9. Kapitel

139 5 0
                                        

Dannys Sprung wurde vom Stroh abgebremst. Er blickte zurück zu seinem Freund. Er wollte nicht einfach feige abhauen und Toby zurücklassen. Aber es würde ihnen nichts bringen, wenn sie beide festgenommen werden würden. Er würde zurückkommen um Toby zu helfen. Jetzt musste er aber erst mal entkommen.
"Fangt ihn wieder ein!", orderte der Junge mit dem Apfel sofort an.
Schnell sprang Danny vom Karren und hetzte davon. Ihm war klar, dass er praktisch keine Chance hatte. Die anderen hatten längere Beine und kannten sich hier, auch besser aus. Doch er hatte eine Idee. Er lief in die Richtung, aus der er glaubte, dass sie gekommen waren. Wenig später, stand er wieder auf der Grünfläche. Denn, obwohl er nicht besonders schnell war, hatte er gegenüber den anderen doch einen Vorteil, er war klein und wendig. Flink tauchte er in der Ansammlung von Menschen unter.

"Wo ist die kleine Ratte hin?!"
"Keine Ahnung. Ich seh ihn nicht mehr!"
"Los, wir teilen uns auf!"
Danny verlangsamte seine Schritte. Es hätte sowieso keinen Sinn, zu versuchen, an den Leuten, die sich in der Gasse drängten vorbeizukommen. Wenn er rannte würde er nur auffallen. Er musste sich der Menge anpassen, mit dem Strom schwimmen. Während er hinter den Leuten herging, blieb er gefasst und lauschte aufmerksam.
"Pass doch auf Mädchen!"
Er horchte auf. Nicht weit hinter ihm, hatte eine Frau reklamiert. Einer der Jugendlichen war also ganz nah.
Vor ihm, standen einige Passanten in einem Halbkreis um eine Gruppe Strassenmusiker. Schnell drückte er sich vor einen großen Mann. Er wartet bis die Gefahr, aufgrund empörter Rufe, vorüber war.
Danach hatte er eigentlich vorgehabt, seinem Verfolger nachzugehen, um Toby nicht zu verlieren. Doch etwas anderes fesselte seine Aufmerksamkeit.
Eine Frau die, ohne von irgendjemandem beachtet zu werden, zwischen den Leuten hin und herlief. Sie war schon älter. Ihr ausgemergeltes Gesicht wurde von weißen Haaren umrandet und um ihre mageren Beine, schlackerten dreckige Lumpen. Erst dachte Danny, sie würde betteln, als sie sich wie ein kleines Mädchen, an den Arm eines Passanten hängte und vor ihm auf die Knie fiel. Doch dann konnte er die Worte Vernehmen, die ihre hysterisch klingende Stimme, lauthals verkündete:" Sie müssen sich in Sicherheit bringen. Die Mauer, sie wird fallen. Es kann nicht mehr lange dauern. Ich spüre es in meinen Knochen. Machen Sie ihre Sünden wieder gut und schließen Sie Frieden mit ihren Feinden, bevor es zu spät ist. Nein, warten Sie. Sie müssen mir zuhören. Die Mauer wird fallen!"
Niemand schien ihr zuhören zu wollen. Doch ihre Worte waren nicht der eigentliche Grund warum Danny wie gefesselt stehen blieb. Er starrte sie an. Starrte in ihre kalten Eisblauen Augen, wie in einen Spiegel.

Sie blickte ihn ihrerseits aufmerksam an. Dann erhob sie sich und kam auf ihn zu. Danny trat automatisch ein paar Schritte zurück. Daraufhin, verzog sich ihr Gesicht zu einem hässlichen, zahnlosen Lächeln. Bevor er nachdenken konnte, war sie bei ihm und hatte ihn am Arm gepackt. Einige Sekunden schaute sie ihn einfach nur an. Doch Danny fühlte sich, als würde sie, mit ihren durchdringenden Augen, direkt in seine Seele blicken.
Dann, begann sie plötzlich in einem merkwürdigen Singsang zu sprechen, ohne dabei ihren Blick abzuwenden:"

Weit und hell, wie der Himmel.
Klar, doch tief, wie die See.
Kalt und fest, wie Eis, spiegeln sie die Sonne wieder.
Aus kleiner Welle, wird grosse Flut und der Sturm der folgt, reißt alles mit.

Ein warmes, familiäres Gefühl breitete sich in Danny's Körper aus und er entspannte sich unwillkürlich. Die Worte kamen ihm seltsam bekannt vor.
Es schien ein Gedicht zu sein. Während die Frau es sagtest, sah sie ihn eindringlich an, als wollte sie ihm damit etwas mitteilen. Doch er war sich nicht sicher, ob er verstand. Danach verfiel sie wieder in ihr hysterisches Gekreische, als hätte es die vorherigen paar Minuten gar nicht gegeben:" Die Mauern werden brechen, Junge. Dann wird sie niemand mehr aufhalten können. Unsere Sünden kann niemand wieder gut machen", sie brach beinahe zusammen.
"Hab ich dich. Leute, ich hab ihn gefunden. Lass los Omi, der gehört uns!"
Danny zuckte zusammen, als ihn jemand von hinten packte. Sogleich begann er nach einem Fluchtweg Ausschau zu halten. Der Junge packte ihn fester. Da bleckte die alte Frau die Zähne und stürzte sich auf den Jungen.
Perplex blieb Danny stehen. Der Junge schrie und wehrte sich mit Händen und Füßen, hatte jedoch keine Chance, gegen die tollwütige alte Frau. Als jedoch weitere der Jugendlichen auftauchten, flüchtete Danny erneut.
"Lauf Junge. Lauf und finde deinen Weg!", rief ihm ihre krächzende Stimme, beinahe fröhlich hinterher.

Bloody Legend - ColdbloodGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt