4 Monate später
20:34
Es vergingen Monate, in denen ich mich auf meine neue Richtung konzentrierte. Nach langem Überlegen und vielen Gesprächen mit Beratern und meinen Eltern entschied ich mich, einen Studiengang im Bereich Business zu beginnen. Ich hatte mich gründlich informiert, Praktika gemacht und Vorlesungen besucht, um sicherzustellen, dass dies der richtige Weg für mich war. Meine Tage waren erfüllt von Vorlesungen, Lernen und Praktikumsterminen. In dieser Zeit hatte ich Jamal fast völlig vernachlässigt, ohne es wirklich zu wollen. Wir schrieben uns und telefonierten ab und zu, aber die intensive Zeit, die wir während unserer Reise in Madrid verbracht hatten, war nicht mehr vorhanden. Ich konnte mich nicht ablenken lassen; ich wollte meine Eltern nicht erneut enttäuschen, weil sie hohe Erwartungen an mich hatten.
Der Neuanfang im Studium bedeutete zwar eine Verzögerung, aber ich glaubte fest daran, dass Gott einen Plan für mich hatte und mich nicht im Stich lassen würde. Trotz dieser Überzeugung war ich zunehmend genervt, weil Jamal sich oft meldete und ich meistens nicht antwortete. Er merkte es, sagte aber nichts.
Eines Abends war ich mit meinen neuen Freunden in der Bibliothek. Yassin, Aymen, Leyla, Yara und Diana waren alle ehrgeizig und unterstützten sich gegenseitig. Es tat gut, Freunde zu haben, die das gleiche Ziel verfolgten wie ich. Trotzdem war ich erschöpft. Die endlosen Stunden des Lernens und Schreibens zehrten an meinen Kräften. Ich kämpfte immer wieder mit dem Schlaf und nickte mehrmals ein, nur um dann wieder aufzuwachen und mich zu zwingen, weiterzumachen. Ich wollte unbedingt meine Arbeit zu Ende bringen, aber die Erschöpfung machte es mir schwer.
Die Stunden vergingen und einer nach dem anderen verließ die Bibliothek. Schließlich blieb nur noch Yassin übrig. Er beobachtete mich eine Weile, bevor er eine kleine Tüte aus seiner Tasche zog und sie mir hin hielt.
"Was ist das?" fragte ich, meine Augen verengt vor Müdigkeit und Misstrauen.
"Adderall," sagte er leise.
"Es hilft dir, dich besser zu konzentrieren. Glaub mir, es wird dir guttun."
Ich war skeptisch und schüttelte den Kopf.
"Ich weiß nicht, Yassin. Ich will keine Drogen nehmen."
Er legte die Tüte auf den Tisch vor mir.
"Überleg es dir. Es kann wirklich helfen. Du kannst es schaffen, Jiyan."
Mit diesen Worten verabschiedete er sich und ging. Ich saß eine Weile da und starrte auf die Tüte. Ich war mir sicher, dass ich sie nicht nehmen würde. Aber die Minuten vergingen und ich konnte einfach keinen klaren Gedanken fassen. Ideen für meinen Aufsatz blieben aus und ich hatte einen totalen Blackout. Ich starrte auf die Pillen.
Nach einer halben Stunde des verzweifelten Starren auf den leeren Bildschirm entschied ich mich, eine der Pillen zu nehmen. Zuerst dachte ich, dass sie nicht wirken würde, aber nach einer Weile begann ich, mich anders zu fühlen. Ein Energieschub durchströmte mich und plötzlich schien mein Kopf klar zu sein. Ideen kamen wie von selbst und ich begann auf Knopfdruck zu schreiben. Die Worte flossen nur so aus mir heraus und ich schrieb schneller, als ich es jemals zuvor getan hatte.
Ich war überrascht, wie effektiv das Adderall war. Es half mir wirklich, mich zu konzentrieren und meine Gedanken zu ordnen. Ich schrieb und schrieb, bis ich endlich meinen Aufsatz fertig hatte. Es war fast drei Uhr morgens, als ich schließlich die Bibliothek verließ. Die Straßen waren leer und still, aber ich fühlte mich wach und belebt.
Während ich nach Hause ging, konnte ich nicht anders, als darüber nachzudenken, was ich getan hatte. Hatte ich die richtige Entscheidung getroffen? Ich wusste, dass es falsch war, Drogen zu nehmen, aber der Druck, erfolgreich zu sein und meine Eltern stolz zu machen, war so groß. Ich konnte es mir nicht leisten, noch einmal zu versagen.
DU LIEST GERADE
in meiner Welt
Fiksi PenggemarJiyan und Jamal leben in zwei völlig unterschiedlichen Welten. Sie stammt aus einem guten Elternhaus und träumt von einer strahlenden Zukunft. Er hingegen kämpft ums Überleben auf den Straßen, verstrickt in Drogenhandel, um seine Familie über Wasser...
