"Danny, warte!", Alan lief schneller um zu dem Jungen aufzuschliessen.
Dieser war geduldig stehen geblieben und schaute mit seinem engelsgleichen Gesicht zu ihm auf.
Angespannt kam Alan neben ihm zu stehen:"Ich hab gehört worüber Toby und du geredet habt. Es tut mir leid, dass ich eure Freundschaft so belaste."
"Das hat doch nichts mit dir zu tun", meinte der Kleine sanft.
"Ich verstehe weshalb Toby misstrauisch ist. Aber es gibt nichts zu verbergen. Du kannst den Raum sehen, wenn du willst", um zu zeigen, dass er es ernst meinte, kramte Alan eifrig den Schlüssel aus seiner Tasche und hielt ihn Danny hin.
Als Danny behutsam danach griff, zitterte Alans Hand heftig, was dem Jungen keineswegs entging.
"Warum fällt es dir so schwer jemanden in dem Raum zu lassen?", fragte er und beobachtete Alan eingehend.
Alan merkte wie sich ungewollt, ein Klos in seinem Hals bildete:" Es ist nichts schlimmes. Ich hab darüber nur nie mit jemandem gesprochen. Man gewöhnt sich allzu schnell ans Alleinsein", hilflos zuckte er mit den Schultern.
Danny nickte. Er verstand.
Alan lächelt zustimmend als der Junge sich in Bewegung setzte.
"Willst du nicht mitkommen",Danny blieb stehen.
Alan schüttelte den Kopf:" Nein schon okay. Geh ruhig allein."
Einsam blieb er auf der Treppe zurück.
Alan schaute auf die Uhr. Es war schon einiges an Zeit vergangen, seit er Danny den Schlüssel für das Zimmer gegeben hatte. Seitdem hatte er, ohne es zu wollen, öfters nervös zur Uhr hinaufgeblickt.
Denn obwohl er erst neun Jahre alt war, gab Alan viel auf die Meinung des intelligenten Jungen.
Unruhig legte er die Zeitung weg und atmete erstmal tief durch, bevor er sich aus dem Sessel erhob.
Er begriff selbst nicht, warum ihn das ganze so aufwühlte. Wahrscheinlich fürchtete sich einfach davor, dass alles wieder hochkam.
Bedacht machte er sich auf den Weg Richtung Galerie.
Licht floss aus dem Zimmer, hinaus auf die Galerie. Daraus schloss Alan, dass die Zimmertür offen stand.
Als er in den Türrahmen trat, wurde er sich einmal mehr der Schönheit des Raumes bewusst.
Die Sonnenstrahlen die durch die grossen, bis zum Boden reichenden Fenster drangen, fluteten den gesamten Raum. Eine erfrischende Sommerbrise wehte durch eins der offenen Fenster. Die letzten Tage waren die Temperaturen immer wärmer geworden.
Einer der weissen Seidenvorhänge, schien mit dem Wind zu tanzen und malte Schatten auf die mit Stuck verzierten Wände.
Und mittendrin sass Danny auf dem Parkettboden. In seinen Augen glühten blaue Flammen.
"Hast du die alle gemalt?", fragte er eindringlich.
Alan nickte unsicher.
Daraufhin lächelte Danny anerkennend.
Für eine Weile, sass er einfach nur da, ohne Alan aus den Augen zu lassen. Er schien nachzudenken.
Alan unterdessen, stand unruhig im Türrahmen.
Dann erhob Danny unerwartet seine Stimme:"Adrian. Wer ist das?"
Die Wände waren rein weiss. Als Alan den Raum zu ersten Mal betreten hatte, waren sie ihm nackt vorgekommen, geradezu schutzlos. Dies hatte den Ausschlag für ihn geben, die Bilder zu malen. Es war wie ein Rausch gewesen. In kürzester Zeit hatte er vier Bilder gemalt. Für jede Wand eines.
Alle vier besassen eigene, individuelle Rahmen. Er war selbst überrascht gewesen wie perfekt die Bilder in den Raum passten. Es schien, als wäre der Raum erst mit den Bildern komplett.
Abwartend schaute Danny zu ihm hinauf.
Alans Blick zog es unwillkürlich zu einem Bild, auf dem ein junger Mann, etwa in seinem Alter abgebildet war.
Dessen goldbraune Augen blickten warmherzig. Zusätzlich wurde sie untermalt von einem geduldigen Lächeln.
Unterhalb des Bildes, auf einem kleinen Messingschild stand sein Name: Adrian.
Ein bedrücktes Lächeln schlich sich auf Alans Gesicht. Er richtete sich auf:"Adrian war der weiseste Mann den ich jemals getroffen habe."
Der Junge drehte sich in Richtung des lebensnahen Portraits, betrachtete es erneut eingehend.
"Er sieht gar nicht so weise aus", meinte er schliesslich.
Alan lachte:" Wie sieht denn für dich, ein weiser Mann aus?"
"Na, viel älter und mit Bart."
Alan musste immer noch schmunzeln. Er verstand was Danny meinte. Ihm war es damals gleich ergangen. Langsam trat er näher an das Bild heran.
Adrian war noch ziemlich jung gewesen, als er sie aufgenommen hatte. Trotzdem war er ihm immer so erwachsen vorgekommen. Seine Haare waren immer perfekt gescheitelt gewesen und seine Hemden ohne jegliche Falten. Noch immer, konnte er sich lebhaft an jede einzelne Unterrichtsstunde erinnern, die er bei ihm gehabt hatte. Er hatte es geliebt sich neues Wissen anzueignen und Adrian hatte mehr gewusst, als jeder andere.
" Er hat uns immer Geschichten erzählt, die er auf seinen Reisen gesammelt hat", erklärte er;" Adrian selbst war Arzt. Er ist viel rumgereist bevor sie ihn geschnappt haben."
