"Was ist passiert, Danny?"
"Ich glaube ich bin hingefallen",
Alan blinzelte perplex.
Der Junge sah ihn mit wachem Blick an. Ein Hauch Farbe bedeckte seine, sonst bleichen Wangen. Unschuld lag in seinen, nun wieder klaren, blauen Augen.
„Wie fühlst du dich?", Alan beobachtete Danny ganz genau, während sie aus dem Kreis heraus traten. Mit jedem Schritt schien die pulsierende Energie abzunehmen.
Danny schlang nachdenklich, die Arme um seinen Körper:" Mir ist ganz warm", meinte er schliesslich und lächelte verzückt.
Alan wusste, dass es die Wahrheit war. Danny hatte keinerlei Kenntnis davon, was gerade passiert war.
Er konnte die Wärme ebenfalls spüren. Die Helligkeit, die nun von dem Auge ausging erleuchtete jeden noch so dunklen Winkel.
Sein Blick hing an dem Jungen mit den blauen Augen, dessen eigener Blick gierig all die neuen Eindrücke aufsaugte.
"Was ist das hier?", Danny liess fasziniert seinen Blick schweifen.
"Es wird Zentrum genannt", erwiderte Alan lächelnd.
"Zentrum", Danny strahlte;" Von was?"
Alan zögerte kurz. Er beobachtete den Jungen, den immer noch eine merkwürdige Energie zu umgeben schien. Danny trat zu einem der Regale und strich liebevoll über die Buchrücken. Alan kam es vor, als würde der sonst so stille Junge plötzlich aufblühen. Er benahm sich nicht anders, als vorher und trotzdem war er verändert.
"Wie viele Augen prangen aussen an der Fassade?",stellte er ihm unvermittelt die Frage. Ihm war klar, dass Danny das Bild genug oft angesehen hatte, um das zu wissen.
"Sieben", kam sogleich die umgehende Antwort. Danny wandte sich zu ihm.
"Unsere Welt, ist unterteilt in verschiedene Rassen. Sie heissen Kaltblut, Warmblut, Vollblut, Halbblut und Mischblut. Zu welcher du gehörst, bestimmt deine Augenfarbe", begann Alan Danny aufzuklären.
"Wohin gehöre ich?", Aufregung lag in seiner Stimme.
" Du bist ein Kaltblut. So wie alle anderen Blauäugigen es auch waren."
Dannys Wangen wurden noch eine Spur rosiger. Alan Verstand wie wichtig es für ihn sein musste, etwas über seine Wurzeln zu erfahren.
Alan holte tief Luft:" Du siehst hier fünf Regale. Jedes für eine der fünf Rassen. Da hätten wir die Kaltblüter, mit den blauen Augen. Die Vollblüter, zu ihnen gehören die Roten und Schwarzen Augen. Halbblüter haben entweder Graue, Grüne oder Braune Augen. Und Warmblüter besitzen Goldene Augen", Alan zeigte reihum auf die Regale.
"Was ist mit den Mischblütern?"
" Sie sind nicht definierbar. Die Augen der Mischblüter haben immer zwei oder mehrere Augenfarben."
"Warum hat jeder ein Regal."
"Weil darin wichtige Bücher, Schriften und Aufzeichnungen über jede der Rassen aufbewahrt werden sollten", ernüchtert sah Alan zu den nahezu leeren Regalreihen.
"Darf ich sie mir ansehen."
"Natürlich."
Danny ging nachdenklich herum. Fuhr mit der Hand entlang der uralten Buchbände, deren bestand äusserst mickrig war.
Man hörte Papier rascheln. Manchmal trat der Junge einen Schritt zurück, besah sich jede einzelne Reihe. Es gab nicht viele davon.
Nachdem er die Runde gemacht hatte, meinte er:" Da gibt es Lücken. Da fehlen Bücher."
Alan fand es unglaublich wie aufmerksam der Junge war:"Du hast Recht. Es fehlen überall welche. Das Vertrauen unter den Rassen ist leider ziemlich kaputt. Sie würden sich gegenseitig niemals ihre wichtigsten Geheimnisse verraten."
"Wo befinden sich die restlichen Bücher?"
"Das weiss man leider nicht. Da dies hier die Hauptbibliothek ist, sollten sie sich hier befinden. Aber es kann gut sein, dass sie entwendet wurden. Die meisten Bücher wurden von den Regierungen eigenhändig zerstört, damit niemand anders sie in die Hände bekommt. Warmblüter waren nie besonders beliebt weisst du", Alan konnte nicht verbergen, wie sehr ihn das traf. Ein gemeinsamer Ort des Wissens, hätte seiner Meinung nach einen mächtigen Unterschied gemacht.
Danny nickte. In seinem Hirn ratterte es:"Dann steht das goldene Auge für die Warmblüter. Und Larea ist in diesem Fall..."
"Die Stadt der Warmblüter, korrekt. Alledings gibt es für Warmblüter, auch noch einen anderen Begriff. Oft nennt man sie nämlich Zauberer."
Danny Augen wurden gross:" Das heisst, Warmblüter sind richtige Zauberer?"
Alan nickte vergnügt ab Dannys Begeisterung.
"Sind alle hier in Larea Zauberer?"
Alans druckste herum:" Es gibt keine Zauberer mehr in Larea, schon lange nicht mehr."
Danny erstarrte:" Und wer lebt jetzt in Larea?"
" Mischblüter. Sie haben die Stadt übernommen."
Nachdenklich besah sich Danny erneut, das Abbild des goldenen Auges:" Gibt es von den Kaltblütern auch so eins?", hoffnungsvoll sah er zu ihm auf.
"Das kann ich dir nicht sagen. Ich weiss nur von diesem", Alan hatte darüber selbst auch schon nachgedacht.
Danny schlug die Augen nieder. Etwas beschäftigte ihn. Schliesslich fragte er vorsichtig:" Was hast du vorhin gemeint mit: Alle Kaltblüter waren blauäugig?"
Alan seufzte:" Weil sie es heute nicht mehr sein können. Es gibt keine Kaltblüter mehr."
Das bisschen Farbe wich aus Dannys Gesicht:" Und ich?"
" Du scheinst der letzte verbliebene deiner Art zu sein", Alan richtete hastig seine Brille. Hilflos sah er wie der Junge umgehend in sich zusammenfiel. Er würde nie seine Familie kennenlernen.
Doch bevor er noch etwas sagen konnte, hellte sich dessen Miene schon wider auf.
"Ich bin gar nicht der einzige", Danny drehte sich schwungvoll zu ihm;" Ich habe in der Stadt eine Frau getroffen, sie war auch ein Kaltblut."
" Bist du dir sicher?"
"Aber ja, sie hat etwas von fallenden Mauern geredet und dass ich mich in Sicherheit bringen soll", seine Stimme überschlug sich beinahe.
Alan zögerte. Er wusste, dass die Regierung in Larea, manchmal verrückt gewordene Andersblütige auf die Strasse stellte, um die Bürger abzuschrecken. Mischblüter hassten Andersblütige.
Danny bemerkte, dass er sich nicht ebenso freute:" Sie hat mir einen Spruch aufgesagt, von Himmel und Wasser."
"So?", Alan stutzte.
"Ich hatte das Gefühl, sie würde meine Augen meinen."
Alan lief sogleich zum Regal der Kaltblüter und zog eins der Bücher heraus. Er wusste welcher Spruch gemeint war, es war einer der schönsten der sieben, wie er fand. Jedoch, hatte er ihn seit mehreren Jahren nicht mehr gehört.
Das Buch in seinen Händen war alt und dünn. Es viel beinahe auseinander, eine Seite vergilbter als die andere. Vielleicht gefiel es ihm genau deswegen so gut. Von Einband, blickte ihn ein eisig blaues Auge an. Es schien unterzugehen in den Wellen die es umgaben.
Danny trat neugierig neben ihn. Alan schlug die erste Seite auf.
Der Spruch stand in verschnörkelter Schrift geschrieben.
Weit und hell, wie der Himmel.
Klar, doch tief, wie die See.
Kalt und fest, wie Eis, spiegeln sie die Sonne wieder.
Aus kleiner Welle, wird grosse Flut und der Stur
der folgt, reißt alles mit.
"Was ist das für ein Buch?", Danny starrte fasziniert auf die aufgeschlagene Seite.
" Es ist das offizielle Kulturbuch der Kaltblüter. Jede Rasse hat so eines. Ihre wichtigsten Lieder, Reime und Gedichte wurden darin aufgenommen", er bemerkte Dannys Blick und hielt es ihm hin.
Dessen Augen strahlten noch heller:" Darf ich wirklich?"
"Sicher, du kannst es gerne mitnehmen und ein bisschen darin lesen", Alan sah auf seine Uhr", es wird sowieso Zeit das wir wieder raufgehen."
"Können wir wiederkommen?"
Alans Grübchen zeigten sich ob Dannys Begeisterung:" Jederzeit."
In der Nacht, lag Alan wach und konnte nicht Einschlafen. Etwas hinderte ihn daran.
Ratlos wälzte er sich hin und her. Er lauschte, alles war ruhig.
