetaucht und hätten mich geweckt. „Wenn du nicht zu spät bist, hast du im Studio übernachtet", lachte Sami. „Die Regel ändert sich nicht", fügte Raul grinsend hinzu. Der braunhaarige Gitarrist, der seit einer Woche zu unserer Band gehörte sah mich mit einem merkwürdigem Blick an, den ich nicht einordnen konnte. Eilig rappelte ich mich auf. Nach der Sache mit Janne machte ich ohnehin schon einen eher schlechten Eindruck auf Außenstehende. Als ich Jukka am Mischpult liegen sah, kamen die Erinnerungen zurück. Ich war dieses Mal nicht alleine hier eingepennt. Wir hatten uns wie ganz zu Beginn der Bandgeschichte gemeinsam überarbeitet. Leider wurde Jukka das Keyboardspielen in Kombination mit dem Produzieren zu viel, weshalb wir Osmo vor einigen Monaten angeheuert hatten. Alles war zur Zeit also ziemlich im Umbruch. Ich wischte mir über die Augen und ging auf das Mischpult, beziehungsweise auf Jukka zu, der viel zu launisch war, wenn man ihn aus dem Schlaf riss. „Jukk", rüttelte ich an ihm. „Hmmm", kam von dem hellen Blondschopf. Dann saß er plötzlich kerzengerade auf dem Stuhl. „Hm? Samu? War ich lange weg?", fragte er. „Wir haben beide die Nacht über hier gepennt. Es kann also weiter gehen mit der Musik", erklärte ich ihm grinsend. „Oh", machte er. „Ok, dann lasst mal loslegen", stemmte er sich auf.

Ich schnappte mir meine Gitarre und schlug einmal die Saiten an, obwohl ich sie gestern Abend eigentlich erst gestimmt hatte. Als ich den Blick wieder hob, fiel er auf unseren neuen Gitarristen. Schlanke Figur, leichte Muskeln, braune Locken, die bestimmt unheimlich weich waren. Ich schluckte und schüttelte kaum merklich den Kopf. Ich musste mich auf die Musik konzentrieren.

„Noch einen trinken?", fragte Sami in die Runde, als wir nach bestimmt zehn Stunden Arbeit die Instrumente beiseitelegten. „Jo", meinte Jukka sofort und brachte uns nach der Reihe zum Nicken. Ein bisschen Alkohol konnte ich gut gebrauchen. Mein Kopf gab so niemals Ruhe. Wir zogen uns unsere Jacken über und stapften größtenteils schweigend zu der Bar einige Straßen weiter. Riku ging vor mir neben Raul. Sami und Osmo hinter mir und Jukka hatte sich bei mir eingehakt. „Was guckst du da?", beugte er sich zu meinem Ohr. „Steht da einer auf unseren Neuen?", kicherte er. „Quatsch, Jukka, hör auf damit", schupste ich ihn ein Stück von mir. Der grinste aber nur weiter vor sich hin und trat durch die Tür, die Raul aufhielt. Wir bekamen einen Tisch in der hintersten Ecke des Lokals und bestellten eine Shotrunde. Auf meine Kappe. Es ging somit ziemlich, fast viel zu schnell, dass wir recht betrunken waren. „Lass mal Flaschendrehen spielen", schlug Jukka vor, sein Grinsen über das ganze Gesicht gezogen. „Doch nicht hier", schüttelte Osmo den Kopf. „Dann WWoP", meinte Sami. Klar, da hatten wir wenigstens keine scheppernde Flasche. „Während wir anderen noch die Gesichter verzogen, begann Jukka einfach mit der ersten Frage. „Nein", schüttelt Riku, den er auswählte, den Kopf. „Mann, solche Feiglinge", schnaubte Jukka. „Lass ihn doch", schob ich ihm meinen Ellbogen in die Seite. „Dann mach du", sah er mich herausfordernd an. „Pflicht", verdrehte ich die Augen. „Küsse jemanden aus der Runde", funkelten mich seine Augen an. Ich unterdrückte ein Knurren. Ich würde ihm ganz bestimmt nicht den Gefallen machen Riku zu küssen, niemals. Stattdessen landeten meine Lippen für einen kurzen Augenblick auf seinen. „Idiot", wisperte Jukka, doch ich zuckte nur mit den Schultern und hauchte ihm gleich noch einen Kuss auf die Wange. „Osmo", gab ich dann die Frage weiter an unseren neuen Keyboarder.

