Toby hatte keine Ahnung, wo er sich befand.
Sein Sturz war glücklicherweise von einem weichen Untergrund aufgefangen worden. Er hatte sich sogleich zurückverwandelt und probiert sich zu erheben, doch er war zu erschöpft gewesen. Jemand war neben ihn niedergekniet und hatte grob den Pfeil aus seinem Arm entfernt. Kurz darauf, war Toby ohnmächtig geworden.
Zwischenzeitlich war er jedoch wieder erwacht.
Die Person die ihn gefunden hatte, hatte ihn auf ein Tier mit kurzem, weichem Fell gehievt und ihn weggebracht. Nun trug sie ihn offenbar ächzend durch ein Gebäude, in dem jeder Laut von den Wänden widerhallte.
Toby wusste nicht wo er war, denn er konnte nichts sehen. Sein Entführer hatte ihm einen Sack über den Kopf gestülpt und seine Hände gefesselt.
„Was willst du?" fragte eine ihm fremde Stimme.
„Ich habe ein Geschenk für den grossen, schwarzen Herrscher", zischte sein Entführer zufrieden und tätschelte Toby's Rücken.
Toby erstarrte, als er seine Stimme vernahm. Er kannte ihn. Es war der Mann mit der fürchterlichen Narbe und der Spritze.
Eine Tür öffnete sich und sein Entführer trat ein.
Er lief ein Stück vor und lud Toby dann unsanft ab.
„Seid gegrüsst schwarzer Herrscher. Ich komme im Auftrag meines Meisters, der euch ein kleines Geschenk zukommen lassen möchte, in der Hoffnung ihr würdet euren letzten kleinen Disput vergessen", die Stimme seines Entführers triefte vor Schleim.
„Hör auf zu grinsen", antwortete eine laute Stimme, aus der Dunkelheit heraus. Sie klang so furchteinflössend und gebieterisch, dass Toby das Blut in den Adern gefror.
„Ich kenne dich und deine Fratze, Hank. Und ich kenne deinen Meister. Statt mir Geschenke zu schicken, sollte er sich lieber einmal entscheiden auf welcher Seite er stehen will. Meine Geduld ist bald am Ende."
„Mein Meister hat sich ebendies schon gedacht und euch deshalb diese kleine Botschaft zukommen lassen."
Hank zog Toby harsch am T-Shirt hoch und riss ihm die Maske vom Kopf.
Sie befanden sich in einem hochgewachsenen Saal, mit gigantischen Fenstern. Durch die schweren, dicken Vorhänge war es jedoch beinahe eben so dunkel, wie unter Toby's Maske. Hanks griff brutal in seine Haare und zwang in dazu, zu einem kleinen Podest vor ihnen aufzusehen.
Auf diesem Podest standen je drei Stühle aufgereiht. Der Suhl in der Mitte, wirkte vielmehr wie ein Thron. Der Mann darauf, sass steif und unbeweglich da und Toby erkannte, dass er offensichtlich gelähmt war. Doch er war deshalb nicht minder einschüchternd. Seine schwarzen Augen sahen ihn bösartig und gebietend an.
Toby schluckte. Er wagte nicht die Augen zu schliessen, auch wenn er das starke Bedürfnis danach hatte. Diese Augen konnten ihn binnen eines Lidschlags töten.
Die zwei äusseren Stühle waren kleiner, als derjenige in der Mitte. Auf ihnen sassen zwei junge Männer, beide etwa in Ilans Alter. Während der eine wie die jüngere Version des Mannes wirkte und herrisch auf ihn hinabsah, sah der andere eher unsicher und verlegen aus.
„Was soll das sein?", fragte der Mann barsch.
„Nun, dies ist der Freund eines gewissen blauäugigen Jungen, von dessen Fähigkeiten ihr bestimmt schon gehört habt."
„Ein Blauauge, soso. Nicht etwa einer von Emily's Söhnen, oder? Angeblich sollen sie ja beide tot sein.",hasserfüllt blickte der Mann auf Hank hinab.
Doch dieser grinste nur:" Der Junge, den ich meine ist zehn Jahre alt und soll sich zurzeit gerade in Haneyra befinden. Dort habe ich auch seinen Freund hier aufgelesen, einen Gestaltwandler der sich in einen Falken verwandeln kann.", Hank trat ihm mit der Schuhspitze hart in die Rippen.
Toby fiel stöhnend vorüber.
Der Mann mit den schwarzen Augen meinte kalt:"Ich soll mich also vor einem zehnjährigen fürchten? Die Mauern um Haneyra sind gefallen und die Halbblüter in die Stadt eingefallen. Der Junge wird wahrscheinlich schon tot sein. Ausser er besässe tatsächlich diese herausragenden Fähigkeiten"
Ob seines abschätzigen Blicks, stieg Wut in Toby auf. Er richtete sich auf und sah ihm furchtlos in die Augen:" Ihr solltet tatsächlich Angst vor Danny haben. Er ist weitaus mächtiger, als alles was ihr bisher kennt."
„Wie mächtig?"die schlitzartigen Augen des Mannes verengten sich noch weiter, als sie sich auf Toby richteten.
Toby öffnete gerade den Mund um etwas zu erwidern, da wurden sie von einem der Wächter unterbrochen.
„Grosser Herrscher, ich möchte euch nicht verärgern aber das solltet ihr euch ansehen", der Wächter wies zum Fenster hin, dessen Vorhang ein anderer sogleich aufriss. Blendende Helligkeit strömte in den Saal. Als sich Toby's Augen an das Licht gewöhnt hatten, erkannte er was der Wächter gemeint hatte. Vor dem Fenster herrschte ein regelrechtes Schneegestöber. Abertausende kleine Flocken wirbelten wild durcheinander.
Toby's Augen wurden gross. Noch nie zuvor hatte er Schnee gesehen. Ihm war sofort klar, wer dafür verantwortlich war. Niemand anderes wäre dazu im Stande.
„So mächtig", meinte er grinsend.
Erzürnt sah der Schwarzäugige aus dem Fenster und meinte ruhig:" Sperrt den Mischblüter in das dunkelste Kellerloch. Dort soll er verrotten, bis sein kleiner blauäugiger Freund kommt um ihn zu retten."
Zwei Wächter kamen auf Toby zu, doch er dachte nicht daran mit ihnen zu gehen. Energisch riss er sich von Hank los und stand mühsam auf:" Danny braucht mich nicht zu retten. Ich bin ein Vogel und ihr könnt mich nicht einsperren."
Seine Verwandlung sprengte seine Fesseln. Schmerz zuckte durch seinen verletzten Arm. Angestrengt flatternd erhob er sich. Doch in der Luft musste er mit Schrecken feststellen, dass es keinen Fluchtweg gab. Alle Türen und Fenster waren zugesperrt. Verzweifelt versuchte er sich in der Luft zu halten.
Da ertönte ein Schuss, der in dem grossen Saal bedrohlich widerhallte.
Die dazugehörige Kugel bohrte sich sogleich in Toby's Brustkorb und riss ihn auseinander.
Geschlagen sackte er zu Boden.
„Verzeihung, aber ich hatte schon so lange das Bedürfnis das zu tun", Hanks Augen funkelten erheitert, als er den Revolver behutsam zurück in seinen Gürtel steckte.
Der Mann auf dem Podest ignorierte ihn.
„Stopft ihn aus und stellt ihn zu den anderen", wies er einen seiner Wächter an.
Dieser ging zu dem stattlichen Falken hin, der nun leblos am Boden lag.
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Bloody Legend - Coldblood
FantasyDanny, der intelligente Junge mit den Eisblauen Augen. Toby, der Junge der fliegen könnte, wenn er wollte. Ilan, der mit jedem Pinselstrich vergangenes verarbeitet. Ihre Begegnung wird alles verändern. Der neunjährige Danny wächst abgeschottet von d...
