Damino
„Was tust du da?"
Ihre Stimme ist scharf, voller Unmut, während ich sie wortlos den Flur entlangziehe. Ich reagiere nicht auf die Frage. Mein Ziel ist die schmale Nische am Ende des Gangs, eine stille Ecke, ausgestattet mit nichts als einer alten Holzbank, halb im Schatten. Links von uns schmückt ein altes Gemälde die Tapeten.
„Sei still", unterbreche ich sie schneidend. Ich bemühe mich, die Blicke der wenigen Umstehenden zu ignorieren. Ihre Gesichter verschwimmen zu einer einzigen, verurteilenden Masse. Was starrt ihr so?, denke ich, aber ich schlucke die Worte herunter. Dafür ist jetzt keine Zeit.
Ein kurzer Seitenblick trifft ihr Gesicht. Entschlossen zerrt sie an meinem Arm, ihre schmalen Finger klammern sich fest an mein Handgelenk, doch ich lasse nicht los. Ihre wütenden Worte prallen wie kalter Regen an mir ab.
„Ich denke gar nicht daran, d—"
Ich unterbreche sie erneut, diesmal indem ich meine Hand über ihren Mund lege. Ihre Augen lodern vor Empörung. Sie drückt ihre freie Hand mit Nachdruck gegen meine Brust, zwingt uns auseinander, schafft Raum zwischen uns. Endlich löst sie sich aus meinem Griff, steht nun einige Schritte entfernt.
Ich lasse meinen Blick flüchtig durch den Flur gleiten, leer, bevor ich mich wieder ihr zuwende.
„Was soll das?", zischt sie. Sie hat die Arme verschränkt, und Stimme hebend. Ihre Haltung schreit Trotz, aber sie bleibt leise. Kein Geschrei. Zu leise. Die Art von Ruhe, die einen Sturm ankündigt und ich erkenne ihn bereits in ihren Augen.
Ich atme einmal tief ein, lasse die Luft langsam entweichen, während meine Hand in die Vordertasche meines Pullovers gleitet. Mein Blick bleibt auf ihr, während meine Finger den kleinen, harten Gegenstand ertasten. Ich ziehe ihn langsam heraus.
Ihre Augen weiten sich im selben Moment.
„Der gehört doch dir, oder nicht?" Meine Stimme bleibt kühl, fast beiläufig, als ich ihr den Schlüssel präsentiere. Ich müsste die Frage gar nicht stellen, die Antwort steht ihr bereits ins Gesicht geschrieben. Sie funkelt mich mit so viel Hass an, ich könnte darin baden.
Bevor ich auch nur blinzeln kann, stürzt sie sich auf mich. Ihre Bewegung ist schnell, zielstrebig, beinahe instinktiv. Ich reiße den Arm mit dem Schlüssel hoch, halte ihn knapp außer Reichweite. Sie springt, greift nach meinem Handgelenk, lässt nicht locker. Hartnäckig, das muss man ihr lassen. Für einen flüchtigen Moment zuckt ein Hauch Belustigung über meine Lippen.
„Gib ihn zurück", ruft sie, ihre Stimme schneidet wie ein Messer die Atmosphäre.
Dann trifft ihre Faust meine Brust. Der Schlag ist kräftig, aber nicht genug, um mich zu erschüttern. Ich bleibe ruhig, unbewegt. Sie muss härter zuschlagen, wenn sie mich von sich schubsen möchte.
„Hast du ihn gestohlen? Oder jemanden beauftragt, ihn mir zu entwenden?", fragt sie nach. Ihre Augen funkeln vor Wut. Sie stößt mich erneut, dieses Mal mit mehr Kraft, nur um sich gleich wieder an mir festzukrallen und nachzulegen.
Ich schnalze mit der Zunge, leise, und betrachte sie. Ich? Stehlen? Oder jemanden beauftragen? Für einen Moment frage ich mich, für wen sie mich eigentlich hält. Bin ich in ihren Augen die verdammte FBI? Es klingt demnach.
Und doch, ich muss ihr eines lassen, sie gibt nicht auf. Keine Spur von Angst, kein Zögern. Nähe schreckt sie nicht ab. Im Gegenteil, sie kennt keine Hemmung.
Langsam und fast unmerklich, gehe ich einen Schritt auf sie zu. Meine Haltung verändert sich, wird härter, bestimmter. Ihre Schultern straffen sich, sie weicht leicht zurück, aber sie bleibt standhaft. Die Wand hinter ihr, gibt mir den Anlass dazu, sie weiter zu drängen. So lange bis sie keinen Ausweg mehr hat und sich mir stellen muss.
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𝑩𝒆𝒕𝒘𝒆𝒆𝒏 𝒚𝒐𝒖 𝒂𝒏𝒅 𝒎𝒆
Romantik„𝑺𝒂𝒈 𝒎𝒊𝒓, 𝒘𝒊𝒆 𝒅𝒖 𝒅𝒊𝒄𝒉 𝒇ü𝒉𝒍𝒔𝒕", höre ich seine Stimme, leise und eindringlich. Ich suche nach einer Antwort, doch mir fehlen die Worte. Sein weiterer Stoß wird tiefer und ich stöhne ein weiteres Mal widerwillig. „Wenn du mir nicht...
