Sie ging voran in die Küche. Dort setzte sie sich auf einen Stuhl und wies auch den Jungen mit dem Namen Danny an sich zu setzten.
"Wie ich sehe hast du die Kleider die ich dir heute früh rausgelegt habe bemerkt." In Tobys Kleidern, erinnerte er sie sehr stark an ihn.
"Ja Dankeschön." Er setzte sich hin, dabei streifte sein Blick ihren Korb mit den Kräutern.
"Ich habe heute Morgen etwas im Garten gearbeitet", informierte sie ihn. Ihr lief es kalt den Rücken runter als er sie nun direkt Anblickte.
"Sie besitzen ein paar sehr interessante Bücher."
Sie stutze bevor sie Begriff was er meinte:" Gefallen sie dir. Ich gebe zu einige Wörter sind anfangs nicht ganz verständlich. Aber die Pflanzenwelt ist unglaublich faszinierend."Sie versuchte sich an einem Lächeln.
" Das ist sie ganz sicher. Leider konnte ich das geschriebene nicht lesen und bloß die Bilder anschauen." Seine Augen blickten sie bedauernd an und obwohl er aufrecht da saß und sie aufmerksam anblickte, fiel ihr auf, dass er unter dem Tisch begann mit den Füßen zu Wippen.
" Kannst du denn nicht lesen?."
Er schüttelte seinen Blonden Schopf.
Corinna verwunderte es, dass er sich die Bücher überhaupt erst angeschaut hatte. Außer ihrem eigenen Sohn, war sie noch nie einem Jungen begegnet, der jegliche Begeisterung für Bücher äußerte. Schon gar nicht freiwillig. Auch seine geschwollene Art zu reden irritierte sie. Für das Alter auf dass sie ihn schätze, verhielt er sich sehr seltsam.
Also faltete sie die Hände auf dem Tisch, atmete tief durch und begann zu reden: " Danny, darf ich dich überhaupt so nennen, oder wäre dir Daniel vielleicht lieber. Dein Name ist doch von Daniel abgeleitet oder?"
"Mich hat noch nie jemand anders genannt als Danny", kam die schlichte Antwort.
" Ähm...also Danny, für dich bin ich einfach Corinna, okay?", sie begann unruhig mit ihrem Ehering zu spielen und beschwor sich damit aufzuhören.
Als er nickte fuhr sie fort:" Ich möchte nicht, dass du denkst das hier wird so etwas wie ein Verhör. Ich weiß ich war gestern unfreundlich zu dir, dafür möchte ich mich entschuldigen. Die Umstände waren halt etwas kompliziert. Deshalb wollte ich dich auch fragen, ob du eventuell bereit wärst mir ein paar Fragen zu beantworten. Natürlich nur wenn du möchtest", angespannt wartete sie seine Antwort ab.
"Sie müssen sich für nichts entschuldigen. Fragen sie ruhig was sie wollen", erwartungsvoll schaute er zu ihr auf. Sein scheues Lächeln ließ ihr Herz schmelzen. Der Junge machte es ihr wirklich nicht leicht.
" Also, erstmal würde ich gern wissen wie alt du bist."
" Ich bin neun Jahre alt."
Der Stolz der aus seiner Stimme sprach brachte Corinna zum schmunzeln. Jedoch tat er ihr dadurch nur noch mehr leid. Er war noch so jung.
" Dann bist du ja schon ein großer Junge", sie kam sich im gleichen Moment kindisch vor diesen Satzt gesagt zu haben als sie in seine Intelligenten Augen blickte. Sie räusperte sich;" Toby hat mir davon erzählt was gestern passiert ist. Erstmal tut mir das, was deinen Geschwistern geschehen, ist unglaublich leid..."
" Sie waren nicht meine Geschwister. Jedenfalls nicht biologisch", unterbrach er sie.
Innerlich seufzte Corinna Mayer erleichtert auf. Noch jemanden von seiner Sorte hätte sie nun wirklich nicht gebrauchen können:" Also waren die Menschen, bei denen ihr gelebt habt, auch nicht deine Eltern?"
