Damino
„Ihr Biologie-Test ist besser als erwartet ausgefallen", kommentiert Mr. Ryland meine beschriebenen Blätter. Ich sehe ihm kühl entgegen. Mir hatten zwei Punkte bis zur Eins gefehlt.
Das ist akzeptabel. Mir macht eher der bevorstehende Psychologie-Test in einer Woche mehr Sorgen. Ich sehe zur Seite und beobachte, wie einige Schüler einander ihre Noten preisgeben und manche diese zu verstecken versuchen, möglicherweise weil ihre Erwartungen nicht erfüllt wurden.
„Sie haben hier einen Punkt vergessen, die Antwort ist richtig", höre ich das schwarzhaarige Mädchen sagen und wende meinen Blick von ihr ab, da ich zuvor ihre plumpen Klamotten begutachtet habe. „Das stimmt, Miss Amnick, doch Ihre Antwort war nicht vervollständigt, weshalb der eine Punkt abgezogen wurde", sagt der alte Lehrer, und plötzlich würde es mich interessieren, welches Ergebnis sie bekommen hat. Wieder sehe ich in ihre Richtung.
Aus meinem Blickwinkel bemerke ich, wie sie wütend ihr zerstreutes Pony zur Seite pustet und dann den Test energisch in ihren Rucksack packt. „Wer weitere Fragen bezüglich der Testergebnisse hat, kann gerne zu mir nach vorne kommen und diese stellen", sagt er und richtet seine runde Brille näher an seiner Nasenwand.
Ein paar Schüler gehen nach vorne, und das Klassenzimmer füllt sich mit anderen Gesprächen, da die Aufmerksamkeit nicht mehr auf ihnen liegt. Ich packe mein Handy aus und entdecke neue Nachrichten. Mein Bruder hatte mir geschrieben.
Emilio: Entschuldige, dass ich am Wochenende nicht da war, ich war bei Hanna und habe mein Handy verlegt, weshalb ich deine Anrufe erst jetzt gesehen habe. Beim nächsten Mal verspreche ich dir, da zu sein. Ich hoffe, dir geht es gut :)
Ich schaue auf die Buchstaben und verziehe eine Miene. Dann stecke ich das Handy wieder weg. Er hatte mich am Wochenende alleine mit meiner Mutter und meinem Vater gelassen, obwohl er wusste, wie wichtig es mir ist, dass er mich nicht alleine mit ihnen lässt, weil ich mich nicht zu verhalten weiß und er mir meist aus der Patsche hilft. Ich schaffe es jedes Mal aufs Neue, meine Eltern entweder enttäuscht oder verärgert zurückzulassen. So auch dieses Wochenende. Und jetzt kommt er mit solchen Nachrichten? Unfassbar.
Plötzlich werde ich von einer Schülerin mit Papierkügelchen abgeworfen. Sie streckt sich zu mir vor und deutet mir an, eines dieser zerknüllten Papiere zu öffnen.
Nur aus Neugier ergreife ich eines und entfalten es rasch. Ich hebe eine Braue. Die Schülerin sieht mir gespannt zu. Ich schüttle bloß den Kopf und werfe ihr den Knüller wieder zurück. Sie hatte nach meiner Nummer gefragt.
Sie schmollt, doch ich gebe ihr keine weitere Beachtung.
Nach einer Weile ist Pause und der Lehrer wünscht uns noch einen schönen Tag.
Auf dem Weg zu meinem Spind werde ich durch eine Hand gestoppt, die auf meine Schulter tippt. Zögernd drehe ich mich um. Jesslyn steht vor mir. Ich seufze leise und mache Anstalten weiterzugehen, doch sie folgt mir.
„Was willst du?", raune ich, da ich sie satt habe. Es ist laut und die Flure sind voll. Sie soll mir nicht auch noch auf die Nerven gehen.
„Ich wollte fragen, ob du heute Lust hast, mit mir in der Cafeteria essen zu gehen. Es gibt heute Hamburger mit Pommes und Salat."
Ich seufze nochmal tief und halte an, kurz bevor ich zu reden beginne. Sie wartet geduldig auf meine Antwort und verschränkt ihre Finger ineinander. „Okay, hör gut zu, denn das sage ich jetzt nur einmal und auch das letzte Mal. Ich möchte nichts von dir, also lass mich endlich in Ruhe und lauf mir nicht die ganze Zeit hinterher, wie ein verlorener Hund", sage ich zwar harsch, aber bittend.
Bevor ich an ihrer Reaktion ablesen kann, ob sie mein Gesagtes verstanden hat, mache ich Kehrt und gehe weiter zu meinem Spind.
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𝑩𝒆𝒕𝒘𝒆𝒆𝒏 𝒚𝒐𝒖 𝒂𝒏𝒅 𝒎𝒆
Romance„𝑺𝒂𝒈 𝒎𝒊𝒓, 𝒘𝒊𝒆 𝒅𝒖 𝒅𝒊𝒄𝒉 𝒇ü𝒉𝒍𝒔𝒕", höre ich seine Stimme, leise und eindringlich. Ich suche nach einer Antwort, doch mir fehlen die Worte. Sein weiterer Stoß wird tiefer und ich stöhne ein weiteres Mal widerwillig. „Wenn du mir nicht...
