Asteria
Meine Finger trommeln unruhig über die raue Oberfläche meines Skateboards, während ich mit der anderen Hand versuche, eine lockere Schraube an einer der Rollen festzuziehen. Sie fällt mir immer wieder heraus, doch jedes Mal erwische ich sie, bevor sie über den Boden kullern kann.
Ein bitterer Ausdruck huscht über mein Gesicht, als mir wieder einfällt, wer meinen Platz bei der Box-AG übernommen hat. Dieser verdammte reiche Schnösel. Der Typ kann von Glück reden, dass Dax dazwischengegangen ist, bevor ich ihm eine verpassen konnte. Danach hätte er sich ganz sicher nicht mehr in diesem Ton mit mir unterhalten. Nur weil er das Söhnchen reicher Eltern ist, glaubt er, er könne sich hier aufführen wie der König vom Internat. Nicht in meiner Nähe. Nicht mit mir.
„Jetzt beruhig dich mal, er war gar nicht so schlimm", sagt Taylan und deutet auf meine linke Hand, die wie von selbst weitertickt. Eein untrügliches Zeichen, dass mir etwas querliegt. Ich verziehe das Gesicht, presse die Lippen zusammen und stoße ein tonloses Geräusch aus. Dann lege ich mein Board neben mich und streiche meine wirr fallenden Haare zur Seite.
„Halt die Klappe", knurre ich, laut genug, damit er weiß, dass ich wegen ihm kein weiteres Wort hören will. Taylan grinst schief, öffnet den Mund für einen weiteren Versuch, doch er kommt nicht weit.
„Lass es lieber", warnt Daxton ruhig. Er sitzt auf der gegenüberliegenden Seite der Halfpipe, mit ein paar Metern Abstand zwischen uns.
Obwohl ich Dax erst seit einem Jahr kenne, weiß er mehr über mich als alle anderen. Manchmal fühlt es sich an, als hätten wir ein halbes Leben zusammen verbracht. Er war da, als niemand sonst auch nur einen Blick für mich übrig hatte. Hat mich aufgefangen, als ich gefallen bin, und mich gehalten, obwohl ich ihm keinen Grund gegeben habe, mir zu vertrauen. Dax kennt mich. Wirklich. Und ich vertraue ihm, soweit ich überhaupt jemandem vertrauen kann. Er ist wie der große Bruder, den ich nie hatte.
Das Klackern von Schuhen hallt durch die offene Halle, gefolgt von lautem Gelächter. Das muss Jesslyn sein. Wie immer redet sie ununterbrochen, meist auf Kyrian ein, der neben ihr her trottet, mit diesem erschöpften Gesichtsausdruck, der mich fast zum Lächeln bringen könnte.
„Ihr glaubt nicht, was mir heute passiert ist!", ruft Jesslyn aufgeregt, während Kyrian sich auf eine Metallstange setzt und ein kleines Päckchen aus seiner Jackentasche zieht. „Damino?" fragt Lilac, die sich entspannt gegen eine kleinere Halfpipe-Wand lehnt. Sie flechtet ihre blaugefärbten Haare zu einem Zopf.
Allein bei dem Namen schießt mir die Wut wieder in den Kopf. Ich könnte schreien. Stattdessen presse ich die Zähne zusammen.
„Ja! Er hat sogar mit mir gesprochen!", schwärmt Jesslyn weiter, als wäre sie gerade von einem verdammten Popstar angesprochen worden. Ich blicke zu Daxton. Sein Blick trifft meinen, wir wissen beide, was der andere denkt. Sie redet unaufhörlich über ihn, bis Dax sie mit einem knappen Tonfall unterbricht.
„Er geht in unsere Klasse, Jess."
Jesslyn reißt erschrocken die Augen auf, als hätte sie gerade eine verbotene Grenze übertreten. Ohne zu zögern kommt sie zu mir und lässt sich direkt neben mich fallen. Ich bete stumm, dass sie das Thema endlich aufgibt.
Ein höhnisches „Haha" ertönt von dem Brillenträger, der sich gerade einen weiteren Zug von seinem Joint gönnt. Ich sehe kurz zu ihm hinüber. Vielleicht sollte ich mal wieder bei Zania vorbeischauen und mir was holen. Einfach nur, um mich zu beruhigen und diesem ganzen Mist für einen Moment zu entkommen.
Verwirrt wandert Jesslyns Blick zu dem Typen gegenüber von mir, der gerade nach seinem Skateboard greift.
„Er hatte sich verspätet", erklärt er knapp, woraufhin sie nur einen seltsamen Laut von sich gibt. Ich strecke ebenfalls die Hand nach meinem Board aus und richte mich auf.
„Okay, das heißt also, ihr kennt euch bereits und es stört euch nicht, dass ich ihn eingeladen habe?" Ihre Stimme klingt betont unschuldig, fast vorsichtig. In diesem Moment meine ich das Klirren einer Schraube zu hören, die irgendwo die Pipe hinunterkullert.
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𝑩𝒆𝒕𝒘𝒆𝒆𝒏 𝒚𝒐𝒖 𝒂𝒏𝒅 𝒎𝒆
Romance„𝑺𝒂𝒈 𝒎𝒊𝒓, 𝒘𝒊𝒆 𝒅𝒖 𝒅𝒊𝒄𝒉 𝒇ü𝒉𝒍𝒔𝒕", höre ich seine Stimme, leise und eindringlich. Ich suche nach einer Antwort, doch mir fehlen die Worte. Sein weiterer Stoß wird tiefer und ich stöhne ein weiteres Mal widerwillig. „Wenn du mir nicht...