Als er den Kopf schüttelte, war ihr Verdacht bestätigt. Der Junge und wahrscheinlich auch seine Geschwister waren verschleppte Kinder. Diese Kinder wurden unter verschiedenen Umständen von den Eltern getrennt, oder sogar weggegeben und von Händlern weiterverkauft. Früher gab es viele solcher Kinder, heute lebten die restlichen bei den Bauern im Schattental.
" Ich weiß, es muss schwer für dich sein darüber zu sprechen. Aber denkst du, du könntest mir mehr über den Baum erzählen der euch angegriffen hat?"
" Er hat uns nicht angegriffen", er sagte dies mit einer unumstößlichen Sicherheit.
" Nicht?", sie blinzelte verwirrt.
" Nein. Er wollte mich bloß beschützen", zum ersten Mal unterbrach er den Blickkontakt.
" Aber wenn er euch beschützen wollte, wieso habt ihr ihn dann nicht gelassen."
" Er hätte nur mich beschützt. Aber Christine und Ben nicht", er flüsterte die Worte bloß.
" Bist du dir da ganz sicher?" Sie hätte ihn am liebsten damit in Ruhe gelassen. Aber sie musste es wissen.
Natürlich", er blickte aus dem Fenster;" Ich wollte dass nicht. Aber vielleicht ist es besser so. Christine war unglücklich, und Ben wollte schon lang flüchten." Er blinzelte, als erinnere er sich daran, dass sie auch noch da war.
Corinna wurde immer nervöser, je länger sie mit Danny redete.
Sie glaubt nicht dass er bloß Vermutungen aufstellte. Solche Dinge, sagte man nicht einfach so. Er schien vollkommen verwirrt zu sein von dem allen.
Bis jetzt hatte sie versucht es sich nicht anmerken zu lassen, aber er tat ihr Leid. So leid, dass sie ihn am liebsten einfach nur in den Arm genommen hätte. Sie wusste sehr wohl wie es war, geliebte Menschen zu verlieren.
Wie er so dasaß - verwuscheltes blondes Haar, zu große Kleidung - konnte sie einfach nichts bedrohliches in ihm sehen.
"Und was ist mit dir. Was hast du dir gewünscht", sanft, beinahe mütterlich sah sie ihn an.
Darüber dachte er einen Moment nach bevor er antwortete:" Wissen Sie, es gibt sehr vieles was ich mir wünsche. Ich würde sehr gerne Lesen und schreiben lernen, oder schaukeln auf einer Schaukel. Gestern war ich zum ersten Mal in einer Badewanne. Das wäre alles ganz toll. Aber erstmal bin ich dankbar dass sie mich aufgenommen haben. Ich hatte noch nie ein richtiges Zuhause".
Während er dass sagte konnte Corinna zum ersten Mal die kleine Sonne sehen die er verkörperte. Wie konnte sie ihn jetzt noch rausschmeißen. Seine Augen kamen ihr auch nicht länger kalt vor, sondern geradezu strahlend. Verstohlen wischte sie mit dem Ärmel einige Tränen beiseite. Als sie daraufhin seinen geschockten Blick sah, musste sie einfach lachend aufstehen und ihn umarmen.
" Du bist ein wunderbarer Junge. Vergiss dass nie."
Nachdem sie ihn losließ, gab sie ihm die Anweisung, Toby zu holen damit sie etwas essen konnten.
Doch kurz vor der Tür zögerte Danny und drehte sich noch einmal um:" Wissen Sie, ihr Sohn hat wirklich großes Glück jemanden wie Sie als Mutter zu haben", mit diesen Worten ging er.
Corinna Mayer fühlte erneut Tränen über ihre Wangen Rollen. Egal wie gefährlich es wäre diesen Jungen zu beherbergen. Er hatte ein Zuhause mehr als alles andere verdient.
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Bloody Legend - Coldblood
FantasíaDanny, der intelligente Junge mit den Eisblauen Augen. Toby, der Junge der fliegen könnte, wenn er wollte. Ilan, der mit jedem Pinselstrich vergangenes verarbeitet. Ihre Begegnung wird alles verändern. Der neunjährige Danny wächst abgeschottet von d...