Gähnend und ziemlich betrunken kuschelte Jukka sich an mich. „Genug?", fragte ich meinen besten Freund. „Hm", brummte dieser. Natürlich wollte Jukka nicht zugeben, dass er nach Hause wollte. „Lasst uns Schluss machen, Leute", wandte ich mich an die anderen und wuschelte Jukka durch die weißblonden Haare, bekam erleichtertes, zustimmendes Nicken. „Soll ich Jukka mitnehmen? Dann musst du keinen Umweg machen", bot Raul an, der um die Ecke von Jukka wohnte. „Ok", murmelte ich und unterdrückte ein Gähnen. Ich wollte lieber gar nicht wissen, wie spät es war. Nacheinander erhoben wir uns und sammelten unsere Sachen zusammen. Ich war der letzte, der aus der Bar trat. Beinahe rannte ich in Riku, als dieser zögernd stehenblieb. „Sorry", sah ich ihn entschuldigend an. „Macht nichts, darf ich, darf ich dich was fragen?", stammelte er unsicher. „Klar", zog ich verwirrt die Augenbrauen hoch. „Was, was ist das zwischen dir und Jukka?", fragte Riku. „Nichts, wir sind nur Freunde, ziemlich verrückte", verzog ich den Mund zu einem Grinsen. „Achso, ok", murmelte Riku, schien nicht so recht zu wissen, wie er auf die Antwort reagieren sollte. „Hättest du was dagegen gehabt?", traute ich mich zu fragen. „Nein", machte er sofort große Augen. „Ich bin selber ... Ich steh selber auf Typen", fügte er etwas ruhiger und deutlich zögerlicher hinzu. „Oh", lächelte ich und konnte nichts dagegen tun, dass es immer breiter wurde. „Und, und du?", fragte er leise. Ich schluckte, nickte dann aber. „Auch?", hakte Riku lächelnd nach. „Jap", sah ich zu Boden. „Das muss dir doch nicht peinlich sein. Ich bin doch auch schwul", meinte Riku. Mein Gesicht glühte und war wahrscheinlich tomatenrot. Wieso war mir das jetzt so peinlich? „Hey", legte Riku mir seine Hand auf die Schulter. „Sorry, ich weiß auch nicht, was los ist", schüttelte ich den Kopf und sah wieder auf. Tief sog ich die frische Nachtluft in meine Lungen, um wenigstens das Gefühl zu haben runterzufahren. „Ich, ich wohn direkt um die Ecke. Magst du mitkommen? Dann musst du nicht noch so weit laufen, das Auto kannst du eh knicken", bot Riku mir an, als ich gerade dachte mich wieder im Griff zu haben. „O-ok", stammelte ich. Leider hatte er verdammt recht. Das Auto konnte ich knicken. Dass die anderen drei sich noch hinters Steuer getraut hatten. Wir waren echt unverantwortlich. „Kommst du?", riss Riku mich aus meinen Gedanken. Nickend schloss ich zu ihm auf und folgte ihm zu sich nach Hause. Ziemlich geschickt für den ganzen Alkohol in seinem Blut schloss er auf. Er hatte eine kleine Wohnung – Küche, Bad, Wohnzimmer und Schlafzimmer. Im Wohnzimmer stand eine kleine Couch, ein Tischchen, ein Fernseher und Regale mit Büchern, Platten und CDs. „Du kannst in meinem Bett schlafen", meinte Riku. „Was? Nein, bestimmt nicht", schüttelte ich den Kopf. „Nicht zusammen. Ich schlaf hier", deutete Riku zum Sofa. „Ja, nein. Darauf kannst du doch nicht schlafen", wiederholte ich meine kopfschüttelnde Geste. „Du auch nicht", erwiderte Riku, der meine Gedanken natürlich durchschaut hatte. „Sollen wir doch ... beide?", fragte ich ganz vorsichtig nach einer Ewigkeit des Schweigens. „Ok", seufzte Riku. „Brauchst du was zum Anziehen? Shirt oder so?", fragte er. „Nein, wenn's dich nicht stört, schlafe ich in Boxershorts?", meinte ich. Riku schüttelte den Kopf und ging vor in sein