Toby bemühte sich angestrengt Alans ewiges Gelaber zu ignorieren.
Es waren einige Tage vergangen und nachdem er anfangs das Gefühl gehabt hatte, seine Muskeln noch nie so intensiv gespürt zu haben, fühlte er inzwischen so gut wie gar nichts mehr.
Seine Füsse waren taub geworden. Seine Lunge, die bei jedem Anstieg gebrannt hatte, gewöhnte sich langsam einen gleichmässigen Atemrhythmus an. Somit war auch das unaushaltbare Seitenstechen verschwunden.
Toby trottete nur noch, wie mechanisch vor sich hin. Danny war es ähnlich ergangen.
Für sie beide war sportliche Aktivität, bis jetzt immer ein Fremdwort gewesen. Dementsprechend schwer, taten sie sich mit der stundenlangen Bewegung.
Hinzu kam, das es hier unten in den endlosen Gängen, düster und trostlos war. Es schien Toby Ewigkeiten her, seit er das letzte Mal das Sonnenlicht erblickt hatte. Das einzige Licht das sich ihnen bot, war die Flamme der Fackel.
Er hatte jegliche Orientierung verloren. Weder wusste er, was für ein Tag es war, noch wie lange sie sich schon hier unten befanden oder wie weit sie überhaupt gekommen waren. Ihm war noch nicht mal richtig bewusst, in welche Richtung sie überhaupt gingen. Für ihn, sah alles immer gleich aus.
Doch damit nicht genug. Denn zu allem Überfluss, hatte Alan auch noch mit seinem scheinbar nie enden wollenden Gerede angefangen.
Ihm war die schlechte Stimmung, die sich in der dunklen Umgebung ausgebreitet hatte, keinesfalls entgangen. Also begann er, ihnen Geschichten zu erzählen.
Danny lauschte mit Begeisterung Alans Stimme, die in bunten Farben, erfundene Ereignisse schilderte. Toby jedoch, empfand das ganze als sehr nervtötend. Verbissen versuchte er, den Erzählungen Alans keine Beachtung zu schenken. Er wollte ihm auf keinen Fall das Gefühl geben, er würde ihm nun vollständig vertrauen.
Toby sah zu Danny. Das blasse Gesicht des Jungen, erhielt im Schein der Fackel ein geisterhaftes Aussehen. Er wusste, dass er versuchen musste, den Kleinen von seinem Plan abzubringen. Danny musste begreifen, wie gefährlich es war, auf die andere Seite zu gehen. Doch bis jetzt hatte sich noch keine günstige Gelegenheit ergeben, mit ihm zu sprechen.
Immer weiter, führte Alan sie souverän durch das Tunnelsystem. Steil bergauf und bergab, sowie geradeaus. Der Weg schien sich endlos hinzuziehen.
Eines Abends, sah Toby seine Chance mit Danny zu reden gekommen.
Alan war duschen gegangen. Jede Nacht zauberte er eine neue Unterkunft, buchstäblich aus dem Nichts hervor. Er musste diesen Weg wohl schon öfter gegangen sein. Das stimmte Toby erneut misstrauisch. Wenn doch keiner der Mischblüter von den unterirdischen Gängen wusste, woher hatte Alan dann seine Kenntnis darüber.
Danny und er, wärmten sich unterdessen an dem kleinen Ofen der im Zimmer stand.
"Alan hat mir erzählt ihr wollt auf die andere Seite", begann Toby unverfänglich.
"Ja", gab Danny schlicht zurück, ohne seine Augen vom prasselnden Feuer zu nehmen. Er schien mit seinen Gedanken, schon wieder ganz woanders.
Toby seufzte innerlich. Es würde schwer sein, Dannys Aufmerksamkeit zu erreichen.
"Dir ist bewusst, wie gefährlich das ist?"
"Es kann nicht viel gefährlicher sein, als hier zu bleiben. Auch hier, werden wir gejagt."
"Ja, aber wir sind entkommen. Drüben ist es ganz anders. Den Kreaturen dort, kann niemand entkommen. Da ist an Flucht nicht mal zu denken", um seine Worte zu untermalen, gestikulierte er wild mit den Händen.
"Von was für Kreaturen sprechen wir?", Danny hob Kopf. Zu Tobys Unmut klang er jedoch vielmehr neugierig, als verängstigt.
"Wesen die schneller, stärker und brutaler sind, als wir. Sie ernähren sich von Schmerz und Tod, andere von Blut", probierte Toby es weiterhin.
"Ich weiss wovon du sprichst. Du redest von Vollblütern und Halbblütern", beinahe enttäuscht wandte Danny sich erneut ab;" Sie alle geniessen einen sehr schlechten Ruf."
Toby verdrehte die Augen, als Danny schon wieder mit seiner Theorie, verschiedener Augenfarben anfing:"Das ist nicht bloss ein Ruf, das ist die Wahrheit."
Danny antwortete nicht, starrte bloss weiterhin ins Feuer.
"Weisst du eigentlich, wohin Alan uns führt? Wo die andere Seite liegt? Wir sind nun schon ewig hier unten", erzürnte sich Toby, ob Dannys Gleichgültigkeit.
"Frag ihn doch selbst", antwortete Danny nüchtern.
Toby fühlte sich vor den Kopf gestossen. Es widerstrebte ihm sich vor Alan die Blösse zu geben, aber das hätte er vor Danny natürlich nie zugegeben.
"Vielleicht morgen, jetzt bin ich zu müde", meinte er eingeschnappt.
Später im Bett, zog er sich die Decke so tief es ging über den Kopf. Sollten sie doch tun, was sie wollten.
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Bloody Legend - Coldblood
FantasyDanny, der intelligente Junge mit den Eisblauen Augen. Toby, der Junge der fliegen könnte, wenn er wollte. Ilan, der mit jedem Pinselstrich vergangenes verarbeitet. Ihre Begegnung wird alles verändern. Der neunjährige Danny wächst abgeschottet von d...
