Damino
Ich vergrabe mein Gesicht in meinem T-Shirt, um den Schweiß von meiner Stirn zu wischen. Mir ist warm, und meine Hände sowie Handgelenke schmerzen. Unsere Trainerin steht am Rand und beobachtet uns.
Mein Kopf brummt, ich bin müde und erschöpft. Ein Name kreist in meinen Gedanken und ich wünsche mir nichts sehnlicher, als ihn daraus zu verbannen. Zu verbrennen und wegzuwerfen.
Asteria. Asteria. Asteria.
Immer und immer wieder. Ich seufze. Die letzten Tage waren miserabel. Ich habe nicht nur eine schlechte Note kassiert, sondern obendrein auch noch Nachhilfestunden aufgebrummt bekommen.
Mit niemand anderem als dem Mädchen, dessen Name mir einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Und das nicht im positiven Sinne. Ich mag sie nicht.
Noch weniger verstehe ich, weshalb ich überhaupt versucht habe, ihre Haltung mir gegenüber zu verstehen. Ich hätte damit ohnehin nichts anfangen können. Es ist offensichtlich, dass sie mich nicht leiden kann. Sie öffnet sich generell nicht jedem, aber mir gegenüber verliert sie kein einziges Wort. Schon allein, dass sie mir zu Beginn des Schuljahres eine verpasst hat, reicht aus, um zu wissen, dass sie nichts von mir hält.
Doch dass ausgerechnet sie die Kursbeste ist, macht mich wütend. Von all den Schülern und Schülerinnen dort. Sie soll die Beste sein? So gut im Notendurchschnitt hätte ich sie wirklich nicht eingeschätzt.
Und Mr. Ryland kann mich mal. Bumst euch doch alle ins Knie. Selbst die, die es nicht betrifft, können mich mal.
Noch diese eine Woche, dann sind endlich Ferien. Ein Hoch auf alle Partys und Hangovers, die ich dann erleben werde. Und ganz viel Sex, so viel, dass mir Kopf und Schwanz wehtun werden. Ich konzentriere mich wieder auf mein Training und lasse das T-Shirt wieder sinken.
Meine Faust trifft den Boxsack, der ruckartig zurückschwingt. Ich weiche aus und schlage erneut zu. Dann bringe ich den Boxsack wieder in Position, indem ich ihn umfasse und festhalte. Ich wiederhole den Prozess, bis mir die Luft wegbleibt und stoppe dann. Danach fange ich wieder von vorn an. Meine Gedanken schweifen ab.
Gestern war ich den ganzen Tag mit Martin in der Bibliothek, wobei es mich überrascht hat, dass er sogar sonntags dort arbeitet. Er ist toll. Der wohl angenehmste und jüngste Bibliothekar, den ich kenne. Ich habe zwei Aufsätze für Deutsch geschrieben und anschließend ein Buch über die Anatomie einer Schwalbe gelesen.
Meine Gedanken wandern zu dem schwarzhaarigen Mädchen.
Seit dem letzten Gespräch habe ich Asteria nicht mehr gesehen, außer im Unterricht. Es ist, als hätte sie mich nun vollständig aus ihrem Leben gestrichen. Und das, obwohl wir heute unser erstes Nachhilfetreffen in der Lerntheke im Abteil der Bibliothek haben. Wann wir die Präsentation besprechen wollen, haben wir noch nicht ausgemacht.
„So, das war's für heute. Ich bedanke mich für Ihr Kommen und wünsche Ihnen noch einen schönen Nachmittag", sagt unsere Trainerin zum Abschluss. Ich verlasse die Matte und gehe in Richtung Umkleide. Nachdem ich geduscht habe, ziehe ich mir ein frisches T-Shirt an, das mir mal mein Bruder geschenkt hat. Es ist schwarz und zeigt vorn einen Raben, der zum Abheben ansetzt.
Dann greife ich nach meiner Sporttasche und verlasse den Raum.
Aus dem Automaten kommt mein Rückgeld herausgerollt, als ich nach meinem Riegel greife. Ich stecke es ein und seufze, während ich auf meine Armbanduhr blicke. Ich sollte mich beeilen, sonst verpetzt sie mich noch, weil ich beim ersten Treffen zu spät komme.
Es sollte dir echt egal sein.
Meine Mutter würde mir den Hals umdrehen, wenn sie wüsste, dass ich das gerade gedacht habe. Ich muss mich dieses Mal wirklich zusammenreißen und das tun, was man von mir verlangt. Das Letzte, was ich will, ist, anderen zu gehorchen, aber wer bin ich schon, dass ich das entscheiden könnte. „Na dann", murmle ich mir selbst zu.
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𝑩𝒆𝒕𝒘𝒆𝒆𝒏 𝒚𝒐𝒖 𝒂𝒏𝒅 𝒎𝒆
Romans„𝑺𝒂𝒈 𝒎𝒊𝒓, 𝒘𝒊𝒆 𝒅𝒖 𝒅𝒊𝒄𝒉 𝒇ü𝒉𝒍𝒔𝒕", höre ich seine Stimme, leise und eindringlich. Ich suche nach einer Antwort, doch mir fehlen die Worte. Sein weiterer Stoß wird tiefer und ich stöhne ein weiteres Mal widerwillig. „Wenn du mir nicht...
