Azura beobachtete Danny. Die Füsse des Kleinen baumelten ins Wasser und seine Augen verfolgten gespannt das aufleuchten der Lichter.
Sie sassen zusammen auf einer Seerose und liessen sich vom Wasser treiben.
Azura mochte Danny. Sein sanftes, engelsreines Wesen zog sie in seinen Bann.
Sie wusste, dass es falsch war was sie tat. Sie durfte sich nicht von ihm einnehmen lassen. Er war immer noch eine Gefahr. Doch blickte sie in seine blauen Augen, vergass sie dies beinahe.
"Willst du mir keine Fragen stellen?", fragte er plötzlich in die Stille hinein.
"Was für Fragen?"
"Ich dachte du wärst mit mir hierher gekommen um mir Fragen zu stellen.", es lag keinerlei Hohn oder Bosheit in seiner Stimme, es interessierte ihn ganz einfach.
"Nein Danny, ich bin mit dir hergekommen, weil ich wusste, dass es dir gefallen würde", es war nicht die ganze Wahrheit und er schien das zu spüren.
"Darf ich dir dann ein paar Fragen stellen?", fragte er behutsam.
"Aber natürlich", sie nickte ihm zu.
Er dachte lange nach, glitt mit seinen Füssen durchs Wasser.
"Warum haltet ihr mich gefangen. Ich habe doch nichts falsch gemacht, oder?",Unsicherheit lag in seinen Augen, als er zu ihr aufblickte.
"Nein, das hast du nicht. Es ist nicht deine Schuld, Danny. Mach dir darüber keine Gedanken", sie versuchte Augenkontakt mit ihm herzustellen, doch er entzog sich ihr und blickte aufs Wasser.
"Das kann ich nicht. Auch andere jagen mich. Es muss also etwas mit mir zu tun haben. Ich wüsste nicht was ich schlimmes getan habe soll, aber ich möchte es wissen. Ich möchte es verstehen können."
"Du hast nichts schlimmes getan, Danny", erwiderte sie hart.
Sein verletzter Gesichtsausdruck brach ihr das Herz. Sie seufzte.
"Komm her", sie legte einen Arm um seine Schulter. Er rutschte näher zu ihr hin und legte erschöpft seinen Kopf in ihren Schoss. Sanft fuhr sie durch sein blondes Haar.
"Du lieber Junge, zerbrich dir nicht den Kopf über diejenigen die etwas gegen dich haben. Du wirst so geliebt, Danny. Alan und Toby vergöttern dich. An ihnen solltest du dich definieren, nicht an anderen."
"Aber du und die anderen, ihr hasst mich", Traurigkeit erfasste seine Stimme.
Azura atmete tief durch:" Ich war voreingenommen von falschen Vorurteilen. Doch du hast mir gezeigt, dass ich unrecht hatte. Und so wird es jedem gehen der dich kennenlernt. Niemand würde dich dann noch hassen können. Diejenigen die etwas anderes behaupten, kennen dich nicht. Diese Menschen sollten dich nicht kümmern."
Danny antwortete nicht. Es blieb lange still, während sie weiter sacht durch sein Haar streichelte. Azura dachte schon er wäre eingeschlafen, da erhob sich seine glockenhelle Stimme. Sie zitterte.
"Ich habe Angst. Wir nähren uns der Mauer. Aber es sind nicht die Monster dahinter vor denen ich mich fürchte. Etwas ist dort, Azura. Hinter der Mauer befindet sich etwas, zu dem ich hinmuss. Da ist eine Kraft, die mich antreibt und mir den Weg zeigt. Dieses Gefühl wird stärker, je näher wir unserem Ziel kommen. Ich hatte es schon einmal, nur hat es mich damals an einen anderen Ort geführt. Aber ich habe Angst davor, was es diesmal mit mir macht. Ich habe Angst, dass es mich verändert."
Azura war für einen Moment unfähig sich zu bewegen. Es schockierte sie, dass der Kleine wohl schon dabei war seine Macht zu entwickeln. Dann besann sie sich. Sie durfte ihm keinesfalls das Gefühl geben, dass er recht hatte in seiner Vermutung.
"Etwas Angst ist nie verkehrt. Sie kann sogar hilfreich sein, uns wachsam und scharfsinnig stimmen. Solange sie uns nicht überrennt", sie bemerkte seinen Blick, der weit übers Wasser reichte, dort wo sich irgendwo in der Dunkelheit die endlose Mauer befand. Sie schloss seufzend die Augen.
Dann als sie wieder öffnete, befahl sie Danny sie anzusehen. Daraufhin, sah sie die Verzweiflung in seinem Blick.
"Du bist etwas besonderes, Danny. Du bist anders, als jeder Junge vor und nach dir. Ich will und darf dir nicht mehr sagen, aber ich möchte, dass du das weisst. Aber du musst mir jetzt etwas versprechen. Du musst mir versprechen, dass egal was passiert, du nie vergessen darfst wer du bist."
Der Junge machte grosse Augen:" Aber ich weiss doch noch nicht mal selbst wirklich, wer ich bin."
"Du vielleicht nicht, aber deine Familie schon."
Ob dieser Worte sah Danny sie lange an, versuchte herauszufinden, ob sie log. Aber er schien zu wissen, dass Azura nicht bereit war noch mehr preiszugeben, denn er fragte nicht nach. Danny wandte stattdessen den Kopf ab und kuschelte sich in ihren Schoss. Azura streichelte erneut sein Haar und, als seine Atmung langsamer und ruhiger wurde, murmelte er kaum hörbar:" Ich habe keine Familie"
Sie runzelte die Stirn. Dann beugte sie sich sacht zu ihm herab und flüsterte ihm lächelnd ins Ohr:"Du wirst deine Familie schon noch finden."
Der Junge jedoch, war bereits eingeschlafen.
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Bloody Legend - Coldblood
FantasíaDanny, der intelligente Junge mit den Eisblauen Augen. Toby, der Junge der fliegen könnte, wenn er wollte. Ilan, der mit jedem Pinselstrich vergangenes verarbeitet. Ihre Begegnung wird alles verändern. Der neunjährige Danny wächst abgeschottet von d...
