Ilan lud seinen Rucksack neben einer alten Steinbank ab und streckte seine verspannten Muskeln. Er war solche Anstrengungen nicht mehr gewohnt. Viel zu lange hatte er seine Tage in einem gemütlichen Sessel verbracht, vor sich einen Stapel Bücher, um vor der Realität in eine andere Welt zu flüchten.
Danny und Toby waren noch viel schlimmer dran als er.
Die beiden hatten sich zuvor nie körperlich betätigt und besassen demnach auch keine Muskelmasse.
Ilan konnte in ihren schmerzverzerrten Gesichtern ablesen, wie anstrengend die ewigen Märsche für sie sein mussten.
Ilan begann ein Feuer an der kleinen Feuerstelle zu entfachen. Es dauerte jedoch einige Zeit bis es ihm gelang. Stolz erhob er sich und begann ihre Vorräte aus dem Rucksack zu kramen.
Toby der ihn ganze Zeit skeptisch beobachtete hatte schnaubte, als er ihm ein Stück Brot reichte.
„Ist das alles, was wir haben?"
„Käse, Wurst und Karotten habe ich auch noch", meinte Ilan nach einem prüfenden Blick in den Rucksack und reichte es an Toby weiter, der es seufzend annahm. Es würde nicht einfach sein mit dieser Ration durchzukommen, denn sie hatten noch einen langen Weg vor sich. Doch Ilan war guter Dinge, dass sie es schaffen würden. Er war richtiggehend motiviert für dieses ganze Unterfangen.
„Willst du auch?", fragte er und wollte Danny den Käse reichen, doch der schüttelte den Kopf.
„Danny isst nichts, das von etwas lebendigem stammt. Er kann es nicht verantworten, sagt er", klärte Toby ihn wichtigtuerisch auf, während er genüsslich sein Wurstbrot verschlang.
Ilan war zuvor schon aufgefallen, dass Danny Fleisch und dergleichen nicht anrührte.
„Seit wann denn das Danny?" wandte er sich interessiert an den Blondschopf.
„Schon immer. Ich mag keine toten Tiere essen", meinte Danny schlicht und griff nach einer Karotte.
Ilan's Blick blieb an ihm hängen. Er hatte bloss eine einzige Person gekannt die dieselben Essgewohnheiten gehabt hatte. Konnte das Zufall sein? Doch woher hätte Danny das wissen sollen, wo er doch nicht bei seiner Familie aufgewachsen war.
„Lasst uns ein Spiel spielen", durchbrach Danny's sanfte Stimme plötzlich die entstandene Stille:"Jemand stellt eine Frage, die alle beantworten müssen. Ich fang an. Ilan, wovor hast du am meisten Angst."
„Angst? Ich?", Ilan sah perplex auf Danny, der sich ihm voller Begeisterung zugewandt hatte. Seine blaue Augen strahlten ihn vertrauensvoll und aufheiternd an.
Ilan lächelte. Er überlegte kurz bevor er sich räusperte und meinte:" Ich schätze mal davor enttäuscht zu werden. Von den Menschen die mir etwas bedeuten verraten und verlassen zu werden. Alles zu verlieren. Das ist meine grösste Angst", er sah in Dannys zartes Gesicht. Der Junge nickte verständnisvoll und blickte dann zu Toby, der dem ganzen argwöhnisch zugehört hatte.
„Was ist mit dir, Toby?"
Toby zuckte zusammen:" Mit mir? Also...ich weiss nicht", er kratzte sich verlegen am Kopf. Für den Bruchteil einer Sekunde blieben seine Augen an Ilan hängen, dann senkte er den Kopf:" Vielleicht davor jemanden zu enttäuschen. Nicht gut genug zu sein. Die falschen Entscheidungen zu treffen und jemanden damit zu verletzten", er zuckte verlegen mit den Schultern.
Danny lächelte:"Das ist eine sehr schöne Angst."
Nachdenklich blickte der Junge ins Feuer. Seine blauen Augen bekamen einen traurigen Ausdruck, als er seinerseits meinte:" Ich hab Angst vor der Stille. Vor nichts anderem ausser der vollkommenen Stille."
„Was meinst du damit?" fragte Toby verwirrt.
Danny antwortete nicht sondern schien in Gedanken versunken.
„Ich glaube, was du meinst Danny ist die Einsamkeit, stimmt's?"fürsorglich legte Ilan seine Hand auf Dannys Arm.
Der Junge sah bloss abwesend ins Feuer und flüsterte:" Davor sie nicht mehr zu hören und nie mehr ihre Augen zu sehen."
Danny's Haut war ganz kalt. Ilan fröstelte, trotz des Feuers.
Unsicher sah er den Jungen an. Seine Worte klangen ziemlich wirr. Er hielt es jedoch für besser das Thema, ob Danny's Reaktion nicht weiter zu vertiefen.
Auch Toby schlang die Arme um seinen Körper.
„Wir sollten uns etwas wärmeres anziehen. Ich hab ausserdem Schlafsäcke dabei. Die Nacht hier draussen, wird ziemlich kalt werden", versuchte er abzulenken.
Danny erwachte aus seiner Starre und sie begannen ihr Nachtlager herzurichten. Später lag Ilan noch lange wach und grübelte über Danny's Worte nach. Sie liessen ihm keine Ruhe mehr.
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Bloody Legend - Coldblood
FantasyDanny, der intelligente Junge mit den Eisblauen Augen. Toby, der Junge der fliegen könnte, wenn er wollte. Ilan, der mit jedem Pinselstrich vergangenes verarbeitet. Ihre Begegnung wird alles verändern. Der neunjährige Danny wächst abgeschottet von d...
