Er war allein in seinem Zimmer. Kerzengerade hockte er auf der Kante seines Bettes , jederzeit bereit sofort aufzuspringen. Obwohl er ziemlich erwachsen wirkte, wie er so da sass, wippte er doch nervös mit den Füssen hin und her. In seinen Händen hielt er einen übermächtigen Wälzer, der viel zu gross für seinen schmächtigen Körper schien. Seine linke Hand war um einen langen, feingliedrigen Holzstab geschlossen, der nach oben hin dünner wurde. Mit jenem Stab tippte er jeweils auf das Blatt und versuchte dann mit der Bewegung von rechts nach links, die Seiten umzublättern. Als dies jedoch nach mehrmaligem Versuchen nicht zu klappen schien legte er den Stab frustriert aufs Bett.
Dannys Herz klopfte. Er spürte die unbändige Magie durch seine Adern pulsieren. Es gab keinen Zweifel, er war ein Zauberer. Doch irgendetwas schien seine magischen Fähigkeiten zu blockieren. Die Tatsache nicht mehr zaubern zu können verwirrte ihn und machte ihm Angst. Er ahnte das etwas nicht stimmte.
Um sich abzulenken hielt er seinen Blick stur auf die Zeilen, der Seiten vor ihm geheftet. Doch während er versuchte sich auf das gelesene zu konzentrieren, verschwammen die Buchstaben vor seinen Augen. Schliesslich legte er das Buch zur Seite und stand auf, um sich nach einer besseren Alternative umzusehen.
An Büchern mangelte es in seinem Zimmer definitiv nicht. Danny war begeistert davon was er sah, als er nun seinen Blick schweifen liess. Sein ganzer Schreibtisch war zugepflastert mit Sachbüchern, auf dem kuscheligen Teppich türmten sich Zeitschriften und Comics und in dem hohen Regal reihten sich die unterschiedlichsten Genre von Romanen aneinander.
Er versuchte es mit einem seiner liebsten einer Bücher, doch sein Kopf war erfüllt von dem Lärm der von den Strassen zu ihm herauf drang. Angsterfüllte Schreie und entfernte Explosionen liessen ihn unmerklich zusammenfahren. Er wusste, dass sie eine Bedrohung bedeuteten.
Auf einmal drangen laute Stimmen vom Untergeschoss zu ihm herauf. Anscheinend waren seine Schwestern wieder zurück. Er hob seinen Blick zur Tür. Obwohl seine älteren Schwestern laut miteinander redeten, konnte er durch die geschlossene Tür nicht verstehen, was sie sagten. Er zögerte, denn eigentlich wusste er, dass er nicht lauschen sollte. Doch die Umstände erlaubten wohl eine Ausnahme, dachte er. Also legte er lautlos den dicken Schmöker beiseite und glitt vom Bett herunter. Leise huschte er zur Tür und öffnete diese einen Spalt breit. Nun konnte er verstehen, was unten gesprochen wurde.
„Das kann nicht sein! Du irrst dich!", hörte er seine älteste Schwester Melissa verzweifelt rufen:" Philipp kann nicht tot sein! Das darf einfach nicht sein!"
„Stell dich doch nicht so dumm, Lissa. Ich habe gesehen, wie sie ihn mitgenommen haben. Die werden ihn nicht verschonen nur weil er dein Freund ist. Wahrscheinlich verbrennen sie ihn gerade auf ihrem riesigen Scheiterhaufen."
„Sei still! Ich will das nicht hören", erzürnte sich Melissa. Ihre Stimme war von Trauer zerrissenen.
„Du bist selbst Schuld, Lissa. Hättest du von Anfang an auf mich gehört, wäre Philipp jetzt vielleicht nicht tot."
Bei diesen Worten schluchzte seine älteste Schwester auf, wie ein verwundetes Tier.
„Das ist alles meine Schuld! Philipp wollte schon lange nach Haneyra flüchten, aber Ich wollte unbedingt hier bleiben! Ich war so dumm und dachte wir wären sicher und nachdem sie Papa festgenommen haben...", Melissa brach ab. Sie hörte sich überhaupt nicht so an wie sonst. Die Stimme seiner vor Autorität strotzenden Schwester, war getränkt Schuldgefühlen.
