22:34
Die Minuten verstrichen langsam, und die Ungewissheit nagte an mir. Ich beschloss, es mir gemütlich zu machen und zog ein langes Shirt von Jamal an, das mir bis zu den Knien reichte. Der vertraute Geruch beruhigte mich ein wenig, doch die Sorge ließ mich nicht los.
Plötzlich vibrierte mein Handy. Es war eine Nachricht von Jamal.
Mach bitte die Tür auf.
Ich sprang auf und eilte zur Tür. Als ich öffnete, sah ich Jamal, der Sina in seinen Armen hielt. Sie sah schrecklich aus. Ihre Nase blutete und sie hatte ein blaues Auge. Schockiert half ich Jamal, sie ins Haus zu bringen.
"Setz sie auf die Couch" sagte ich schnell, "wir müssen sie ins Krankenhaus bringen."
Jamal lachte leise, während er einen Erste-Hilfe-Kasten hervorholte.
"Meine Jungs sehen fast immer so aus, und es ist nie was passiert. Keine Sorge, ich kümmere mich darum."
Er begann, Sina zu verarzten, während ich in die Küche lief und ihr ein Glas Wasser holte. Als ich zurückkam, murmelte Sina eine Entschuldigung.
"Es tut mir leid, dass ich euch gestört habe."
"Alles gut, mach dir kein Kopf. Das wichtigste ist jetzt, dass es dir besser geht" versicherte ich ihr und setzte mich neben sie.
Jamal warf mir einen dankbaren Blick zu, bevor er sich wieder auf Sinas Verletzungen konzentrierte.
"Was ist passiert?" fragte ich vorsichtig.
Sina seufzte und begann zu erzählen, ihre Stimme bebte vor Emotionen.
"Mein Bruder Ali... er hat mich geschlagen, weil ich nicht auf ihn hören wollte. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, also habe ich Jamal angerufen. Ali hat Angst vor ihm."
Jamal legte eine Hand auf ihre Schulter und zog sie in eine feste Umarmung.
"Alles wird gut, Sina. Ich bin hier."
"Ich verstehe das alles nicht. Jamal, warum tut er mir das an? Ich bin doch seine kleine Schwester" weinte sie und klammerte sich an ihm.
Tränen rannen über Sinas Wangen, und sie vergrub ihr Gesicht in Jamals Brust. Es war ein intimer Moment, der mich tief berührte. Ich konnte nicht anders, als die Verletzung und Eifersucht zu spüren, während ich beobachtete, wie Jamal Sina tröstete.
Sein Blick suchte meinen, und für einen kurzen Moment hielten wir Augenkontakt. Doch die Intensität dieser Verbindung war zu viel für mich, und ich schaute schnell wieder weg. Die Realität unserer komplizierten Beziehung drückte schwer auf mir.
Jamal fuhr fort, Sina zu beruhigen, während ich mich hilflos fühlte. Ich wusste, dass Jamal ein großes Herz hatte und für seine Freunde immer da war, aber es schmerzte trotzdem, diese Seite von ihm mit jemand anderem teilen zu müssen.
[...]
Sina schlief schließlich im Gästezimmer ein, und ich machte mich daran, die Küche aufzuräumen. Meine Gedanken waren ein einziges Chaos. Während ich die Teller spülte und die Arbeitsfläche abwischte, fühlte ich eine kalte Distanz zwischen Jamal und mir. Jamal stand plötzlich im Türrahmen, seine Augen voller Reue.
"Es tut mir leid, dass der Abend so endet" sagte er leise.
Ich nickte nur, ohne ihn anzusehen. Die Distanz zwischen uns fühlte sich unüberwindbar an. Jamal bemerkte meine Zurückhaltung und trat näher.
"Jiyan, bitte... versteh mich" bat er und griff nach meiner Hand.
"Verstehen? Ich soll dich verstehen?" Fragte ich fassungslos.
Ich zog meine Hand weg und drehte mich zur Tür, entschlossen, die Küche zu verlassen. Doch er hielt mich fest und drehte mich zu sich um.
"Was ist los?" fragte er eindringlich.
"Jamal," begann ich, meine Stimme zitterte vor unterdrückten Gefühlen.
"ist dir überhaupt klar, was wir vorhatten, bevor Sina hier aufgetaucht ist?"
Sein Gesichtsausdruck veränderte sich, als er die Bedeutung meiner Worte verstand.
"Jiyan, das ist nicht... es war einfach-"
"Wir waren kurz davor, miteinander zu schlafen!" fuhr ich fort, meine Stimme zitterte vor Emotionen.
"Dir war das egal." Sagte ich leise. Jamal schüttelte den Kopf.
"Das stimmt nicht. Es war mir nicht egal."
"Was ist Sina für dich?" fragte ich sofort, die Stimme vor Anspannung zitternd.
Jamal schwieg. Er wusste nicht, was er sagen sollte, und seine Unsicherheit machte mich nur noch wütender.
"Was? Hast du nichts zu sagen?" fragte ich genervt und wollte wieder gehen, aber er hielt mich erneut fest.
"Wir können morgen darüber reden" schlug er vor, aber ich verneinte entschieden.
"Es hat keinen Sinn" sagte ich und ging ins Schlafzimmer.
Das Bett schien der einzige Ort zu sein, wo ich mich in diesem Moment sicher fühlen konnte. Kaum hatte ich mich hingelegt, kam Jamal nach und legte sich neben mich. Mit einer vorsichtigen Bewegung zog er mich von hinten zu sich, seine Wärme und Nähe waren beruhigend, doch mein Herz war schwer.
"Ich wollte nichts mehr, als heute Abend mit dir zu sein" flüsterte er in mein Ohr.
"Aber ich kann nichts dafür, dass es so gekommen ist."
Seine Worte durchdrangen die Mauer, die ich um mein Herz gebaut hatte. Er erklärte mir, wie sehr er mich liebte, wie sehr er unsere gemeinsame Zeit schätzte. Seine Stimme war sanft, und obwohl ich mich innerlich sträubte, spürte ich doch, dass er ehrlich war.
"Tut mir leid, dass ich nicht sofort alles abgebrochen habe, als Sina anrief" sagte er schließlich.
"Aber sie brauchte meine Hilfe. Die hat es zurzeit wirklich nicht leicht. Das bedeutet nicht, dass ich dich weniger liebe."
Die Worte drangen zu mir durch, doch sie konnten den Schmerz nicht ganz lindern. Tränen stiegen in meine Augen, und Jamal bemerkte es. Er hielt mich noch fester und küsste meinen Nacken, was eine sanfte Gänsehaut über meine Haut jagte.
Jamal tröstete mich, streichelte mein Haar und flüsterte beruhigende Worte. Dann küsste er mich, seine Lippen sanft und doch verlangend. Er drehte mich auf den Rücken und nahm meine Hände in eine Hand, während er mein Körper erkundigte mit der anderen Hand.
Er verteilte Küsse an meinen Hals und beugte sich über mich. Seine Berührungen waren warm und voller Sehnsucht. Er wollte mir das Shirt ausziehen, doch ich hielt ihn dann schnell fest. Ich schaute ihn verunsichert, meine Lippen zitterten vor Unsicherheit und er verstand sofort.
"Es tut mir leid-"
"Shh, alles gut. Entschuldige dich nicht" sagte er leise und küsste meine Stirn.
"Du möchtest warten?" Fragte er.
"Ja" antwortete ich und er legte sich wieder neben mich.
Er zog mich in seine Arme und hielt mich fest, als würde er mich nie wieder loslassen wollen. Er küsste immer wieder meine Stirn und entschuldigte sich mehrmals.
"Ist schon gut, Jamal" sagte ich leise.
"Ich liebe dich, Jiyan" hauchte er.
"Glaub mir, mehr als du dir jemals vorstellen kannst" fügte er hinzu.
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in meiner Welt
FanfictionJiyan und Jamal leben in zwei völlig unterschiedlichen Welten. Sie stammt aus einem guten Elternhaus und träumt von einer strahlenden Zukunft. Er hingegen kämpft ums Überleben auf den Straßen, verstrickt in Drogenhandel, um seine Familie über Wasser...
