Closed Eyes

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Die Abendsonne glühte besonders feurig und die dunklen Wälder bemühten sich, ein kontrastvolles Bild zu zeichnen. Yoongi schaute aus dem Fenster und kaute abwesend auf seinen Nägeln. Im Radio des Autos lief Weihnachtsmusik und er bat seinen Fahrer, es auszumachen. Weihnachten war vorbei und er konnte es einfach nicht mehr hören. Nicht, dass er etwas gegen diese warmherzige Stimmung hatte, in der es nach Tanne und Keksen roch, aber gerade konnte er sich nicht auf seine Gedanken konzentrieren, wenn im Hintergrund ein Kinderchor sang.

Er hatte die Feiertage bei seiner Familie verbracht - welche am nächsten Tag verreisen würde, um Silvester bei Freunden zu feiern - und Yoongi, um sie nicht beim Packen und den Vorbereitungen zu stören, sollte nun doch schon einen Tag früher als geplant wieder in die Gemeinschaftswohnung zurückkehren. Die anderen Bandmitglieder waren alle noch bei ihren Familien oder anderen Freunden und würden sich nach und nach wieder in Seoul einfinden. Nur Jimin war schon gestern zurückgekehrt und hatte sich in ihrem Gruppenchat über seine Einsamkeit beschwert.
Da empfand es der Ältere als umso bessere Idee, schnell abzureisen. Denn er vermisste den Jüngeren und hoffte sehr auf einen gemütlichen Tag zu zweit, bevor die anderen eintrudeln würden.

Zwar hatte er gedacht, dass er Jimin auch darüber informiert hatte, doch als er die Nachricht schrieb, dass er in dreieinhalb Stunden eintreffen werde, fuhr gerade der Wagen vor und er vergaß, auf Senden zu drücken.

Die Sonne verschwand hinter der Dunkelheit der Bäume und hinterließ orangene Reflexionen auf einzelnen Wölkchen. Innerhalb von wenigen Minuten gab der Himmel die Aufgabe Licht zu machen an die Umgebung ab. Straßenlaternen, Häuser und Werbeanzeigen. Bäume waren jetzt Bäume und nicht Wald. Der Himmel verlor seine kräftigen Farben und verzog sich in eine dunkelgraue Wolke. Yoongi wurde schläfrig und machte sich nichts weiter aus seiner Umgebung. Er schloss die Augen und dachte an Jimin. Daran, dass er gleich bei ihm sein würde und ihn in den Arm nehmen und seine helle Stimme hören könnte. Er spürte sein eigenes Lächeln bei diesen Gedanken und merkte, wie sein Bauch sich verkrampfte, als er zu lange darüber nachdachte, weshalb er so blöd vor sich hin lächelte. Doch insgeheim fand er das garnicht so blöd.

Aber auch einem Stirnrunzeln konnte er bei diesem heimlichen Gedankengang nicht umgehen. Er versuchte seinen Kiefer zu entspannen und seine Gedanken ohne jegliche körperliche Regung zu genießen. Doch sobald er daran dachte, wie es wäre wenn Jimin neben ihm saß und seine Beine gemütlich auf Yoongis Knien ablegen würde, begann er zu seufzen und fragte sich, ob es überhaupt möglich war, irgendetwas zu denken, ohne gleichzeitig auch etwas zu empfinden.

Jimin dachte währenddessen etwas ganz ähnliches. Er hatte sich eine ausführliche Dusche gegönnt, nachdem er den Mittag im Fitnessstudio verbracht hatte und wollte jetzt einfach nur noch abschalten, bevor sein soziales und sein Arbeitsleben wieder seinen Lauf nehmen würden. Er war gerne unter Menschen, aber Weihnachten war auch für ihn eine Herausforderung. Sein harmoniebedürftiges Herz musste zu solchen Zeiten immer wieder mit Enttäuschungen kämpfen. Wo war der Zauber dieser Jahreszeit? Die Düfte und Lieder, die ihn an seine Kindheit erinnerten? Er hatte sich die Zeit mit seiner Familie wie einen reinen Erholungsurlaub ausgemalt, doch natürlich, es wäre zu schön, würden solche Imaginationen auf die Realität zutreffen. Dabei hatte Jimin sich wirklich sehr bemüht und auch die meisten anderen in seinem Umfeld. Aber nein, irgendetwas war immer.

Yoonmin OneshotsGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt