22. Kapitel

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Toby starrte wutentbrannt aus dem Fenster. Danny und Alan standen schon seit einer Ewigkeit draussen und redeten. Die Tatsache, dass er nicht wusste worum es ging, machte ihn rasend.
Seit einiger Zeit schien sich etwas verändert zu haben. Als Toby heute auf der Galerie gewesen war, hatte ihn fast der Schlag getroffen. Die Tür die sonst immer fest verschlossen gewesen war, stand nun sperrangelweit offen.
Er wurde das Gefühl nicht los, dass die beiden etwas planten. Toby gefiel das überhaupt nicht. Er spürte immer mehr wie er die Kontrolle verlor. Ausser sich kickte er mit dem Fuss in einen Stapel Bücher, nichts als Lügen.
Er hatte das Gefühl zu platzen, das Zimmer engte ihn immer mehr ein.
Ohne nachzudenken stieg er aufs Fensterbrett. Sein Arm war zwar immer noch etwas steif, aber das störte ihn keineswegs. Gierig sog er die frische Luft ein. Als es in seinem Zimmer mit jedem Tag immer wärmer geworden war, hatte er genervt den Vorhang aufgerissen und war komplett überrascht worden. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte sich der Himmel endlos und tiefblau vor ihm erstreckt.
Die Sonne strahlte ihn nun Sonne unvoreingenommen an. Ihre Wärme hüllte ihn ein und rang ihm ein Lächeln ab. Obwohl er unter Höhenangst litt, machte sie ihm in diesem Moment nichts aus.
Sein Körper wurde erfüllt von tiefer Zufriedenheit, als er sich schliesslich fallen liess.

Der Aufprall holte ihn zurück. Er versank beinahe im hohen Gras. Lachend richtete er sich auf. Die paar Grasflecken scherten ihn nicht.
"Warum hast du das getan?", Danny krabbelt neben ihm aus dem Gras hervor.
" Ich musste es tun, du wärst doch niemals freiwillig mitgekommen", er grinste, stolz auf sein Leistung.
" Es war keine gute Idee mich mitzunehmen", Traurigkeit sprach aus Dannys Stimme.
Toby verdrehte die Augen:" Sei froh, dass ich dich vor diesem Alan gerettet habe. Hier sind wir sicher."
Ohne eine Antwort abzuwarten, lief Toby auf die kleine Blockhütte am Rande der Klippe zu.
Er war überglücklich wieder Zuhause zu sein.
Als er Danny dort unten auf der Strasse hatte stehen sehen, war dies seine Chance gewesen. Er hatte sich von seiner Gestalt einnehmen lassen und Danny und sich nach Hause gebracht.
Übermütig ging er auf ihr Haus zu und klopfte an die Tür.
Als sie ihm öffnete war er geschockt, um wie viele Jahre sie gealtert war. Ihre Augen waren verheult und in ihre Haut hatten sich tiefe Sorgenfalten eingenistet.
Fast schien sie es nicht glauben zu können ihn zu sehen. Versteinert stand sie da.
"Ich bin es, Mama. Toby, dein Sohn."
Da schlossen sich schon ihre starken Arme, die gar nicht zu so einer kleinen Frau zu passen schienen, um ihn. Eine Tränenflut ergoss sich auf seinen Rücken. Auch er musste weinen.
"Tu mir das nie wieder an, hörst du?", schluchzte sie verzweifelt.
Toby versprach es. Er fühlte sich schlecht, seiner Mutter solche Sorgen bereitet zu haben.
Abrupt riss sich Corinna jedoch aus der Umarmung, als ihr Blick auf Danny fiel.
"Was will der denn hier?", fauchte sie.
Verwirrt starrte Toby sie an:" Du kennst doch Danny. Wir waren die ganze Zeit zusammen."
" Er kann nicht bleiben!", der Hass in ihrer Stimme, überraschte Toby.
" Aber Mom, er hat doch vorher schon bei uns gewohnt."
"Seit er hier ist, muss ich mir die ganze Zeit Sorgen machen. Ich habe gleich gesagt, diese Blauaugen sind gefährlich. Früher wärst du nie auf solche halsbrecherische Ideen gekommen.", damit zog sie Toby, ohne Danny noch eines Blickes zu würdigen ins Haus.
Für einen Moment war Toby wie er erstarrt. Mit dieser Reaktion hatte er nicht gerechnet.
Doch als seine Mutter die Tür schliessen wollte besann er sich und schlüpfte, an ihr vorbei hinaus.
Erzürnt schrie sie ihn an.
"Ich muss mich doch verabschieden!", rief er ihr zu und sie liess ihn wiederstrebend gehen.

Danny, bitte warte!"
Der Junge der sich schon zum gehen gewandt hatte blieb erneut stehen.
Atemlos kam Toby neben ihm zum Halt und wusste erst mal nicht, was er sagen sollte:" Tut mir leid", brachte er schliesslich heraus;" Ich hätte dich nicht herbringen sollen. Das war eine dumme Idee von mir."
"Ist schon okay. Es ist deine Entscheidung", Danny sah ihn verständnisvoll an.
"Was wirst du jetzt tun?", fragte Toby zerknirscht.
" Ich werde versuchen, den gleichen Weg zurück zu Alan nehmen."
Daraufhin herrschte schweigen.
Als Danny sich umdrehte, hatte Toby das dringende Bedürfnis ihn zurückzuhalten, aber kein Wort kam über seine Lippen.
Da blieb der Junge unverhofft stehen und schaute zurück:"Weisst du, ich glaube ja nicht das es ein Fluch ist. Ich glaube es ist pure Magie, die dir da geschenkt wurde."
Dann verschwand der Junge mit den Eisblauen Augen aus seinem Leben.

Aufgelöst ging Toby ins Haus zurück. Seine Mutter wollte ihn erneut in in den Arm nehmen, er liess sie gewähren.
" Ich koch dir jetzt erst mal dein Lieblingsessen", schmeichelte sie.
Widerstandslos liess Toby sich von ihr in die Küche führen. Er fühlte sich merkwürdig leer.
" Es ist besser so Schatz. Glaub mir, deine Mutter weiss was gut für dich ist", plapperte seine Mutter munter während sie in der Küche herumwerkelte;" Der Junge hätte dich bloss in Gefahr gebracht. Hier, kann ich dich besser beschützen."
Toby ergriff auf einmal eine unbändige Wut. Er ballte die Fäuste:" Wer sagt das ich beschützt werden müsste?"
" Ach Schatz, du hast doch keine Ahnung von der Welt. Dafür muss man schon ein härteres Fell besitzen."
Toby schlug so hart auf den Tisch, das seine Hand anfing zu brennen. Aber er spürte den Schmerz nicht einmal.
Erschrocken zuckte seine Mutter zusammen:" Toby, was ist denn in dich Gefahren?"
"Nichts Mutter, bloss die Tatsache, dass du mich schon mein ganzes Leben wie einen Gefangen hältst."
" Aber Toby, jetzt sei mal nicht undankbar. Du durftest immer alles, solange du in Sichtweite des Hauses geblieben bist."
" Nennst du das alles?!",
"Reg dich nicht auf Schatz. Das ist nicht gut für deinen Blutdruck."
"Mein verdammter Blutdruck ist dir doch total egal. Du hast nur Angst davor, dass ich mich verwandle. Eine Heidenangst sogar. Weil du dich vor mir fürchtest, stimmt doch oder?!"
Toby war in seinem Zorn aufgestanden und hatte sich zu seiner vollen Grösse aufgerichtet. Seine Mutter stand geschockt da und war für einen Moment sprachlos.
Toby flüchtete aus der Küche. Er hatte gehofft, dass wenn er zurück käme alles wieder beim Alten wäre. Er wollte, dass die Wände aufhörten ihn einzuengen. Langsam aber begriff er, es lag nicht an den Wänden, sondern an ihm.
Er rettete sich auf den Balkon. Die Sonnenstrahlen leuchteten zwischen den Blättern des Baumes hindurch.
Waren Danny und er nicht erst kürzlich noch hier gesessen, beide ihn ein Buch vertieft und war es nicht erst vor ein paar Monaten, dass er sehnsüchtig ins Tal geblickt hatte.
Ermüdet stützte er sich auf die Brüstung. Im Licht der untergehenden Sonne entfaltete das Tal seine gesamte Schönheit. Der Himmel war sogar noch blauer. Von hier oben schien alles so klein. Er seufzte.
"Toby", die Stimme seiner Mutter war leise, geradezu sanft. Tränenüberströmt stand sie im Türrahmen zu Terrasse.;" Komm bitte wieder rein. Lass uns reden."
Toby erhob sich von der Brüstung und ging schweren Herzens auf sie zu. Doch kurz vor ihr blieb er stehen. Den Blick zu Boden gerichtet, die Hände geballt rang er mit sich selbst.
" Toby, komm mit", bittend streckte seine Mutter die Hand nach ihm aus.
Für einen Moment war er versucht ihre Hand zu ergreifen. Doch dann kniff er entschlossen die Augen zusammen.
"Nein, das werd ich nicht", meinte er bestimmt.
Und noch bevor seine Mutter reagieren konnte, drehte er sich um, nahm Anlauf und sprang.

Bloody Legend - ColdbloodGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt