„Toby? Toby, ich kann nicht schlafen. Kann ich mich zu dir legen?", Dannys flehende Stimme riss Toby aus dem Schlaf. Der Junge hob die Decke etwas an und frostige Kälte drang an Toby's Körper.
Grummelnd zog er die Decke zurück:" Kannst du nicht zu Ilan gehen?"
„Ilan ist nicht mehr da", meinte Danny bloss.
Toby fuhr augenblicklich hoch:" Was meinst du damit, dass Ilan nicht mehr da ist? Wo soll er denn sein?"
Danny schüttelte den Kopf und verschränkte fröstelnd die Arme vor der Brust:"Er ist nach Haneyra gegangen, um seine Freundin zu suchen. Kann ich mich jetzt zu dir legen?"
Toby erhob sich abrupt und lief zu Ilans Schlafplatz. Tatsächlich, er war leer. Fassungslos lief Toby ihr Lager ab, in der Hoffnung Ilan hätte sich bloss einen Scherz erlaubt. Doch der schwarzhaarige Brillenträger war nirgends zu entdecken. Wütend kickte Toby gegen einen der Stühle:" Dieser Verräter. Lässt uns einfach hier zurück. Was wenn uns ein wildes Tier, oder eine von diesen abartigen Pflanzen angreift?"
Danny schnaubte empört.
Toby drehte sich zu dem Jungen um:" Was ist?"
„Du hast es immer noch nicht begriffen, oder? Manchmal kannst du wirklich ziemlich blind sein, Toby", Danny's blaue Augen sahen ihn verständnislos an.
„Was soll das denn heissen", erzürnte sich Toby.
„Glaubst wirklich, Ilan würde uns ohne Schutz verlassen. Er hat überall Schutzwälle erstellt. Uns kann also nichts passieren."
„Schutzwälle? Wie soll er die denn erstellen?"
„Ilan ist ein Zauberer, Toby. Das wüsstest du wenn du nicht so festgefahren wärst", platzte Danny heraus.
Toby war erst mal sprachlos.
„Ilan soll ein Zauberer sein?"
„Wieso sollte er sonst goldene Augen haben",‚meinte Danny ungeduldig.
Toby konnte es nicht fassen. Plötzlich ergab alles einen Sinn. Die Gründe weshalb Ilan über alles übernatürliche so gut Bescheid wusste und weshalb seine Eltern Mitglieder beim „Auge des Friedens" gewesen waren. Nicht zuletzt die Tatsache, dass er mit Goldmünzen der Warmblüter bezahlt hatte. Wenn er ehrlich war, musste Toby zugeben, dass Danny wieder einmal Recht hatte. Ärgerlich verschränkte er die Arme vor der Brust:" Frechheit!"
„Du kannst es ihm nicht über nehmen, dass er es dir nicht erzählt hat. Schliesslich hast du zuvor oft ungehalten auf solche Informationen reagiert", beschwichtigte Danny.
Toby winkte ab:" Das mein ich doch gar nicht. Aber ich hätte mir diesen ganzen Fussmarsch sparen können. Ilan hätte uns ja einfach herzaubern können. Ausserdem hätte er uns alles mögliche zu Essen beschaffen können, goldenen Kuchen und gebratene Drachenhaut beispielsweise, aber stattdessen gab es immer nur belegte Brote und Gemüse. Der Mann ist nicht nur ein Lügner sondern auch noch geizig."
Danny tänzelte hin und her, um warm zu bekommen:" Schön. Da wir deine Prinzipien nun geklärt haben, könnten wir jetzt bitte schlafen gehen? Mir ist kalt."
„Pass besser auf, zu meinen Prinzipen gehört es auch, nervige blauäugige Jungen erfrieren zu lassen", er lächelte. Nachgiebig kletterte er in seinen Schlafsack zurück und machte Platzt für Danny. Er verstand nicht wirklich, weshalb der Junge ausgerechnet heute zu ihm kommen musste, aber es spielte auch nicht wirklich eine Rolle. Danny war bei ihm und in Sicherheit, nur das zählte.
Er war müde und ausgelaugt. Danny schien es ähnlich zu gehen. Bald waren sie erneut eingeschlafen.
Erneut wachte Toby auf, als Danny aus dem Schlafsack kroch. Murrend drehte sich Toby um. Er würde dem Jungen beim nächsten Mal nicht mehr erlauben, bei ihm schlafen zu dürfen, wenn er ihn nur ständig weckte.