„Lass gut sein, Schwesterchen. Dein Geheule bringt uns jetzt auch nichts. Mama und Papa hätten nicht gewollt, dass wir einfach aufgeben und in Selbstmitleid zerfliessen."
„Mama und Papa? Was ist mit ihnen Mira? Hast du sie gesehen?", Melissas Stimme klang ängstlich, als erwartete sie schlechte Nachrichten.
Mirana liess sich Zeit mit der Antwort. Schliesslich flüsterte sie, so dass er sich vor lehnen musste, um sie zu hören.:" Sie sind tot, Lissa. Ich hab gesehen, wie sie sie verbrannten."
Seine Hand rutschte vom Türgriff. Tränen traten in seine Augen. Die Augen starr auf einen Punkt gerichtet, stand er eine gefühlte Ewigkeit stocksteif da, bis die Stimme seiner zweiten Schwester erneut an seine Ohren drang.
„Aber ich verspreche dir, dass ich sie rächen werde. Ich werde jeden einzelnen dieser Bastarde für ihren Tod bezahlen lassen.", Mirana weinte nicht, im Gegenteil. Hass sprach aus ihren Worten und er konnte sich gut vorstellen, wie sie dastand mit ihrem Zauberstab in den Händen, ihrem kurzen, zerzausten Haar und ihren wild glühenden, goldenen Augen.
„Mira tu das nicht. Du kannst sie nicht besiegen ohne deine Zauberkraft!"
„Wozu habe ich mein Schwert? Ich werde nicht panisch versuchen zu flüchten, wie all die anderen Zauberer. Ein Mitglied des Auge des Friedens, kämpft würdevoll", Mirana's Stimme schallte respektheischend durch das gesamte Haus.
„Du spinnst," Melissa seufzte ernüchtert.
„Aber du und Ilan ihr müsst schnellstens von hier verschwinden, sonst kriegen die euch auch noch. Ohne deine Zauberkraft kannst du nichts ausrichten. Ich werde zurück gehen und an Tanya's Seite kämpfen. Schätze du weisst noch, wie unser Fluchtplan aussah ?"
Danny horchte auf. Sein Name war also Ilan.
Er hörte einen Stuhl rücken und schloss das jemand aufgestanden war. Gleich darauf, hörte er Melissas entschlossene Stimme:" Vergiss es, ich gehe hier nicht weg! Nicht solange noch eine winzige Chance besteht, dass Philipp lebt", Sie klang jetzt wieder viel mehr nach sich selbst.
„Schön, aber ich habe keine Zeit mich um Ilan zu kümmern. Tanya wartet auf mich. Ich kann sie jetzt nicht im Stich lassen." Mirana klang ungeduldig und er schätzte, dass sie viel lieber wieder nach draussen in die Schlacht ziehen würde.
„Das habe ich auch nicht erwartet. Ich werde Ilan schon allein in Sicherheit bringen", fauchte Melissa", Geh du nur zu deiner Bande von Rebellen und kämpfe wie eine Heldin",
„Schön, das werde ich!", giftete Mira zurück. Er hörte wie sich Schritte entfernten, dann rief Melissa plötzlich:" Mira, warte!" den Geräuschen nach zu urteilen, hatte sich Melissa gerade in Miranas Arme gestürzt:" Pass auf dich auf."
Miranas Antwort klang erstickt, als würde sie mit den Tränen kämpfen:" Du auch, Schwester. Bring unseren Bruder heil hier raus."
Kurze Zeit später konnte man eine Tür ins Schloss fallen hören, dann war es still.
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Bloody Legend - Coldblood
FantasyDanny, der intelligente Junge mit den Eisblauen Augen. Toby, der Junge der fliegen könnte, wenn er wollte. Ilan, der mit jedem Pinselstrich vergangenes verarbeitet. Ihre Begegnung wird alles verändern. Der neunjährige Danny wächst abgeschottet von d...
