Damino
„Verzeihen Sie die Verspätung, Miss Petch", sage ich und überreiche die Unterlagen. Die korpulente Frau nimmt den dünnen Umschlag entgegen und schüttelt lächelnd den Kopf.
„Das macht doch nichts. Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie für Ihren Vater eingesprungen sind. Er hat doch eine Pressekonferenz, richtig?"
Ich sehe mich im großen, gläsernen Haus um und nicke.
„Tatsächlich, ja. Er hat mich kurzfristig geschickt, weshalb ich mich etwas verspätet habe. Soll ich ihm etwas von Ihnen ausrichten?", frage ich und richte meinen Kragen. Ich kann diese lästigen Anzüge nicht ausstehen. Sie fühlen sich an wie eine zweite Haut. Wie eine Sardinenbüchse. Absolut scheußlich.
„Nein, ich werde ihm einfach eine E-Mail schicken, aber sehr lieb von Ihnen, Mr. Remington", sagt sie und schenkt sich ein weiteres Glas Wein ein.
Wir stehen im Wohnzimmer und es ist ziemlich still hier. Ob sie wohl allein lebt? Ich kenne die Geschäftsleute meines Vaters kaum. Normalerweise übernimmt er solche Besuche selbst. Aber heute bin ich für ihn eingesprungen, weshalb ich es auch so eilig hatte. Tatsächlich wollte ich jedoch nicht aus beruflichen Gründen Thomas aus dem Auto werfen. Sondern weil mich der Gedanke gestört hatte, dass Asteria in meinem Auto war, ohne mich. Dieser Gedanke hatte mich so schnell eingeholt, dass ich, kaum im Auto, meine Entscheidung beinahe bereut hätte.
Doch als ich dann ihr vor Nervosität zusammengezogenes Gesicht sah, musste ich beinahe lachen. Sie war sogar so nervös, dass sie das Atmen vergaß. Ihren Gesichtsausdruck hätte ich am liebsten eingerahmt. Ich war amüsiert.
Als Miss Petch mich zum Ausgang begleitet, fällt mir eine Jacke auf, die ich selbst in hundert Jahren wiedererkennen würde. Ich halte inne und bleibe mitten in der Bewegung stehen. Mit Edding wurde auf die teure Jacke ein großer Stinkefinger gemalt. Ich unterdrücke den Impuls, seinen Namen auszusprechen, obwohl ich es am liebsten tun würde.
In mir steigt eine plötzliche Euphorie auf, die mich überrascht. Ich hätte nie gedacht, dass ich möglicherweise im Haus von Jack gelandet bin. Aus purem Zufall. Und dass mich das so sehr erfreuen würde.
„Entschuldigen Sie, aber dürfte ich noch Ihre Toilette benutzen?", frage ich so höflich, wie es mir möglich ist. Überrascht hebt sie eine Braue, doch dann lächelt sie mich an.
„Gerne doch. Es gibt eine auf dieser Etage und zwei oben. Suchen Sie sich eine aus. Ich werde kurz nach meinem Kuchen sehen, der noch im Backofen ist, ja?" Sie lässt mich im erhellten Flur zurück.
Sofort nehme ich eiligen Schrittes die Wendeltreppe nach oben und bleibe abrupt stehen, als ein halb angezogenes Mädchen in mich hineinrennt. Sie sieht erschrocken von ihrem Sneaker auf, den sie gerade angezogen hat, und mich dabei wohl übersehen hat. In der rechten Hand hält sie ihre Lederjacke und einen Pullover. Ihr Gesicht kommt mir bekannt vor, sie war eine der Cheerleaderinnen, die mich zum jährlichen Basketballspiel eingeladen hatten.
„Verzeihung", sagt sie hastig, bevor ich etwas erwidern kann, und drängt sich an mir vorbei. Ich lasse sie gewähren und schüttle nur den Kopf, als ich sehe, wie sie förmlich aus dem Haus flüchtet. Wie merkwürdig. Vielleicht seine Freundin? Nein, unmöglich, sonst hätte sie es nicht so eilig. Vielleicht ein One-Night-Stand. Das würde eher zu ihm passen. Obwohl ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass irgendjemand freiwillig mit ihm ins Bett steigt.
Ich sehe mich um und bemerke zahlreiche Vasen aus Glas, die durch die Lichtreflexe den Flur in bunte Farben tauchen. Vielleicht war sie auch nur wegen seines Reichtums hier. Hier scheint fast alles aus Glas zu sein. Ich fühle mich wie in einem riesigen Goldfischglas.
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𝑩𝒆𝒕𝒘𝒆𝒆𝒏 𝒚𝒐𝒖 𝒂𝒏𝒅 𝒎𝒆
Romance„𝑺𝒂𝒈 𝒎𝒊𝒓, 𝒘𝒊𝒆 𝒅𝒖 𝒅𝒊𝒄𝒉 𝒇ü𝒉𝒍𝒔𝒕", höre ich seine Stimme, leise und eindringlich. Ich suche nach einer Antwort, doch mir fehlen die Worte. Sein weiterer Stoß wird tiefer und ich stöhne ein weiteres Mal widerwillig. „Wenn du mir nicht...
