6. Kapitel

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Seine Hände zitterten. Ebenso wie sein Herz, das immer schneller schlug. Rasch verstaute er das Buch im Rucksack.
"Aufgeregt?", Danny war bereits dabei, sich seinen Rucksack auf zu schultern.
Toby versteckte seine Hände hinter dem Rücken. Den blauen Augen dieses Jungen entging aber auch nichts:"Nee, ich kann es kaum erwarten los zu gehen", ihm war bewusst, dass sein Lächeln ganz schön schief aussehen musste.
"Na dann", Danny warf ihm seine Jacke zu und lief aus der Küche, vor zur Tür.
Toby zog die Jacke an. Er schluckte. Als er gerade seinen Rucksack schließen wollte, fiel ihm etwas wichtiges ein das er vergessen hatte. Er trat in den Flur und nahm eins der Bilder, die dort auf einer Kommode standen, aus seinem Rahmen. Dann steckte er es schnell in seine Tasche.
Als er zu Danny trat, stand der schon erwartungsvoll neben der Tür.
"Bereit?", seine Hand lag bereits auf der Türklinke.
"Schon, aber es sieht nach Regen aus. Meinst du nicht, es wäre besser noch zu...?"
Doch Danny öffnete bereits die Tür.

Es war ein stürmischer Tag den sie sich ausgesucht hatten. Der Wind pfiff Ihnen um die Ohren und leichter Regen benässte ihre Kleidung. Toby hatte teilweise Angst, dass Danny, der vor ihm lief, von einem starken Windstoß die Klippe runter geblasen werden könnte, die rechts von ihnen lag. Das Tal war von einem nebligen Schleier verhüllt. Toby biss die Zähne zusammen. Wie gerne er doch umgekehrt wäre. Gewissensbisse plagten ihn. Seine Mutter schlief wahrscheinlich noch, denn sie waren früh aufgebrochen. Die Sonne war noch nicht mal richtig aufgegangen.
Doch er folgte weiter dem Trampelpfad, der sie verlässlich an ihr Ziel führte. Ein Fels, der, bevor Danny und er ihn zur Seite geschoben hatten, den Eingang zu einem tiefen Loch verdeckte. Jeden Tag waren sie hergekommen um, in mühsamer Arbeit, den Weg zum Loch freizubekommen. Dabei hatten sie sich nicht mal sicher sein können, ob das Loch wirklich existierte. Alle ihre Informationen, basierten auf einer Geschichte aus einem Märchenbuch. Toby hatte sich daran erinnert, als die Frage aufkam, wie sie von der Klippe hinunter ins Tal kommen sollten. Die Option zu fliegen kam nicht infrage, weil Toby darüber keinerlei Kontrolle besaß. Er konnte sich ja noch nicht mal verwandeln, wenn er das wollte. Doch in dem Buch, aus dem ihm seine Mutter, als er noch klein war, immer vorgelesen hatte, gab es eine Geschichte über einen Tunnel, hinunter ins Tal. Es war die einzige Geschichte, die ihm seine Mutter nie vorgelesen hatte. Erst als er selber lesen konnte, fand er Gefallen daran. Jedoch war das Buch eines Tages verschwunden. Heute wusste Toby, dass seine Mutter es versteckt hatte.
Doch Toby hatte sich nicht deswegen daran erinnert, Sondern aufgrund des geschriebenen, dass über dem Titel der Geschichte stand: 500Fuß, unter Apfelfels.
In einer Handschrift die ihm bekannt vorkam. Der Handschrift seines Vaters.
Seine Angaben waren richtig gewesen. Der Fels besaß wirklich die Form eines Apfels. Das Loch allerdings war nur wenig vertrauenserweckend. Nichts als Dunkelheit die einen Empfing.
"Ich gehe als erster", meinte Danny.
Toby wusste, dass er als älterer vorgehen sollte. Doch er brachte es nicht übers Herz etwas zu sagen. Seine Kehle fühlte sich trocken an.
Danny stellte sich vor das Loch. Er schien entschlossen zu springen.
"Warte", krächzte Toby;" Spring nicht, das ist doch Wahnsinn. Wir haben doch keine Ahnung, ob der Tunnel wirklich irgendwohin führt."
Danny drehte sich zu ihm und sah ihn lächelnd an:" Wahrscheinlich ist es das, aber ich werde trotzdem springen."
"Nein Danny, ich mein es ernst. Lass uns besser umkehren", der Wind trug seine Worte weit davon.
"Umkehren?", Dannys Augen bekamen einen belustigten und gleichzeitig traurigen Ausdruck;" Nein, Toby. Das kann ich nicht"
 Toby seufzte:"Du machst mich fertig, Danny. Geh zur Seite."
Dann nahm er Anlauf und sprang, bevor er es sich anders überlegen konnte.

Der Geschichte nach, war der Tunnel von Zwergen erbaut worden. Im Auftrag der Zauberer, die sich einen schnelleren Weg
für die Bauern, ins Tal wünschten. Der Tunnel funktionierte wie eine Rutsche. Ein schnelles und dazu noch amüsantes Vergnügen. Jedoch zwangen die hochnäsigen Zauberer, die Zwerge zu harter Arbeit, ohne ihnen dies gebührend zu bezahlen. Deshalb sperrten die Zwerge den Tunnel für alle anderen und drohten, jeden niederzumetzeln, der ihr Reich durch ihn betreten sollte. So geriet der Tunnel in Vergessenheit.
Für Toby, war der Anfang alles andere als ein Vergnügen. Dunkelheit umgab ihn. Er hatte das Gefühl, in rasendem Tempo zu fallen. Irgendwann, würde er auf dem Boden zerschellen. Er krallte seine Hände an seiner Jacke fest. Doch nichts passierte. Er fiel auch gar nicht wirklich, sondern sauste in berauschendem Tempo durch Kurven, Abzweigungen und Loopings. Ab und zu, wurde das Gestein des Tunnels für einen Moment durch Glas ersetzt. Einmal konnte Toby dadurch staunend in eine prächtige Halle blicken, in deren Mitte ein mächtiger Rosenquarz stand. Irgendwann fing seine Anspannung an, sich zu lösen. Er genoss die Fahrt sogar ein bisschen. Bis er schließlich langsamer wurde. Ein Licht empfing ihn und er plumpste wohlbehalten, auf die Wiese außerhalb der Klippe.
Er atmete erst mal tief durch und blieb für einen Moment sitzen, bevor er sich erhob. Sein Beine fühlten sich zittrig an. Trotzdem blühte in ihm ein unbekanntes Gefühl auf. Er konnte es nicht definieren. War es Freude, das ganze heil überstanden zu haben? Oder Stolz, den Mut gehabt zu haben zu springen? Vielleicht eher Angst, vor allem Neuen das sich vor ihm auftat? Sehr Wahrscheinlich war es eine Mischung aus allen drei, dachte er sich.
Früher, wenn er von Zuhause fortgelaufen war, hatte er dieses Gefühl nie verspürt. Er war dabei nie er selber gewesen. Seine unmenschliche Gestalt hatte von ihm Besitz ergriffen. Doch nun, war er ganz aus eigenem Antrieb, so weit gekommen.
Die Aufgehende Sonne strahlte ihm ins Gesicht. Toby blinzelte. Ihm war als würde Sie ihn im Leben begrüßen.

Bloody Legend - ColdbloodGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt