Jamal's Sicht
16:21
Es waren ein paar Tage vergangen, und ich hatte mich mehrmals bei Jiyan gemeldet. Unsere Gespräche waren meist Smalltalk, aber es war seltsam und angespannt zwischen uns. Heute saß ich mit den Jungs im Café, und wir lachten laut über irgendwelche dummen Witze. Alim und Veysel waren wie immer die Hauptakteure, Mali starrte ununterbrochen auf sein Handy und Moussa hörte grinsend zu.
Ich stand an der Theke, um etwas zu trinken zu holen, als ich Jiyan an einem Tisch sitzen sah. Sie war vertieft in ihre Bücher, aber es schien, als hätte sie keine Motivation. Ihre AirPods steckten in ihren Ohren, und ich konnte erkennen, dass sie sich mehr auf den Songtext konzentrierte als auf das, was vor ihr lag.
Safraoui stand neben mir und versuchte, ein Gespräch zu beginnen, aber ich reagierte kaum. Schließlich bemerkte er meinen Blick und schaute in die gleiche Richtung.
"Ist wieder alles in Ordnung zwischen euch beiden?" fragte er neugierig.
Ich schüttelte nur den Kopf.
"Nein, noch lange nicht."
Safraoui seufzte und begann plötzlich zu erzählen.
"Weißt du, Alisa hat heimlich mein Handy genommen und unseren Chats durchgelesen. Deswegen wusste sie alles. Ich hab der komischen nichts erzählt"
Ich seufzte genervt und fragte ihn: "Warum erzählst du mir das erst jetzt?"
Safraoui schaute fragend zu Jiyan und dann wieder zu mir.
"Was willst du eigentlich von Alisa?" fragte ich ihn.
Er zuckte grinsend mit den Schultern.
"Sie ist nur zur Ablenkung da, mehr nicht, kennst du doch." Sagte er.
"Denkst du, dass Jiyan immer noch ernsthaft sauer auf dich ist?" fragte Safraoui.
Ich verdrehte die Augen.
"Natürlich ist sie sauer, das ist doch verständlich."
Ich blickte zu Jiyan zurück und dann wieder zu Safraoui.
"Du musst ihr das selbst erklären," sagte ich entschlossen.
Safraoui nickte und ging auf Jiyan zu. Als er sie beim Lernen störte, schaute sie ihn zuerst verwirrt an, dann bemerkte sie mich. Ich winkte ihr lächelnd zu, und sie erwiderte mein Lächeln schwach. Safraoui sprach leise mit ihr, und ich nutzte die Gelegenheit, an der Kasse für ihren Kaffee zu bezahlen. Ich sagte der Kellnerin, dass sie ihr auch noch ein Stück Schokokuchen und einen Eistee mit Passionsfrucht bringen sollte – ihre Lieblingssachen.
Ich beobachtete, wie Jiyan und Safraoui eine Weile miteinander sprachen. Schließlich stand sie langsam auf, wirkte verständnisvoll, und am Ende umarmten sie sich. Das brachte mich zum Lächeln. Als Safraoui zurückkam, klopfte er mir kurz auf die Schulter, und ich beobachtete Jiyan weiterhin. Sie blieb noch stehen und schaute mich wartend an.
In diesem Moment kam die Kellnerin mit den Sachen, die ich für Jiyan bestellt hatte. Sie sah die Kellnerin verwirrt an und sagte etwas, aber die Kellnerin zeigte auf mich. Jiyan schien es dann zu verstehen. Ich ging lächelnd auf sie zu.
"Hey, alles klar?" fragte ich sie locker.
"Hey," antwortete sie leise, ihre Augen suchten meine.
"Hast du das bestellt?" fragte sie und deutete auf den Kuchen und den Eistee.
"Ja, ich dachte, das könnte dir den Tag ein bisschen versüßen," sagte ich grinsend.
"Danke," sagte sie und setzte sich wieder an ihren Tisch. Ich nahm mir einen Stuhl und setzte mich ihr gegenüber.
"Wie läuft's mit dem Lernen?" fragte ich und versuchte, die Stimmung aufzulockern.
"Geht so," antwortete sie.
"Ich hab irgendwie keine Motivation. Die ganze Sache belastet mich noch ziemlich."
"Versteh ich," sagte ich.
"Aber du weißt, dass ich für dich da bin, oder? Wir kriegen das irgendwie hin."
"Ja, ich weiß," sagte sie, aber ihre Stimme war unsicher.
"Es ist nur schwer, nach allem, was passiert ist."
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in meiner Welt
FanfictionJiyan und Jamal leben in zwei völlig unterschiedlichen Welten. Sie stammt aus einem guten Elternhaus und träumt von einer strahlenden Zukunft. Er hingegen kämpft ums Überleben auf den Straßen, verstrickt in Drogenhandel, um seine Familie über Wasser...