Schlafzimmer. Ich zog mir meinen Pulli über den Kopf und streifte die Jeans von den Beinen. Als ich aufschaute, lagen Rikus graue Augen wachsam auf mir. Ich schluckte. Mit einem kaum merklichen Kopfschütteln riss Riku sich los und zog sich ebenfalls aus. Unsicher griff ich nach der Bettdecke, um mich hinzulegen. Sonderlich breit war das Bett für zwei Personen auch nicht, aber noch immer besser als das Sofa. Riku legte sich auf die andere Betthälfte, während ich an die Decke starrte und versuchte das merkwürdige Gefühl in meinem Bauch zu ignorieren und den Gedankenstrudel zu stoppen, der mich ganz sicher Stunden wach halten würde. „Schläfst du?", wisperte Riku nach einigen Minuten oder Stunden. „Nein", hauchte ich und drehte mich langsam zu ihm. Wieder sahen mich diese graublauen Augen an, funkelten in der Dunkelheit. Während mein Atem immer flacher wurde, wanderte mein Blick zu seinen Lippen. Plötzlich spürte ich Rikus Finger an meiner Wange, wie sie vorsichtig darüber strichen. Mein Herz stolperte. „Was machst du?", wisperte ich. Verunsichert stockte Riku. „N-nein, ist ok. Ich- Es", stammelte ich. „Keine Sorge, ich mach nichts, ok?", flüsterte Riku. Ich nickte kaum merklich, während Rikus Finger langsam wieder über meine Wange strichen. Sanft und vorsichtig. Mit der Zeit rutschte ich näher an ihn ran und legte schließlich meine Hand an seine Hüfte, immer auf seine Reaktion bedacht. Das Lächeln auf seinen Lippen wurde ein Stück breiter. „Darf ich?", hauchte Riku mit einem Blick auf meine Lippen. Langsam nickte ich und kam ihm noch ein Stück näher, bis unsere Lippen aufeinandertrafen. Eine Weile verharrten wir so. Meine Hand zitterte leicht, während mein Herz viel zu schnell gegen meine Brust hämmerte. Dann fing Riku an seine Lippen sachte gegen meine zu bewegen. Meine Augen fielen zu und ich wurde etwas mutiger, zog ihn noch näher zu mir, so dass kaum ein Blatt zwischen uns gepasst hätte. Ich wollte, dass es nicht aufhörte. Eine Schwere machte sich in meinem Kopf breit und schloss alle Gedanken aus. Vorsichtig öffnete Riku seine Lippen und stieß mit seiner Zunge gegen meine, entlockte mir ein leises Seufzen. Ich ließ mich von ihm nach hinten drücken, so dass ich auf dem Rücken lag und er über mir, seine nackte Haut auf meiner. Meine Hände strichen über seinen Rücken bis zum Rand seiner Boxershorts und wieder rauf. Riku rückte sich etwas zurecht, wobei seine Mitte über meine rieb und mich die Luft einziehen ließ. Ich war empfindlich geworden. Oder es lag an Riku. „Alles gut?", hauchte er. Ich nickte, konnte meine Nervosität aber nicht verbergen. „Hattest du schonmal?", fragte Riku. „Einmal. Mit einem Mann", antwortete ich zaghaft. „Oh, ok. Wir müssen nicht", rutschte er von mir, legte sich wieder neben mich und strich mir durch die Haaren. „Nicht?", hauchte ich. „Nein, nur wenn du willst", erwiderte Riku mit einem liebevollen Lächeln, das mein Herz erneut stolpern ließ. Ich öffnete und schloss den Mund wieder, wusste nicht was ich sagen sollte. Noch immer lächelnd drückte Riku mir einen Kuss auf die Lippen und ließ seinen Kopf an meine Schulter sinken. Ich legte meine Arme um ihn. Irgendwann wurde sein Atem immer ruhiger, bis er schlief. Tief luftholend rutschte ich mich zurecht und schloss dann ebenfalls die Augen.

Siku-One-ShotsGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt