Alan betrat die Hochebene. Sie lag geschützt am Rande der Lagune. Zwei Hängematten, gestützt von starken Palmstämmen, dienten Ihnen als Betten. Daneben hingen reichhaltige Fruchtkörbe. In der Mitte des Bodens, war eine Vertiefung eingelassen, in der sich sprudelndes heisses Wasser befand.
Irgendwo in dem dunkel und still daliegenden Jungle, konnte er einen Vogel Schreien hören. Die Grillen zirpten ohne Unterlass. Langsam fiel die Anspannung von ihm ab.
Er war Azura extrem dankbar, dass sie sich die Zeit genommen hatte, um seine beiden Jungs besser kennenzulernen. Es war ihre Idee gewesen gemeinsam zu Abend zu essen. Sie hatte neben Danny gesessen und sich angeregt mit ihm unterhalten.
Alan schöpfte Hoffnung. Azura schien Danny zu mögen, sonst hätte sie sich nicht die Mühe gemacht. Wenn sie sich für ihn einsetzten würde, ständen seine Chancen nicht schlecht. Jedoch verstand er auch, dass Azura im Sinne ihres Volkes handeln musste.
Ein zufriedenes grunzen durchbrach die Idylle.
Lächelnd trat Alan an die Hängematte, in der sich Toby wie ein Embryo zusammen gekauert hatte. Seine langen Beine hatten dabei nicht mehr Platz gefunden und ragten heraus.
Er schien ungewohnt friedlich und angstfrei, wie er da schlafend an seinem Daumen nuckelte.
Alan erinnerte sich erneut an Azuras Worte. Ihrer Meinung nach, rührte Tobys Abneigung ihm gegenüber, von der Angst her, Alan wolle ihm Danny ausspannen.
Alan selbst wäre nie auf diese Idee gekommen.
Ihm war inzwischen klar, dass Tobys Motzen und das Misstrauen, Ausdrücke von Angst und Unsicherheit waren.
In der Dunkelheit erhob sich sanfter Gesang.
Der zauberhafte Laut wurde vom Wind übers Wasser getragen. Er atmete tief ein.
Der leise Singsang entwickelte sich zu einer festen Melodie. Anfangs nur eine einzige Stimme irgendwo in der Dunkelheit, schwoll sie langsam zu einem mächtigen Chor. Von überall her setzten die anderen ein.
Der Klang verbreitete sich über das gesamte Areal. Es hörte sich wunderschön an.
Alan wusste was es damit auf sich hatte.
Lächelnd beugte er sich zu Toby hinab, rüttelte ihn sacht an der Schulter und flüsterte:"Wach auf Toby. Das solltest du nicht verpassen."
Schlaftrunken öffnete Toby die Augen einen Spalt:"Was ist denn?"
"Komm mit", meinte er bloss.
Er trat feierlich an den Rand der Hochebene. Vor ihnen, konnte man die Wipfel der Palmen im dunkeln ausmachen. Darunter lag das Wasser in vollkommener Schwärze.
Toby folgte verwirrt.
Der Chor sang weiterhin in totaler Harmonie.
"Sie singen, na und?", er gähnte.
"Warts ab", grinste Alan.
Toby lehnte sich schläfrig an einen Palmstamm.
Und auf einmal, leuchtete tief im Wasser ein Licht auf. Es schien wie ein Hoffnungsschimmer in der dunklen Nacht. Erst war es allein, dann strahlte anderswo erneut eines auf. Immer mehr Lichter spendeten der Lagune ihre Helligkeit. Bald war das Wasser erleuchtet von einem goldenen Schein.
Plötzlich konnte man die glitzernden Flossen der Meerjungfrauen ausmachen. Ihre Körper schlängelten sich elegant durchs Wasser. Es war als würden sie tanzen. Sie und all die Fische und Pflanzen badeten in purem Gold.
Alan sah Toby von der Seite her an. Dem Jungen stand der Mund offen.
"Faszinierend, nicht?"
"Was ist das?"
"Das Leuchten?"
Toby nickte. Seine Augen schimmerten im Schein des Lichts.
"Es stammt von den Eiern der Meerjungfrauen. Auf diese Weise werden sie befruchtet."
"Mit Gesang?", entfuhr es Toby.
Alan nickte:" Sobald sie aufleuchten, bedeutet dass das sie befruchtet wurden. Daraufhin bildet sich aus dem Ei eine Meerjungfrau. Früher als die Wassermänner auch mitsangen, schlüpften auch von ihnen Nachfolger. Aber seit sie verschwunden sind, sind die Meerjungfrauen ziemlich einsam."
"Violet und die anderen haben mich gebeten für sie zu singen", fiel Toby ein.
"Das solltest du nicht tun, wenn du nicht plötzlich Vater werden willst. Vor allem ist die Gefahr gross, dass es ein verkrüppeltes Kind werden würde."
Toby stiess hörbar erleichtert die Luft aus. Gefesselt beobachtete er weiterhin das aussergewöhnliche Spektakel.
Alan fiel auf das sich sein Kopf zum Takt der Musik bewegte. Er zögerte.
"Ich wollte noch mit dir reden", begann er schliesslich;" Ich habe manchmal das Gefühl, als ob du denken würdest ich wolle dir Danny wegschnappen. Deshalb wollte ich dir versichern, dass ich das nie tun würde und falls es so rüberkam tut es mir leid."
Verwundert sah Toby ihn an:" Nein, so ist das nicht", beschämt senkte er den Kopf;" Ich habe einfach Angst Danny könnte dich lieber mögen, als mich. Ich mein es wäre verständlich. Du bist...", er brach seufzend ab.
Alan erkannte plötzlich, das Toby insgeheim zu ihm aufsah. Er fühlte sich peinlich berührt.
"Wie kannst du nur denken, dass Danny mich lieber hat als dich. Du bist ein toller Junge, Toby. Das warst du schon immer."
Toby schien nicht überzeugte und sah verlegen zu Boden.
"Manchmal könntest du dich vielleicht etwas zurücknehmen und erst denken, bevor du etwas sagst. Aber du bist ehrlich und aufrichtig und das schätze ich an dir. Und wenn alles anders gelaufen wär dann....", Alan seufzte. Dann setzte er ein Lächeln auf, legte freundschaftlich die Hand auf Toby's Schulter und bezeigte mit der anderen einen grossen Bogen:" Schau wie weit wir schon gekommen sind. Du kannst stolz auf dich sein."
"Schätze es ist nicht schlecht für einen Jungen, der sein gesamtes bisheriges Leben allein und abgeschottet mit seiner Mutter verbracht hat."Toby schnitt eine Grimasse.
"Ganz und gar nicht", entgegnete Alan.
Er liess seine Hand auf Tobys Schulter ruhen. Gemeinsame lauschten sie dem langsam leiser werdenden Gesang.
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Bloody Legend - Coldblood
FantasyDanny, der intelligente Junge mit den Eisblauen Augen. Toby, der Junge der fliegen könnte, wenn er wollte. Ilan, der mit jedem Pinselstrich vergangenes verarbeitet. Ihre Begegnung wird alles verändern. Der neunjährige Danny wächst abgeschottet von d...
