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⚭
"Ich würde nie heiraten, Hoseok! Wenn ich jemals meine Meinung ändere, dann bin ich auf einen Engel getroffen, der mich verzaubert hat. Aber die gibt es nicht."
Ja, das war die Einstellung meines besten Freundes zum Thema Heiraten. Dieses war zurzeit großes Gesprächsthema zwischen uns, denn meine eigene Heirat würde in wenigen Tagen stattfinden. Ich lachte und klopfte Yoongi auf die Schulter, während er mich ernst ansah. „Ist ja schon gut.", erklärte ich und tatsächlich war mir klar, dass es nichts brachte, mit Yoongi darüber zu diskutieren. Nicht, weil er seine Äußerung mit verschränkten Armen unterstrich oder weil er auch nicht mehr ganz so nüchtern war, sondern weil ich ihn schon so lange kannte und er fest davon überzeugt war und immer der Meinung bleiben würde, eine Hochzeit sei pure Geldverschwendung. Und noch viel entscheidender: Eine Heirat würde ihm zu viel von seiner Freiheit nehmen. Es passte zu ihm, denn Yoongi liebte seine Freiheit. Vor allem wenn es um Liebe ging. Oder um Bedürfnisse. Noch nie war er länger als einen Monat mit einer Person zusammen geblieben. Und auch innerhalb dieser Zeit hielt er die Verbindung äußerst locker.
„Ich muss dann mal nach Hause, morgen haben Mia und ich unseren Tanzkurs.", verkündete ich und stand auf. Jetzt war es Yoongi, der zu lachen begann. „Das wird witzig. Wenn sie dir nochmal auf die Füße tritt, entscheidet ihr euch vielleicht doch dazu, diesen Part zu überspringen und gleich mit der Partymusik anzufangen." „Oh nein, Yoongi! Du hast versprochen, dass du dabei auf dem Klavier spielen wirst. Aus der Nummer kommst du nicht mehr raus!" Mein bester Freund verdrehte die Augen, doch sagte nichts mehr. Wir umarmten uns. Dann verschwand ich in die kühle Februarnacht.
⚭
Am Tag meiner Hochzeit war ich nervöser als nie zuvor und merkte beim fertigmachen kaum, was um mich herum passierte. Ich sah diesen Tag schon jetzt als den schönsten meines Lebens an. Wie konnte Yoongi das bloß so verabscheuen? In unserer Jugend hatte ich versucht ihm einzureden, dass er irgendwann auf eine Person treffen würde, mit der er mehr als nur ein paar Nächte verbringen wollen würde. „Ich glaube nicht an Liebe auf den ersten Blick.", hatte der Ältere sich immer rausgeredet. Damals war Yoongi noch kaum aus dem Haus gegangen, wenn er nicht gerade zur Schule musste. Doch irgendwie hatte ich es geschafft, ihn bald auf einige Partys mitzuschleppen und nach einiger Zeit wurde aus dem Schleppen nur noch ein Auffordern und dann ein Fragen und plötzlich konnte ich ihn kaum noch davon abbringen, bei jeder Gelegenheit dabei zu sein und jedesmal mit einer anderen Person nach Hause zu verschwinden. Das war Liebe, wie Yoongi sie verstand. Seitdem war er fröhlicher, sprach mehr und schien einen großen Teil seiner so fest verankerten Traurigkeit hinter sich gelassen zu haben.
Jetzt, im Alter von 27 Jahren, richtete ich mit schwitzenden Händen meine Krawatte, als Yoongi hinter mir erschien. So formell gekleidet hatte ich ihn selten gesehen und ich musste zugeben, dass ein Anzug ihm unheimlich gut stand. „Du bist ja fast so blass wie ich.", kicherte Yoongi und er hatte recht. „Du verstehst vielleicht nicht wie aufgeregt ich bin, du alter Mann.", entgegnete ich, doch wie auch immer der Ältere es damit geschafft hatte, fühlte ich mich jetzt ein wenig wohler. Ich seufzte und drückte seine Hand. „Ich bin froh das du da bist." Und gemeinsam machten wir uns auf den Weg zum Kirchengebäude.