Der ältere Junge war den gesamten Tag nicht aus seinem Zimmer gekommen und hatte sich schlafend gestellt, als Alan nach ihm gesehen hatte. Danny indessen hatte sich sofort in eine stille Ecke verkrochen und begonnen zu lesen. Er hatte den dicken Wälzer erst beiseite gelegt, als Alan kam um das Licht zu löschen.
Es war schon spät gewesen. Alan selbst hatte es gar nicht bemerkt. Durch die dicke Wolkenschicht, wurde es abends bereits früh dunkel. Doch als er auf die Uhr blickte war es bereits neun Uhr, während die Sonne immer noch eifrig leuchtete. Als er dann neugierig aus dem Fenster sah, musste er zu seinem grossen Erstaunen feststellen, dass keine einzige Wolke der Sonne den Vortritt streitig machte. Diese Tatsache stimmte ihn nachdenklich.
Alan war unsicher ab der neuen Situation.
Ihm war bewusst, dass er mit ihrer Beherbergung der Jungen seine eigene Sicherheit riskierte, aber es das war für ihn nebensächlich. Er war bloss um ihr Wohlergehen besorgt.
Sein Pflichtgefühl trieb ihn schliesslich zuerst zu Toby, der friedlich schlief.
Dann, als er vor Dannys Tür trat, vernahm er Geräusche. Er fasste sich bevor er eintrat, wohlwissend, dass der Junge keinerlei Kontrolle mehr über das hatte, was er tat.
Das Zimmer lag dunkel da. Sanft schien der Mond durch die Vorhänge. Auf den ersten Blick, schien alles in Ordnung. Vorsichtig nährte Alan sich dem Bett.
Der Junge schien die Decke weggestrampelt zu haben. Bleicher als sonst schimmerte seine Haut im Mondlicht. Er hatte die Augen geschlossen, aber sein kleiner, zarter Körper zuckte, bäumte sich auf.
Doch der Junge schrie nicht. Stattdessen gab eine Stimme, die nicht zu Danny zu gehören zu schien Wortfetzen von sich. Die Stimme war teilweise nur ein angstvoller Hauch, verschluckte Wörter.
Alan zögert. Er sollte das ganze stoppen, doch er war so fasziniert von der Situation, dass er beschloss noch zu warten. Er musste wissen was weiter passierte.
Nervös wartete er ab, bis Danny begann lauter zu werden. Die Worte waren Alan nur allzu bekannt
Die eindringliche Stimme, wiederholte das kurze Gedicht der Kaltblüter, in leichtem Singsang. Immer von neuem, wie ein Mantra. Doch das Gedicht wurde immer wieder unterbrochen, von nur zwei Worten:" Fallende Mauern!"
Immer schneller und lauter wurde der Sprecher, begann sich zu verhaspeln. Aus Sätzen wurden blosse Wörter ohne Zusammenhang. Er schrie jetzt.
Danny hatte verzweifelt begonnen, wild um sich zu schlagen und zu treten. Alan konnte das nicht länger mit ansehen. Instinktiv tat er das richtige.
Er trat ans Bett, setzte sich auf die Kante und zog den schweissnassen Körper auf seinen Schoss.
Die Worte die Danny aufsagte verloren sich ins Unendliche, ergaben keinen Sinn mehr. Seine Schreie arteten in einen Weinkrampf aus. Schutz suchend krümmte er sich in Alans Schoss zusammen .
So wiegte Alan ihn für eine ganze Weile, bis Dannys sehnige Hände sich nicht mehr verzweifelt in sein T- Shirt krallten.
Nach einer Ewigkeit, liess Alan Danny allein.
Grübelnd tappte er durch die dunklen Gänge, fragte sich was das zu bedeuten hatte.
Danny träumte sehr wohl, jedoch war es dem Jungen nie bewusst gewesen. Tief in ihm, musste etwas verborgen liegen, das sich langsam an die Oberfläche kämpfte.
Und was hatte er mit den "fallenden Mauern" gemeint?
Alan schnappte nach Luft, als er mit dem Schienbein gegen eine Kommode stiess. Er vermutete zu wissen welche Mauern fallen sollten. Aber er war unschlüssig, ob er das nun wirklich glauben konnte.
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Bloody Legend - Coldblood
FantasyDanny, der intelligente Junge mit den Eisblauen Augen. Toby, der Junge der fliegen könnte, wenn er wollte. Ilan, der mit jedem Pinselstrich vergangenes verarbeitet. Ihre Begegnung wird alles verändern. Der neunjährige Danny wächst abgeschottet von d...
