33. Narzissen und Tulpen

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Damino

Sie macht einige Schritte rückwärts, während ich mich aufrichte, und stolpert erneut über den Gartenschlauch. Doch sie fängt sich wieder. Sie wirkt überfordert und erschöpft. Eigentlich sollte ich nicht lachen, und diese Situation sollte mich nicht amüsieren. Trotzdem schmunzle ich leise, und stoppe erst, als sie mich ansieht.

„Lachst du mich aus?", fragt sie mit einem leicht gekränkten Ton und stemmt ihre Hände in die Hüften.

Ist das wirklich noch das gleiche Mädchen, das mich zu Beginn ein verschnöseltes Arschloch genannt hat? Es fühlt sich fast surreal an. Ich habe sie gerade zum Höhepunkt gebracht, und sie war es, die das Ganze ins Rollen brachte. Nichts davon ergibt wirklich Sinn für mich. Noch weniger Sinn macht es, dass mich der Ausdruck auf ihrem Gesicht, als sie ihren Höhepunkt hatte, irgendwie angezogen hat. Das ist mir noch nie passiert. Und auch die Tatsache, dass sie mich aufgefordert hat, mehrere Finger zu benutzen, ist völlig neu für mich.

Dann holt mich die Realität wieder ein, als ich sie ansehe. Sie entspricht nicht wirklich meinem Typ Frau. Viel zu groß, wahrscheinlich über 1,70 Meter, und ich mag offene, unkomplizierte Mädchen...alles, was sie nicht ist.

Das war ein Fehler.

Ich hätte sie nicht hierherbringen sollen. Mein Lächeln verschwindet. Es wird still. Es muss inzwischen nach Mitternacht sein.

„Kann ich die Nacht hier bleiben? Ich werde morgen früh Dax anrufen, damit er mich abholt", sagt sie und kommt mit vorsichtigen Schritten auf mich zu, als wolle sie meine Reaktion abwarten. Darf sie bleiben? Soll ich das wirklich zulassen? Ich könnte unten schlafen und sie oben, getrennt, keine Verpflichtungen. Wir haben Ferien.

Ich sehe ihr Gesicht an. Es wirkt angespannt, fast verzerrt, als hätte sie sich zu dieser Frage überwinden müssen. Wahrscheinlich, weil sie vorhin von ihrem Haus in mein Auto geflüchtet ist und nun nicht die Nacht dort verbringen möchte. Geräusche von Schritten lenken meine Aufmerksamkeit auf sie. Sie verlässt das Gewächshaus und sieht so aus, als wolle sie wieder gehen. Ich greife nach dem Burger, der noch auf der Bank lag, und gehe ihr nach.

„Wohin gehst du?"

Ich hole sie ein und stelle mich vor sie.

„Vergiss es, ich laufe einfach zu Dax", sagt sie, ohne mich anzusehen.

„Ich lasse dich nicht mitten in der Nacht irgendwo hinlaufen. Vor allem nicht, wenn ich derjenige war, der dich hierher gebracht hat."

Ihr Blick fällt auf meine Hand und dann auf mich, ein verschmitztes Grinsen breitet sich auf ihrem Gesicht aus.

„Machst du dir etwa Sorgen?"

„Nein. Aber ich weiß, dass Frauen nicht alleine durch die Nacht laufen sollten, so traurig das auch klingt", erkläre ich. Das ist einfach Anstand. Jeder sollte so handeln. Vielleicht bin ich ein Arsch, aber nicht in diesem Fall. Das ist das Mindeste, was wir Männern den Frauen schuldig sind.

„Wir werden nicht im selben Raum schlafen", sagt sie dann, ihre Arme vor der Brust verschränkt.

„Angst, dass ich dich noch ein weiteres Mal zum Kommen bringe?", frage ich direkt. Ich hatte sowieso nicht vor, es zu tun, aber es gefällt mir, dass sie denkt, sie könne alles kontrollieren.

Ihr Gesicht wird ernster, sie lässt ihre Arme sinken. „Sag das noch einmal, und ich mache dir das Leben zur Hölle", warnt sie mich. Ich gehe an ihr vorbei, drehe mich aber nicht zu ihr um. „Tust du schon längst. Komm, ich zeig dir die Hütte und wo du schlafen kannst."

Sie folgt mir und macht die Tür hinter sich zu, als wir in der Hütte ankommen.

„Hübsch", kommentiert sie die Einrichtung, während wir eine kleine Wendeltreppe hinaufgehen. Ich öffne eine Tür links im Flur. „Im Regal liegen die Bettsachen, bedien dich", sage ich. Sie schaut an sich herunter und zupft an ihrem Rock.

𝑩𝒆𝒕𝒘𝒆𝒆𝒏 𝒚𝒐𝒖 𝒂𝒏𝒅 𝒎𝒆Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt