Herzchenrotes Feuerwerk

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„I gotta knooo-ooow if you'll be my boy", sang Samu und sah mich an. Ich denke, wenn er den Blick einer Frau zugeworfen hätte, sie wäre dahingeschmolzen. Doch ich war keine Frau. Leider. Ich sah weg. Wäre mein bester Freund nur weiblich, ich hätte ihn sofort geheiratet. Ich schüttelte den Kopf. Ich musste mich konzentrieren, sonst verspielte ich mich noch. Und die Gedanken, die ich hatte, gingen gar nicht. Nur weil ich seit Ewigkeiten keine Freundin und Samu einfach einen super Charakter hatte, musste ich ihm ja nicht gleich einen Antrag machen.

Irgendwie hatte ich das Konzert dann doch noch ohne fiese Hintergedanken über die Bühne gebracht. Nun standen wir am Straßenrand und Samu winkte ein Taxi heran. „Magst du noch etwas unternehmen?", fragte er mich. Ich sah kurz auf die Uhr, doch was sollte das, wir hatten morgen, beziehungsweise heute, eh frei. „Ok", nickte ich also und wir stiegen ein. Wir fuhren die Straße bis zu unserem Hotel entlang und daran vorbei ins Grüne, ans Ufer eines deutschen Flusses, dessen Namen ich nicht wusste. Anscheinend waren wir nicht die einzigen, die ihren späten Abend trotz der kühlen Temperaturen hier verbringen wollten. Mehrere Pärchen, Familien und einzelne Leute lagen, saßen oder standen auf den Wiesen des Flussufers. Warum, verstand ich, als es über uns am Himmel knallte und knisterte und bunte Funken den schwarzen Nachthimmel erleuchteten. „Cool, oder?", sah Samu mich an. „Hab ich in einem Post auf Insta gelesen", fügte er lächelnd hinzu. Ich nickte, musterte ihn dabei aber aufmerksam. „Was ist?", fragte er. „Nichts", schüttelte ich eilig den Kopf, verwirrt über mich selbst, und sah wieder weg, in den Himmel hinauf, wo die nächsten Feuerwerkskörper explodierten. Ich seufzte und zog damit wieder Samus Aufmerksamkeit auf mich. „Was hast du?", fragte er mit einem fast besorgten Ton. „Ich fühl mich irgendwie etwas fehl am Platz zwischen den ganzen Pärchen hier", gestand ich. „Du hast doch mich", grinste Samu, doch ich konnte nur den Mund verziehen. „Hat da jemand Liebeskummer?", stieß er mir mit einem Lächeln in die Seite. „Nein, hab ich nicht, nein", stammelte ich und wusste auch nicht so recht, warum. „Was ist dann, hm?", drehte Samu sich vollends zu mir. Sein Blick war musternd, aber warm. „Keine Ahnung, bin wohl einfach etwas einsam", murmelte ich und sah wieder hinauf in seine strahlend blauen Augen. „Ich kann auch für dich da sein, wir können auch Händchen halten oder so", schlug Samu mit toternstem Blick vor. Ich musste lachen, so etwas fiel auch nur Samu ein. „Nein, ähm, passt schon", nuschelte ich und sah zu Boden, während ein irres Kribbeln durch meinen Körper schoss. Er machte mir gerade so ein Angebot und ich schlug es aus. „Na gut, ok", schob ich eilig hinterher, in der Hoffnung, dass er es sich nicht schon wieder anders überlegt hatte. Doch Samu lächelte nur, nahm meine Hand und zog mich zu sich. Mit einem leisen Seufzen lehnte ich meinen Kopf an seine Schulter und genoss die Nähe. „Schade, dass du keine Frau bist", murmelte ich den Gedanken, den ich schon beim Konzert hatte. „Wieso?", hauchte Samu. „Ich würde dich sofort heiraten", gab ich leise zu. „Muss ich dafür wirklich eine Frau sein?", wisperte er und drehte sich, so dass er seitlich vor mir stand, eine Hand immer noch mit meiner verschränkt. „Ich, ich weiß nicht", stammelte ich. Noch nie hatte ich darüber nachgedacht womöglich schwul zu sein. Ich wusste, dass Samu das Thema total locker sah, aber sollte er es tatsächlich selber sein? „Wir müssten ja nicht gleich heiraten", lächelte Samu. „Aber", stotterte ich weiterhin. „Rik, du musst nicht, ich muss nicht, aber folge deinem Herzen", tippte Samu auf meine Brust. Sein Blick dabei war eindringlich. „Ich meine nicht wegen mir", versuchte ich zu erklären. „Oh", machte Samu. Seine freie Hand wanderte in meine Haare, wo er scheinbar gedankenverloren durch die braunen Löckchen strich. „Darf ich?", beugte er sich vor. Ich schüttelte den Kopf. „Erst will ich deine Antwort", wisperte ich mit pochendem Herzen. Das Feuerwerk im Hintergrund war längst in Vergessenheit geraten. „Ich liebe dich Riku und ja, ich könnte mir was mit dir vorstellen. Mir ist egal, ob du Mann oder Frau bist, weil du du bist und ich dich eben genauso mag", wisperte er. Ich versuchte einfach nur weiter zu atmen und das Chaos in Herz und Kopf in Schach zu halten. „Darf ich jetzt?", fragte Samu erneut. Seine Stimme war kaum mehr zu hören und seine Hand in meiner zitterte. An Stelle einer Antwort legte ich meine freie Hand in seinen Nacken und zog ihn näher, bis unsere Stirnen aneinander lagen. Dann legte ich zaghaft meinen Kopf schief und legte unheimlich vorsichtig meine Lippen auf seine. Als ich meine Augen schloss, hörte ich das Zischen der Feuerwerkskörper im Hintergrund und hatte das Gefühl sie würden direkt in meiner Brust explodieren. Mit schwerem Atem, zittrigen Gliedern und einem breiten Lächeln auf den Lippen lösten wir uns wieder voneinander. Ich konnte nicht fassen, was gerade passiert war. Ich hatte meinen besten Freund geküsst und es hatte sich besser und intensiver angefühlt, als alles, was ich jemals zuvor gefühlt hatte. „Wow", hauchte ich. Samu nickte und legte seine Lippen gleich noch einmal auf meine. Als wir uns wieder lösten, endete das Feuerwerk mit einer letzten Fontäne aus roten Funken über unseren Köpfen. 

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