Asteria
Ich bin außer mir vor Zorn. Die Wut krallt sich in meiner Brust fest wie eine wildgewordene Bestie. Mit einem scharfen Ausatmen stoße ich die angestaute Luft durch meine Lippen, als könnte ich so all das Feuer in mir loswerden.
Damino Remington.
Schon der bloße Klang seines Namens macht mir rasend. Ich will ihm nie wieder begegnen. Nicht ein Blick. Kein einziges Wort. Nichts.
Unfassbar, dass er es wagt, hier aufzutauchen und dann auch noch einen meiner engsten Freunde brutal niederzuringen, ihm die Kehle zuzudrücken, als ginge es um Leben und Tod. Wie ein Wahnsinniger. Wie jemand, der nichts mehr zu verlieren hat. Wahrscheinlich hat er das auch nicht.
Zunächst hatte ich mich bewusst zurückgehalten, wollte die beiden den Konflikt allein austragen lassen. Es war ein kurzer Moment des dunklen Vergnügens, ich will es nicht leugnen. Als ich den Ausdruck der Hilflosigkeit und Verwirrung in Daminos Gesicht sah, kurz nachdem Kyrian ihn angegriffen hatte. Ich wollte es sehen. Ich wollte ihn leiden sehen. Ihn jammern sehen. Irgendetwas dass meine eigene Qual linderte. In diesem Sinne war ich selbstsüchtig.
Doch was danach geschah, ließ jedes Gefühl von Genugtuung in sich zusammenfallen. Die Situation entglitt ihrer Kontrolle und meiner ebenso. Ich konnte nicht länger bloß zusehen. Nicht, als Kyrian sich kaum zur Wehr setzte. Er hätte Damino locker in die Schranken weisen können. Er trägt so viel Kraft in sich. Kraft, die mich schon oft überrascht hat, weil ich sie ihm nicht ansah. Und doch tat er nichts.
Es war, als wolle er das Ganze über sich ergehen lassen. Als gefiele es ihm sogar. Und genau das ließ mich endgültig explodieren. Ich fühlte mich wie eine Figur in einem absurden Theaterstück, hilflos, wütend, missverstanden.
Ich mache einen Schritt auf Kyrian zu und stoße ihn mit der flachen Hand gegen die Schulter. Hart genug, damit er mich bemerkt.
Er dreht sich zu mir, langsam, beinahe träge, so als hätte ich ihn aus einem Traum gerissen. Aus einem Gespräch mit Daxton, das in diesem Moment keinerlei Bedeutung mehr für mich hatte.
„Du hättest ihm die Stirn bieten können! Stattdessen stehst du da und schwankst grinsend wie ein verdammter Idiot!", fahre ich ihn an. Meine Stimme war schärfer als beabsichtigt, aber ich kann sie nicht mehr zurücknehmen. Die Worte waren gefallen.
Er sieht mich kurz an, doch in seinem Blick liegt keine Reue. Kein Zorn. Nicht einmal Überraschung. Nur dieses dumpfe, stille Weiterfunktionieren. Er wendet sich wieder ab und spricht weiter mit Daxton, als wäre ich Luft.
Lilac spricht aufgeregt mit Jesslyn. Beide wirkten aufgewühlt. Ihre Stimmen überschneiden sich, hektisch, flüsternd, eindringlich. Immer wieder huschen ihre Blicke zu mir, aber ich schenke ihnen keine Beachtung. Es ist mir allerlei, was sie nun von mir denken. Ich hätte keine Minute länger zuschauen können.
Accio und Taylan stehen neben Kyrian, hören ihm zu und werfen sich kurze Blicke zu. Ich wusste genau, was sie sich denken. Sie verstehen mich nicht. Sie fragen sich, warum ich so außer mir war. Warum ich so laut, so impulsiv, so... anders war.
Ich schnaube, puste mir eine Haarsträhne aus dem Blick, die sich über mein Gesicht gelegt hatte wie ein Vorhang. Kyrian ignoriert mich weiterhin. Redete, lachte sogar kurz. Es reicht. Ich verdiene Antworten.
Erst bringt er sich in eine Lage, die mich zum Eingreifen zwingt, und jetzt behandelt er mich, als wäre ich ein unwichtiger Statist in seiner Geschichte. Ich bin nicht sein Schoßhund. Ich bin kein Spielball für seine Launen. Und ich bin verdammt noch mal nicht irgendwer.
Mit einem härteren Stoß gegen seinen Rücken unterbreche ich das Gespräch erneut. Ich will ihn konfrontieren, musste ihn konfrontieren, bevor ich erneut platze.
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𝑩𝒆𝒕𝒘𝒆𝒆𝒏 𝒚𝒐𝒖 𝒂𝒏𝒅 𝒎𝒆
Romance„𝑺𝒂𝒈 𝒎𝒊𝒓, 𝒘𝒊𝒆 𝒅𝒖 𝒅𝒊𝒄𝒉 𝒇ü𝒉𝒍𝒔𝒕", höre ich seine Stimme, leise und eindringlich. Ich suche nach einer Antwort, doch mir fehlen die Worte. Sein weiterer Stoß wird tiefer und ich stöhne ein weiteres Mal widerwillig. „Wenn du mir nicht...