"Darum der Name Walker?"
Alan nickte versunken, dachte an früher.
Danny sass still auf dem Boden und beobachtet ihn mit wachem Blick.
"War er ein Freund von dir?"
Die vertraute Stimme das Jungen, brachte Alan zum Reden:" Eigentlich, war er eher wie ein grosser Bruder für mich", entwaffnet nahm er die Brille vom Gesicht und wischte sich über die Augen.
Danny nickte wissend. Langsam wandte er sich dem nächsten Bild zu.
"Johanna Star", sagte er feierlich. Offenbar kannte er jeden ihrer Namen auswendig.
" Jo, das Mädchen, dass nach den Sternen griff", murmelte Alan, mehr zu sich selber;" Sie war das widerspenstigste und eigensinnigste Mädchen das mir je untergekommen ist."
Niemand hätte Jo je etwas vorschreiben können. Sie war nicht zu bändigen gewesen.
Vom Bild schauten ihre grün-grauen Augen herausfordernd auf einen hinab. Ihr hellblondes Haar war wie so oft zu einem Pferdeschwanz gebunden. Ihre Haut war blass und ebenmässig bis auf ein paar einzelne Sommersprossen, die sich in in ihrem Gesicht und auf den Armen tummelten. Er hatte sie im Alter von dreizehn Jahren gemalt, das letzte Mal als er sie sah.
Danny zog es weiter. Das nächste Bild musste für ihn von grosser Bedeutung sein, dies war Alan bewusst.
Ergriffen starrte der Kleine zu dem Bild hoch, sah seinem Ebenbild in die Augen.
Der abgebildete Junge war zehn Jahre alt. Die Haut blass, die Haare dünn blond und widerspenstig. Sein Gesicht zart und zerbrechlich. Sein verschmitztes Grinsen, spiegelte sich auch in seinen Augen wieder. Seinen eisig blau glühenden Augen.
Alan trat hinter Danny:"Matty", teilte er ihm mit leisen Worten mit;" Er war ein frecher und ausgelassener Junge, trotz allem."
" Seine Augen", flüsterte Danny ehrfürchtig und drehte den Kopf zu ihm herum;" Er ist ein Kaltblut, genau wie ich."
Alan bejahte zögernd.
"Dann bin ich doch nicht der einzige", Danny's Augen leuchteten hoffnungsvoll.
Alan schmerzte es sehr ihn enttäuschen zu müssen:" Danny, es tut mir leid. Aber ich weiss wirklich nicht ob Matty überhaupt noch lebt. Ich habe ihn jahrelang nicht mehr gesehen. Sie alle nicht", reumütig sah er zu den anderen Bildern. Sie waren seine Familie gewesen.
Nachdenklich zog der Kleine die Beine an und legte den Kopf auf die Knie.
"Sie auch nicht?", fragte er urplötzlich. Er schaute dabei zu dem Bild, vor dem sich Alan am meisten fürchtete.
Sein Herz setzte einen Moment aus, als er ihren Namen aufsagte.
" Elea."
"Ja, auch sie nicht", er konnte nicht verhindern das seine Stimme brach.
Danny registrierte es still. Er musterte das Bild eingehend:" Sie war hübsch."
Das war sie in der Tat gewesen. Er brauchte sich das Bild gar nicht erst anzusehen, um sich an ihre scheu blickenden, lilafarbenen Rehaugen erinnern zu können. Ihr langen Haselnussbraunen Haare, die ihr in sanften Wellen auf die Schultern fielen, hatten immer wunderbar nach Lavendel gerochen. Auch der ängstlich, beinahe traurige Blick war ihm geblieben. Dieser verfolgte ihn noch oft in seinen Träumen. Nur schwach konnte er sich an die lachende, lebensfrohe Elea erinnern. Das Mädchen in das er sich damals verliebt hatte.
Er blickte zu Boden. Hastig nahm er sich die Brille von der Nase und wischte sie an seinem Jackett ab.
" Du hast sie geliebt nicht war", durchdrang Dannys sanftmütige Stimme, den Schleier der Vergangenheit:" Oder viel mehr, liebst du sie immer noch."
Alan viel beinahe die Brille aus den Händen. Zerstreut schüttelte er den Kopf:" Das hab ich einmal, leider hat es nicht auf Gegenseitigkeit beruht."
" Hat sie dir das gesagt?"
"Das musste sie nicht", niedergeschlagen setzte er die Brille auf und liess die Schultern hängen.
Danny sah ihn lange an, durchbohrte ihn mit seinem Blick.
Dann bedeutete er Alan zu ihm hinzukommen und sich hinzuknien. Anschliessend flüsterte er ihm ins Ohr:" Weisst du, warum ich immer noch daran glaube, dass meine Geschwister leben?"
Alan schüttelte den Kopf. Er kannte inzwischen die traurige Familiengeschichte des Jungen.
"Weil sie sich nie verabschiedet haben. Ich glaube erst daran, dass sie tot sind wenn sie es mir selber gesagt haben."
Mit diesen Worten drückte er ihm den Zimmerschlüssel in die Hand:" Danke, dass du das mit mir geteilt hast", flüsterte er noch, dann stand der Blondschopf lächelnd auf und verliess das Zimmer.
Alan blieb perplex zurück. Langsam ging die Sonne unter.
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Bloody Legend - Coldblood
FantasyDanny, der intelligente Junge mit den Eisblauen Augen. Toby, der Junge der fliegen könnte, wenn er wollte. Ilan, der mit jedem Pinselstrich vergangenes verarbeitet. Ihre Begegnung wird alles verändern. Der neunjährige Danny wächst abgeschottet von d...