Doch Danny kehrte nicht mehr zurück. Toby ergriff ein ungutes Gefühl. Er richtetet sich auf und sah den Jungen unweit des Schutzwalls in der Kälte stehen.
„Danny? Was machst du da?"fragte er genervt.
Der Junge reagierte nicht.
Unwillig erhob sich Toby und lief zu dem Blondschopf hin. Dieser stand merkwürdig steif da.
„Danny, was ist los?", versuchte er es erneut. Doch Danny schien ihn gar wahrzunehmen, sein Blick ging stur geradeaus.
Als Toby in seine glasigen Augen blickte, ergriff ihn eine ungute Vorahnung.
„Oh nein, Danny bitte sag mir, dass du nicht schon wieder schlafwandelst!"
Es durfte einfach nicht sein, jetzt wo Ilan verschwunden war. Wie sollte er selbst damit fertig werden?
Eine Weile geschah nichts und Toby stand frierend neben Danny, in der Hoffnung er würde sich wieder schlafen legen. Während er selbst vor Kälte regelrecht schlotterte, stand Danny nur unberührt da. Die Kälte schien ihm nichts auszumachen.
Dann erhob der Junge plötzlich seine melodische Stimme:" Haneyra", verkündete er entzückt.
Toby seufzte:" Ja, Ilan ist in Haneyra, aber er wird bald zurück sein. Kannst du jetzt bitte wieder ins Bett kommen?", flehte er hoffnungsvoll.
Doch Danny dachte gar nicht erst daran.
„Haneyra", sagte er erneut und setzte sich zielsicher in Bewegung.
„Was? Nein, Danny du kannst nicht nach Haneyra gehen! Wir müssen hier innerhalb der Schutzwälle bleiben ansonsten sind wir allem bösen vollkommen ausgeliefert."
Danny ging unbeirrt weiter.
Toby lief ihm entsetzt hinterher:" Bleib stehen, Danny."
Er versuchte ihn am Arm zurückzuhalten, doch Danny riss sich los.
Toby blinzelte perplex. Dann ballte er die Fäuste und stellte sich dem Jungen entschlossen in den Weg:" Ich hab gesagt du sollst stehen bleiben!", befahl er.
Danny's eisig blaue Augen musterten ihn abschätzig. Toby erzittert innerlich.
„Geh mir aus dem Weg", meinte Danny. Seine Stimme klang fremd und kühl.
„Nein", Toby blieb standhaft, auch wenn er sich nicht so fühlte.
„Ich muss nach Haneyra. Und du wirst mich nicht davon abhalten", Die blauen Augen des Jungen sagen ihn ungerührt an, bevor sie in Toby's Inneres drangen und seinen gesamten Willen und jegliche Gedanken komplett einfroren. Toby vermochte sich nicht gegen den starken Kräfte zu wehren. Er sank ergeben auf die Knie und senkte den Blick.
Ungerührt schob sich Danny an ihm vorbei.
Toby brauchte eine Weile, bis er wieder Herr seines eigenen Körpers war. Prüfend bewegte er seine Finger. Er drehte den Kopf. Danny war bereits durch den Schutzwall gebrochen und verfolgte unentwegt sein Ziel.
Toby sprang auf und hetzte ihm hinterher. Am Rand des Schutzwalls blieb er jedoch abrupt stehen. Reumütig sah er zurück auf ihr sicheres, gemütliches Lager, mit dem langsam erlöschenden Feuer. Vor ihm lag nichts als die dunkle Bedrohung der Nacht in der sein kleiner, blauäugiger Freund langsam verschwand. Schaudernd dachte er an all die vielen Gefahren, denen sie sich damit aussetzen würden.
Toby seufzte. Er hatte genau gewusst, dass das Ganze ein schlechtes Ende nehmen würde, aber auf ihn wollte ja niemand hören.
„Ihr macht mich fertig", meinte er und setzte Danny hinterher.
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Bloody Legend - Coldblood
FantasyDanny, der intelligente Junge mit den Eisblauen Augen. Toby, der Junge der fliegen könnte, wenn er wollte. Ilan, der mit jedem Pinselstrich vergangenes verarbeitet. Ihre Begegnung wird alles verändern. Der neunjährige Danny wächst abgeschottet von d...
