Teil 33

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Sicht Max
Meine Hände klammern sich viel zu fest ans Lenkrad, während ich durch die dunklen Straßen fahre. Meine Gedanken sind ein einziges Chaos, ein wildes Durcheinander aus Gefühlen und Fragen. Warum habe ich ihn geküsst? Warum bin ich weggelaufen? Und warum fühlt es sich so an, als hätte ich etwas zurückgelassen, das ich dringend wiederhaben will?

Die Straßenlaternen ziehen wie verschwommene Lichter an mir vorbei, aber ich sehe sie kaum. Mein Herz hämmert immer noch in meiner Brust, viel zu schnell und viel zu laut. Ich habe ihn einfach stehen lassen. Bradley.

Ich schüttle den Kopf, als könnte ich damit die Bilder aus meinem Kopf vertreiben – seine Augen, sein Blick, der mich festgehalten hat, als ich schon lange hätte wegsehen sollen. Und dieser Kuss... ich spüre ihn immer noch. Auf meinen Lippen, in meinem ganzen Körper. Es war keine Explosion – es war ein Sturm, der alles durcheinandergebracht hat, was ich dachte, über ihn und über mich zu wissen.

Ich biege in eine Seitenstraße ab und halte schließlich an. Meine Finger zittern, als ich den Motor abstelle, und ich lege meinen Kopf aufs Lenkrad.

„Was mache ich nur..." flüstere ich in die Stille des Autos.

Ein Teil von mir will umkehren, zu ihm zurückfahren und erklären, warum ich abgehauen bin. Aber was würde ich sagen? Dass ich mich in ihn verliebt habe? Dass ich ihn will, mehr als alles andere, und dass mich das gerade selbst völlig überfordert?

Ich lasse den Kopf sinken und schließe die Augen. Die Dunkelheit fühlt sich irgendwie beruhigend an, aber sie lässt die Wahrheit nicht verschwinden. Ich habe ihn geküsst, und ich habe es gewollt – so sehr, dass es mir Angst macht.

„Ich bin so ein Feigling..." murmle ich, bevor ich den Kopf hebe und tief durchatme. Vielleicht sollte ich einfach nach Hause fahren und versuchen, zu schlafen. Vielleicht klärt sich morgen alles. Vielleicht...

Aber selbst als ich den Motor wieder starte, weiß ich, dass es kein „Vielleicht" gibt, das dieses Chaos in mir beruhigen kann.

Ich fahre schließlich in Richtung Uni, meine Gedanken immer noch ein einziges Durcheinander. Vielleicht hilft es, zurück ins Studentenheim zu kommen, in mein Zimmer, wo ich mich verkriechen und versuchen kann, all das zu verarbeiten. Schlafen wäre nicht schlecht – morgen muss ich früh raus, um Bobby und PJ vom Flughafen abzuholen. Doch jetzt fühlt sich die Nacht endlos an, als ob sie mich verschlingen will.

Die Straßen werden leerer, die Stadt ruhiger. Ich parke schließlich vor dem Studentenheim und steige aus. Die kühle Nachtluft beißt leicht in meine Haut, doch es ist nichts im Vergleich zu der Unruhe, die in mir tobt. Mit einem seufzenden Atemzug greife ich nach meiner Tasche und schlendere ins Gebäude.

Auf dem Weg zu meinem Zimmer huschen mir ein paar Gedanken durch den Kopf. Bradley. Sein Blick, seine Hände, seine Lippen. Warum kriege ich das nicht aus meinem Kopf? Warum fühlt es sich gleichzeitig so falsch und so richtig an?

Als ich mein Zimmer erreiche und die Tür hinter mir schließe, fällt mir ein Stein vom Herzen – zumindest ein bisschen. Hier, in der Stille meines Raums, scheint alles für einen Moment weniger drängend, weniger überwältigend.

