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„Min Yoongi, ich würde dich bitten, uns deine Analyse vorzulesen." Mein Kopf verweigerte sich, diesen Satz gehört zu haben. Das war doch bloß Einbildung. Lass dich nicht von deinen Befürchtungen täuschen! Du hast nur geglaubt, er hätte dich aufgerufen. „Min Yoongi?" Das Spiel von Licht und Schatten auf den Baumkronen hypnotisierte mich. Eine Faust stieß gegen meinen Ellenbogen. Ganz klar eine Aufforderung. Es war also kein Traum. Alptraum.
Ich riss meine Augen von der fantastischen Außenwelt los (jeder Baum auf dem Schulhof war interessanter als die Tafel im schwülen muffigem Klassenraum mit all dem Staub und Schweiß) und kramte in meinem Kopf nach einer Ausrede, als mein Sitznachbar mir einen weiteren Tritt verpasste. „Uhm...", murmelte ich, um Zeit zu gewinnen und blickte verwirrt zu dem Blondhaarigem. Innerhalb weniger Sekunden schaltete mein Gehirn von Träumen auf Was?Wie?Hä? und es brauchte ein energisches gut verstecktes Kopfnicken in Richtung des Tisches vor mir, bis ich verstand. Vor mir lag (über meinem eigenen halbherzig angefangenem Text) ein deutlich weniger zerknittertes Papier. „Okay..."
Langsam schauten sich wirklich alle nach mir um. Räuspernd richtete ich das Blatt und begann zu lesen. Die ordentliche Handschrift ließ mich von Wort zu Wort flattern und ich vertiefte mich so sehr in der Sache, dass ich schließlich selbst davon überzeugt war, genau das geschrieben zu haben. Wow. Kein Wunder, dass mein Sitznachbar von den Lehrkräften immer mit einem fettigen Lächeln angesprochen wurde. Der schreibt ja auch einfach perfekt.
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„Hey, Jimin. Warte!", wurde ich aufgehalten. Alle möglichen Stimmen wälzten sich durch den endlos langen Schulkorridor. Ich konnte ein Grinsen nicht vermeiden, während ich meinen Schritt verlangsamte; bedacht einen Schritt vor den anderen setzend, abschätzend, wie viel Zeit ich bis zum Ausgang brauchen würde, wenn ich weiterhin so kleine Schritte machte.
Min Yoongi hatte mich eingeholt und boxte mir spielerisch in die Seite. „Danke. Das war lebensrettend!" „Ich weiß.", grinste ich zurück. „Hoffen wir mal, dass das nicht zur Gewohnheit wird.", ergänzte ich während wir uns durch den Ausgang zwängten. Ein Schwall von Hitze empfing uns und nahm mir kurz den Atem. „Klar. Aber Mathe ist mein Untergang. Wie soll ich die halbe Seite Innerhalb eines Nachmittags bearbeiten? Ich brauche für eine einzige Aufgabe schon 15 Minuten. Und danach erstmal eine halbe Stunde Pause von so viel Denkarbeit. Und am Ende sind alle Ergebnisse falsch! Wirklich, mein Nachmittag wird darin Enden, dass ich an meinem Schreibtisch einschlafe." „Hmm.", kommentierte ich, ein wenig abgelenkt von einer Idee, die sich in meinem Kopf festsetzte und so heftig wurzeln schlug, dass die Hitze nur noch ein Nebenfaktor für meine schwitzigen Hände wurde.
„Komm mit." Ich griff nach dem Riemen von Yoongis Schultasche (den, welchen er nicht über seine Schulter geworfen hatte) und zog ihn weiter die Straße entlang. Der Ältere schaute zurück zur Bushaltestelle, an der ich ihn vorbeiführte. Er machte aber keinen Kommentar dazu, dass er eigentlich dort einsteigen müsste. Wer will schon mit der Hälfte der Schule in einen vor Hitze glänzenden Bus steigen?