Asteria
„Ich hoffe für dich, dass du nicht vorhast, mich zu verschleppen", sage ich, als er seinen Wagen in der Nähe eines Waldes parkt.
Es ist dunkel draußen und keine Menschenseele ist weit und breit zu sehen. Ich habe also, im wahrsten Sinne des Wortes, keinen Plan, wo wir sind. Und Hunger habe ich auch. Und ich weiß immer noch nicht, wo ich schlafen soll. Mein Leben läuft also super.
„Ich bin eigen, aber nicht so."
Hat er gerade zugegeben, dass er komisch ist? Ich muss mir ein Lächeln verkneifen.
Ich kann noch nicht abschätzen, ob es eine gute Idee war, mich auf das hier einzulassen. Konnte ich überhaupt rational denken, als ich in dieses Auto gestiegen bin? Nein. Habe ich diesen Typen bis vor einer Woche fast zu Brei geschlagen und soll ihm jetzt Nachhilfe geben? Ja.
Er schaltet den Motor ab und steigt aus. Ich tue es ihm gleich. Er macht die Taschenlampe seines Handys an.
„Komm, ich zeig dir was."
Ich bleibe stehen.
„Hmm, will ich sehen, was du mir zeigen möchtest?", frage ich etwas stutzig.
Ich höre ihn seufzen. Dann dreht er sich zu mir um.
„Asteria, sei nicht so misstrauisch."
Ich nicke nur kurz und folge ihm dann. Zur Not renne ich weg, auch wenn ich nicht weiß, wohin. Nach ein paar Minuten erreichen wir einen Kiesweg, der zu einer kleinen Hütte führt. Wenn ich richtig sehe, steht daneben ein Gewächshaus aus Glas. Es wirkt ziemlich mitgenommen, als hätte man es über die Jahre sich selbst überlassen. Obwohl es hier ziemlich abgelegen ist, gehen an den Seiten der Hütte Lichter an. Eigentlich ganz schön. Aber was machen wir hier? Gehört die Hütte ihm?
Egal. Ich greife mir meinen Cheeseburger und reiche ihm auch einen. Kommentarlos beiße ich hinein.
„Du hattest echt Hunger, was?", fragt er.
„Mh-ja", bringe ich mit vollem Mund hervor. Alkohol macht mich immer etwas hungrig, so dass ich einen ganzen Kühlschrank plündern könnte.
„Hier bin ich oft, wenn ich Ferien habe oder Zeit für mich brauche. Die Hütte gehörte mal meiner Mutter." Er deutet zur Hütte und sieht dann zu mir. Mein vorderen Haarsträhnen kleben mir noch im Gesicht und meine Armel sind mit Regen aufgesogen. „Sie hat sie mir überlassen, nachdem sie ins Homeoffice gewechselt ist und keine Zeit mehr dafür hatte."
Ich versuche mir vorzustellen, wie seine Mutter wohl ist. Ob sie ihm ähnlich sieht. Ob sie auch so eine dunkle, makellose Haut hat. Ob er ihre braunen Augen geerbt hat. Das Gras ist noch etwas feucht vom Regen, aber es riecht so angenehm frisch, dass ich mich am liebsten einfach in die Wiese legen würde. Ich bin sowieso schon etwas nass.
Ich steuere das Gewächshaus an. Ich will sehen, was dort alles wächst. Vielleicht gibt es dort Gurken oder Tomatensträucher.
„Das hatte ich mir noch vorgenommen. Es braucht eine gründliche Reinigung", erklärt er, als ich das Innere betrete. An den Seiten wachsen Kletterrosen die Glaswände empor, und ich entdecke einen Tomatenstrauch. Am Ende des Gewächshauses steht eine kleine Bank, die ebenfalls eine neue Lackierung vertragen könnte. Und doch wirkt das hier viel einladender als die frisch renovierte Hütte. Es hat etwas Heimisches, Unperfektes. Ich pflücke eine Tomate, die nicht von Schnecken angefressen wurde und lasse mich auf der Bank nieder.
Das Gewächshaus hat keinen Stromanschluss, wird aber ausreichend von den Lampen der Hütte erhellt. Ich sehe genau, wie Damino mich ansieht, als ich die Tomate an meinem Oberteil abwische und hineinbeiße. Sie schmeckt so süß, das ich wohlig aufseufze.
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𝑩𝒆𝒕𝒘𝒆𝒆𝒏 𝒚𝒐𝒖 𝒂𝒏𝒅 𝒎𝒆
Romance„𝑺𝒂𝒈 𝒎𝒊𝒓, 𝒘𝒊𝒆 𝒅𝒖 𝒅𝒊𝒄𝒉 𝒇ü𝒉𝒍𝒔𝒕", höre ich seine Stimme, leise und eindringlich. Ich suche nach einer Antwort, doch mir fehlen die Worte. Sein weiterer Stoß wird tiefer und ich stöhne ein weiteres Mal widerwillig. „Wenn du mir nicht...