Ich lasse mich aufs Bett fallen, mein Kopf sinkt ins Kissen, und ich starre an die Decke. „Reiß dich zusammen, Max," murmle ich zu mir selbst. „Es war nur ein Kuss. Ein Kuss, okay?"

Aber selbst während ich das sage, weiß ich, dass es nicht „nur ein Kuss" war. Nicht für mich. Und ich kann nur hoffen, dass ich schnell einschlafe, bevor diese Gedanken mich endgültig in den Wahnsinn treiben.

Ich drehe mich auf die Seite, ziehe die Decke über mich und schließe die Augen. Doch auch in der Dunkelheit sehe ich ihn. Bradley. Sein Gesicht, seinen Ausdruck, seine Augen, als er mich angesehen hat. Was, wenn ich es morgen ruiniere? Was, wenn das schon alles war?

Mühsam zwinge ich mich, tief durchzuatmen. Morgen. Ich denke an morgen. Bobby und PJ. Der Flughafen. Vielleicht bringt der Tag ein bisschen Klarheit. Vielleicht...

Langsam werde ich von der Erschöpfung übermannt, und obwohl mein Kopf noch immer voller Fragen ist, sinke ich schließlich in einen unruhigen Schlaf.

...

Nächster morgen:
Ich wache früh auf, aber ausgeruht fühle ich mich nicht. Mein Kopf ist schwer, und ich habe das Gefühl, dass ich die halbe Nacht wachgelegen habe, obwohl ich mich kaum an meine Gedanken erinnern kann. Wahrscheinlich lag es an Bradley. Wahrscheinlich... nein, definitiv.

Seufzend setze ich mich auf, reibe mir die Augen und starre auf mein Handy. Keine Nachricht von ihm. Gut so, denke ich mir. Oder? Vielleicht wäre es besser, wenn er irgendetwas gesagt hätte... irgendwas, das mir verrät, wie er sich nach gestern Abend fühlt.

„Ach, verdammt," murmele ich und lasse mein Handy wieder sinken. Ich habe keine Zeit, mir darüber den Kopf zu zerbrechen. Bobby und PJ kommen heute zurück, und ich muss mich beeilen, um pünktlich am Flughafen zu sein. Das ist meine perfekte Ausrede. Keine Zeit für Bradley.

Ich stehe auf, ziehe mich an und zwinge mich, den Gedanken an ihn aus meinem Kopf zu verbannen. Aber das ist leichter gesagt als getan. Jedes Mal, wenn ich einen Moment Ruhe habe, sehe ich ihn wieder vor mir – wie er mich angesehen hat, wie nah wir uns waren, wie er mich geküsst hat... nein, wie ich ihn geküsst habe.

Ich schüttle den Kopf, packe meine Tasche und verlasse mein Zimmer. „Reiß dich zusammen, Max," sage ich leise zu mir selbst, während ich die Treppen hinuntergehe. Bradley ist heute nicht mein Problem. Ich werde ihm aus dem Weg gehen, und vielleicht löst sich alles von allein.

Doch während ich zum Auto gehe, spüre ich einen Stich in der Brust. Ein Teil von mir will ihn sehen, will herausfinden, was er denkt, was er fühlt. Doch ein anderer Teil – der lautere Teil – sagt mir, dass es besser ist, erstmal Abstand zu halten. Ich weiß ja nicht mal, was ich will.

Als ich schließlich im Auto sitze und losfahre, rede ich mir ein, dass ich die richtige Entscheidung treffe. Ich konzentriere mich auf Bobby und PJ. Die beiden haben sicher viel zu erzählen, und ich kann mich darauf fokussieren, anstatt auf... ihn.

Aber selbst als ich die Straße entlangfahre, habe ich das Gefühl, dass ich vor etwas davonlaufe. Vor Bradley. Vor meinen eigenen Gefühlen. Und je weiter ich fahre, desto klarer wird mir, dass es mir trotzdem nicht gelingt.

Danke fürs lesen und danke für die Sterne ⭐️.

Maxley Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt